Zuversicht und Besorgnis nach Verkauf der Giesserei

Die Gemeindepräsidenten von Bauma, Turbenthal, Wila und Wildberg sehen die Übernahme der Giesserei Wolfensberger vorwiegend als Chance (Foto: Kai Hicks)

Die Giesserei Wolfensberger in Bauma wurde per Ende 2017 von einer Münchner Beteiligungsfirma übernommen. «Der Tößthaler» hat die Gemeindepräsidenten von Bauma, Turbenthal Wila und Wildberg befragt, was diese Nachricht bei ihnen ausgelöst hat. Die einen äusserten Zuversicht, die anderen Besorgnis.

Seit drei Generationen war die Giesserei Wolfensberger in Bauma im Besitz der gleichnamigen Familie und wurde als Familienunternehmen geführt. Diese Epoche ist am 31. Dezember 2017 zu Ende gegangen. Seit Anfang Jahr gehört die 1924 gegründete Giesserei der Münchner Beteiligungsfirma Fidelium Partners, die auf Industriebeteiligungen spezialisiert ist. Nachstehend äussern sich der Gemeindepräsident von Bauma, Andreas Sudler, sowie seine Amtskollegen von Turbenthal, Georg Brunner, von Wila, Hans-Peter Meier und von Wildberg, Dölf Conrad, zur Übernahme.

Welche Bedeutung als Arbeitgeber hat die Giesserei Wolfensberger für ihre Gemeinde?

Andreas Sudler (A.S.): Die Firma Wolfensberger ist nebst der FBB der grösste Arbeitgeber in der Gemeinde Bauma und hat diesbezüglich eine sehr grosse Bedeutung für unsere Gemeinde, nicht nur als Arbeitgeber sondern auch als Ausbildungsbetrieb.

Georg Brunner (G.B.): Die Firma Wolfensberger ist ein wichtiger Arbeitgeber in der Region. Es sind auch Einwohner aus Turbenthal in diesem Unternehmen beschäftigt. Es ist wichtig, dass der Standort Bauma mittelfristig gesichert bleibt.

Hans-Peter Meier (HP.M.): Jeder Arbeitsplatz in der Region ist auch für die Gemeinde Wila wichtig.

Dölf Conrad (D.C.): Jeder Arbeitgeber in der Region hat eine grosse Bedeutung für unsere Gemeinde. Weil wir sehr wenige eigene Arbeitsplätze haben, sind wir auf diversifizierte Arbeitsmöglichkeiten unserer Bevölkerung in der Region angewiesen und sichern unsere vollste Unterstützung zu.

Was löst die Nachricht der Übernahme durch die Investmentgesellschaft Fidelium Partners aus München bei ihnen aus?

A.S.: Einerseits Erleichterung, dass durch den Verwaltungsrat ein geeigneter Investor gefunden werden konnte, der sich zum Standort Bauma bekennt. Anderseits wird es sicherlich nicht mehr dasselbe sein, wenn das Unternehmen nicht mehr durch die Eigentümer / Gründerfamilie selbst geführt wird.

G.B.: Es freut mich, dass eine nachhaltige Nachfolgeregelung für die Firma gefunden werden konnte.

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HP.M.: Hoffnung! Dass die Münchner Private-Equity-Firma Fidelium Partners die nötige Geduld für eine nachhaltige Investition in die für die Zukunft entscheidende Roboterisierung und Entwicklung von neuen Giessereitechnologien am Standort Bauma aufbringt. Der neue Eigner kann auch eine Chance bedeuten, namentlich den Zugang zu den Automobilindustrien mit grossen Stückzahlen oder den Markt in China zu öffnen. Medienberichten zufolge soll Wolfensberger der Kern einer künftigen Giesserei-Gruppe werden. Ich hoffe, das Management und die Mitarbeitenden packen diese Chance.

D.C.: Sie löst Sorgen aus um den Erhalt der Arbeitsplätze. Wenn kein kurzfristiges Shareholder-Profitinteresse im Vordergrund steht, sondern eine langfristige, arbeitsplatzsich-ernde Strategie, kann es sogar positiv sein. Nach meinem Kenntnisstand hat die Giesserei Wolfensberger einen hervorragenden Ruf bezüglich Technologie und Qualität. Ich könnte mir vorstellen, dass sie, wie andere auch, mit dem teuren Schweizer Franken kämpft und sich darum langfristig mit einem Grossen zusammentun will.

