Zmorge, Zmittag und Zvieri in der Schule

Guten Appetit – die Menuideen stehen auf der Wandtafel (Foto: pa)

Tagesschulen haben dieses Jahr in verschiedenen Gemeinden im Kanton ihren Betrieb aufgenommen. Zu den Pionieren gehört auch die wohl höchstgelegene Schule im Kanton Zürich: die Schule Sternenberg. Ohne viel Aufhebens startete der dreijährige Schulversuch am Montag.

Die Tagesschule Sternenberg ist gestartet. Elf Kinder – sieben Primarschüler und vier Kindergartenkinder – nehmen daran teil: «Viel Freude in der Tagesschule Sternenberg» stand zur Begrüssung auf Blumenstöckchen rings um das Schulhaus Wies in Sternenberg.

Als kleine Bergschule war die Schule Sternenberg schon immer gezwungen, innovativ zu sein. Auf diese Situation machte auch der Film «Sternenberg» mit dem unvergesslichen Mathias Gnädinger aufmerksam. Um die notwendige Schülerzahl zu erreichen, beteiligte sie sich ab 2006 am Schulversuch mit der Grundschule, bis dieser aufgrund der ablehnenden Volksabstimmung 2014 abgebrochen wurde. Die damals getätigten Investitionen in Schulräume erweisen sich jetzt als Gewinn. Für die neue Tagesschule kann die Gemeinde Bauma diese nutzen.

Überhaupt ist die neue Tagesschule ein gutes Beispiel, wie man verschiedene Probleme mit einer guten Idee lösen kann oder wie man aus verschiedenen Nöten eine Tugend macht. Da ist zum einen der klare Wille der Gemeinde Bauma, die Schule Sternenberg zu erhalten. Dieser wurde bei der Fusion der beiden Gemeinden Bauma und Sternenberg deutlich unterstrichen. Eine funktionierende Schule wirkt der drohenden Abwanderung entgegen. Da ist eine vorhandene Infrastruktur, die genutzt werden will: Neben den Räumen der ehemaligen Grundstufe steht auch die grosse Schulküche der ehemaligen Oberstufe zur Verfügung. Und da ist nicht zuletzt der gesetzliche Auftrag, eine «bedarfsgerechte Tagesbetreuung für Schulkinder» anzubieten, die durch einen Mittagstisch allein nicht gewährleistet ist.

Ein attraktives Angebot

Im Schulhaus Wies in Sternenberg die gewünschte Tagesschule einzurichten, lag also nahe. Ein Konzept musste erarbeitet und der Bedarf abgeklärt werden. Vor allem aber musste ein logistisches Problem gelöst werden: Sternenberg liegt weit ausserhalb und oberhalb von Bauma. Immerhin fast 300 Meter Höhendifferenz sind zu überwinden. Schulzeiten und Fahrplan des öffentlichen Busses müssen koordiniert und als Ergänzung ein Schulbusdienst eingerichtet werden. Letzterer bringt vor allem die Kleinen aus den Kindergärten in Bauma und in der Wellenau zur Betreuung nach Sternenberg.

Aber diese Schwierigkeiten müssen sich lösen lassen. «Auf jeden Fall sei es besser», meint Schulpflegepräsident und Gemeinderat Rudolf Bertels, «Schulkinder mit einem zusätzlichen Angebot freiwillig nach Sternenberg zu holen, als sie mit Zwang der Schule Sternenberg zuzuteilen». Kinder, welche die Tagesbetreuung – Morgenessen vor Schulbeginn, Mittagessen und Nachmittagsbetreuung mit Hausaufgabenbetreuung – in Anspruch nehmen, besuchen auch den Unterricht im Sternenberger Schulhaus Wies.

Durch die Tagesschule ist die Schule Sternenberg auf 30 Schüler angewachsen, die in zwei Klassen geführt wird. Die Kapazität der Schule liegt bei 40 Schülern. Ziel wäre es, dass etwa 18 Kinder die Tagesschule besuchen würden. Dafür würden die Räumlichkeiten gerade reichen, da die meisten Kinder das Angebot Tagesschule nicht an allen fünf Wochentagen nutzen. Gemäss Reglement liegt die Verpflichtung bei zwei Tagen. Für die Gemeinde Bauma liegen die jährlichen Kosten bei rund 75’000 Franken. Zwei Drittel der Kosten soll durch die Elternbeiträge, die nach Einkommen sozialverträglich gestuft sind, gedeckt werden.

Guten Appetit und viel Glück

Nun sitzen sie also am langen Tisch in der Schulküche. Die Primarschüler der Tagesschule – zu ihnen gesellen sich noch zwei oder drei Kinder, die in Sternenberg wohnen und die Tagesschule als Mittagstisch nutzen – warten noch auf die Kleinen vom Kindergarten, die mit dem Schulbus gebracht werden. Auf der Wandtafel haben sie schon einmal ihre Essenswünsche aufgeschrieben. Pommes dominieren, aber auch Fotzelschnitten steht da drauf: «Das gibt es zu Hause nur selten, weil sie der kleine Bruder nicht gerne hat».

Gekocht wird vor Ort in der Schulküche von den Tagesschulbetreuerinnen. Am ersten Tag waren dies Rita Canale und Franziska Zehnder. Zweimal in der Woche liefert das Restaurant «Sternen» das Mittagessen. So wird auch lokales Gewerbe eingebunden. Endlich ist der Schulbus mit denen vom Kindergarten angekommen. Das Essen kann geschöpft werden: Salat und Spätzli mit Sauce Bolognese. Guten Appetit kann man den Kindern nur wünschen – und dem Projekt Tagesschule viel Erfolg.