Zwischen Brennöfen und Gusspfannen – Genuss in der Giessi

Bei der Metzgete in der Giesserei sorgt Silvano Stappung (rechts) unter anderem für die frischen Leberli (Fotos: mhi)

Es dampft und zischt in der Giesserei Wolfensberger in Bauma. An diesem Abend aber nicht wegen der Gussteile, die dort normalerweise hergestellt werden. Zum fünften Mal hat der Männerkochclub Chelleland Chuchi zur «Metzgete i de Giessi» eingeladen.

Eine Metzgete in einer Giesserei ist aussergewöhnlich. Vermutlich auch aufgrund dieser sehr speziellen Location ist die Veranstaltung vollständig ausgebucht und nun schon im fünften Jahr ausgesprochen erfolgreich. Wann sonst bekommt man schon die Gelegenheit, das Abendessen in der Giesserei zwischen Brennöfen und Gusspfannen einzunehmen? Rund 320 Gäste haben sich angemeldet, der Abend ist restlos ausverkauft.

Möglich ist diese spezielle Veranstaltung, weil unter anderem Silvano Stappung Mitglied des Männerkochclubs Chelleland Chuchi ist, und zum anderen auch der CEO der Firma Wolfensberger, Markus Schmidhauser. Silvano Stappung kümmert sich denn auch um die Vorbereitungsarbeiten für die Schlemmereien. Ob Blut- und Leberwurst, Speck, Rippli oder Schweinsgeschnetzeltes, vorgekocht wird bei ihm. Der Metzgermeister verfügt über die nötige Erfahrung und die entsprechende Ausrüstung für so eine Veranstaltung. Für den Service greifen dann aber selbstverständlich alle Herren kräftig mit an. Markus Schmidhauser kümmert sich im Vorfeld darum, dass in der grossen Produktionshalle alles bereit ist, um für den Anlass einzurichten.

Monatliche Chochete

Marcel Meier, Präsident des Kochclubs, erzählt, man habe vor einigen Jahren einen Versuch gestartet während des 350-Jahr-Jubiläums des Baumer Märts im Gasthaus Tanne für Gäste zu kochen. Die Vorbereitungen über beinahe vier Tage hätten sich leider nicht gelohnt. Anschliessend sei dann aber die Idee mit der Metzgete in der Giesserei entstanden. Ein traditioneller Anlass im industriellen Umfeld, eine interessante Kombination.

Laut Statuten ist der Club auf zehn Mitglieder beschränkt. Hauptsache ist das gemütliche, gesellige Beisammensein und der Genuss. Seit beinahe 25 Jahren funktioniert das Konzept nun bereits. Man trifft sich bei der monatlichen Chochete in der Kantine der Giesserei, an zehn Terminen im Jahr, so dass jeder einmal hauptverantwortlicher Koch ist. Ausserdem gibt es einen Gästeabend im Dezember – als Jahresabschluss wird an diesem Abend für die Ehefrauen gekocht. Und einmal jährlich gibt es den sogenannten Schlemmerabend. «Wir machen einen Ausflug der normalerweise irgendetwas mit dem Kochen zu tun hat. Zum Beispiel besuchen wir eine Messerproduktion und gehen anschliessend gemeinsam essen», berichtet Marcel Meier. «Zurzeit sind wir nur neun Männer, ein Neuzugang wurde aber bereits gefunden.» Interessierte Männer dürfen sich aber trotzdem melden, irgendwann wird sicher wieder einmal ein Platz frei.

Gusspfannen und Probekellen

Für 35 Franken gibt es an diesem Abend Blut- und Leberwurst, Geschnetzeltes, Rippli, Speck, Rösti, Sauerkraut oder Salzkartoffeln und vieles mehr. Die Bratwürste werden in der grossen Fabrikhalle frisch gegrillt, Leberli werden direkt gebraten. Und bei der schwungvollen Wendung der Röstis werden die Augen gross. Die Schlange am Buffet ist lang, aber das eingespielte Team vom Männerkochclub und seine Helfer und Helferinnen arbeiten zügig. Aus dampfenden Pfannen wird geschöpft und schnell steht der erste gefüllte Teller auf dem Tisch und man darf geniessen.

Markus Schmidhauser, CEO der Giesserei Wolfensberger und Kochclub-Präsident Marcel Meier (rechts) freuen sich über den gelungenen Anlass
Markus Schmidhauser, CEO der Giesserei Wolfensberger und Kochclub-Präsident Marcel Meier (rechts) freuen sich über den gelungenen Anlass

Schon bald hört man die Gäste diskutieren: «Die Blutwurst ist dieses Jahr besonders gut.» Andere sind der Meinung: «Die Bratwürste sind klasse!» Aber auch die Schweinsleberli schmecken wunderbar und über den Tisch hinweg wird eifrig getauscht, damit man wirklich jedes Essen einmal probieren kann. Als es etwas kühl wird, werden die Türen der Brennöfen geöffnet. Ausnahmsweise werden diese zum Heizen genutzt. Ebenso wie eine umgedrehte Gusspfanne, die von unten beheizt wird. Das Ambiente ist rustikal, gegenüber hängen an einem Stützträger Probekellen, mit denen im Arbeitsalltag heisses Metall geschöpft wird. Auf dem Tisch liegen kleine Metallbrocken, im Hintergrund die Maschinen und allerlei Giessereizubehör.

Im Lauf des Abends wird wirklich jeder Tisch in der Giesserei voll. Viele Gäste nehmen auch nicht zum ersten Mal teil, sondern sind «Wiederholungstäter». Eine klassische Metzgete in speziellem Ambiente, dieser Anlass ist einen Besuch wert. Neben dem vielen Fleisch wurden 70 Kilogramm Rösti und 65 Kilogramm Sauerkraut verspeist. Inzwischen wird in der Halle aber natürlich produziert wie immer. In den Öfen befinden sich wieder die Keramikformen und die Gusspfannen werden mit flüssigem Metall befüllt. Vielleicht bis zur nächsten «Metzgete i de Giessi»?!