Beunruhigt Sie die Vorstellung, dass sich die Firma nicht mehr in den Händen einer Tösstaler Familie befindet? 

A.S.: Nein im Moment beunruhigt mich diese Situation nicht. Es ist heute so, dass nur noch sehr wenige Vertreter der Besitzerfamilie in Bauma ihren Wohnsitz haben und damit einen direkten Bezug zum Unternehmen haben. Ich bin jedoch guter Hoffnung, dass infolge der technisch und qualitativ hochwertigen Produkte die Produktion langfristig wirklich in unserer Gemeinde bleibt und dass dank der Innovativkraft der Wolfensberger AG und der Finanzkraft des neuen Investors gute Chancen bestehen, sich neue Märkte und Chancen zu erschliessen.

G.B.: Ein Unternehmer muss seine Firma mit vollen Einsatz führen. Hat die Nachfolgergeneration andere Lebensziele, ist ein Verkauf an einen starken Partner die Alternative.

HP.M.: Die einzige Konstante ist der Wandel, auch in der Giessereibranche. Eine Nachfolgeregelung in einem Familienunternehmen mit engagierten und fähigen Nachfolgern ist und bleibt ein Glücksfall. Wäre im Fall der Firma Wolfensberger ein solcher Kandidat vorhanden gewesen, hätte dieser beträchtliche finanzielle Ressourcen benötigt. Darin ist das Investment in neue Technologien und den Zugang in neue Märkte noch nicht enthalten. Mehr beunruhigt mich jedoch die Tatsache, dass das Unternehmen offensichtlich nicht genügend qualifizierte Fachkräfte wie CNC-Techniker, Projektleiter oder Verkaufsingenieure rekrutieren kann.

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D.C.: Ja; weil einmal mehr eine hochstehende Technologie von anderen übernommen wird und möglicherweise in unserer Region verlorengeht.

Wie pflegen Sie ganz allgemein in Ihrer Gemeinde die Beziehungen mit grösseren Arbeitgebern? 

A.S.: Der Gemeinderat besucht jedes Jahr mindestens einen Betrieb, es muss nicht unbedingt ein grosser sein. Dieses Jahr steht z.B. die Firma Stockys auf unserer Liste.

G.B.: Mit einigen Vertretern von Arbeitgebern sitzen wir zu einem runden Tisch zusammen. Mit anderen pflegen wir die Beziehungen bilateral. Die Gemeinde ist ein wichtiger Auftragsgeber. Der Gemeinderat kann vor allem bei baulichen Themen Hand bieten. Unternehmerische Entscheide müssen von den Unternehmen gefällt werden. Als Unternehmer und ehemaliger Präsident des Gewerbevereins Turbenthal und Umgebung setze ich mich, zusammen mit meinen Gemeinderatskollegen, für Firmen und Gewerbebetriebe in Turbenthal und in der Region ein.

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HP.M.: Für den Gemeinderat Wila ist ein gesundes, breit diversifiziertes Gewerbe, ob grösser oder kleiner, wichtig. Mit den grösseren und auch wichtigen Arbeitgebern in der Gemeinde Wila treffe ich mich in der Funktion als Gemeindepräsident sporadisch zu einem Lunch. Alle zwei Jahre lädt der Gemeinderat alle KMU-Inhaber zu einem Gewerbetreff. Der Gesamtgemeinderat besucht im Rahmen einer Sitzung als Traktandum regelmässig einen Gewerbebetrieb und lernt so die Herausforderungen des Gewerbes in der freien Wirtschaft kennen und bringt diesem so eine kleine Wertschätzung entgegen.

D.C.: Wir legen ihnen sicher keine Steine in den Weg und versuchen, die Beziehungen bestmöglich auszubauen mit dem Ziel, Arbeitsplätze für unsere Bevölkerung nicht nur zu erhalten, sondern auch zu fördern. Dazu zählt auch der Fokus zum Angebot von Lehrstellen.