Zeller Schnegg wird den Kollbrunner Kreisel zieren

Ursula Knecht (links) gewann den Wettbewerb für die Gestaltung des Kreisels in Kollbrunn, hier mit ihren Mitbewerbern (ebenfalls mit Blumenstrauss) und Mitgliedern der Jury (Foto: lk)

Mit schwungvoller Musik wurde im Gemeindesaal Engelburg am 2. Januar ausgiebig der traditionelle Brunch des Verschönerungsvereins Zell genossen, über die kreativen Wettbewerbseingaben für den Kreisel Kollbrunn gestaunt, das enorme Engagement für das KTF gewürdigt und der Neujahrsbotschaft des Gemeindepräsidenten gelauscht.

Gut 120 Personen liessen sich die Leckereien des Frühstücksbuffets am Neujahresbrunch der Gemeinde Zell am Berchtoldstag munden, führten muntere Gespräche an den hübsch gedeckten Tischen und wünschten sich freundschaftlich alles Gute für das neue Jahr. In seiner Begrüssungsrede hatte der Präsident des Verschönerungsvereins Zell, Fritz Holzer, nur einen bescheidenen Wunsch. Möge doch bitte kein Abfall mehr in die wunderschöne Natur geworfen werden.

In seiner letzten Neujahrsansprache blickte der scheidende Gemeindepräsident Martin Lüdin auf seine vergangenen drei Ansprachen zurück. «Nur wer weiss, wo er hinsegeln will, setzt die Segel richtig», war das Stichwort der Ansprache von 2016. Die Ansprache von 2014 drehte sich um die Familie. «Das Leben versteht man nur im Rückblick, gelebt werden aber muss es vorwärts». Dieses Zitat war passend für die Zeit des Jahres 2011 in der Gemeinde Zell. Es wurden grössere Entscheide gefällt: die Sanierungen und Ausbauten der Schulanlagen Rikon, die Gestaltung des Zentrums Kollbrunn und gemeinsam mit der Bevölkerung das Leitbild entwickelt. «Was die Inhalte der künftigen Gemeindepolitik sein werden, überlasse ich den Neuen. Sie werden das Schiffchen Gemeinde Zell umsichtig und sicher steuern», schloss Martin Lüdin seine Grussbotschaft mit den besten Wünschen für das neue Jahr.

63 eingereichte Vorschläge

Gemeinderat Bruno Vollmer lobte den Ideenreichtum der eingesandten Kreisel-Vorschläge: «Ich hätte also mehr Gestaltungsideen als wir Kreuzungen in der Gemeinde haben.» Die Projektgruppe, bestehend aus Andrea Hebeisen, Theddy Röschli, Martin Lüdin, Bruno Vollmer und Micaela Schmucki, hatte am 3. Oktober 2017 alle Hände voll zu tun. Es galt eine erste Sichtung der 63 eingereichten anonymisierten Vorschläge für den neuen Kreisel an der Kreuzung Tösstal-/Weisslingerstrasse in Kollbrunn vorzunehmen.

 

So soll der Kreisel mit Schnecken-Element aus grünem Granit gemäss Detailskizze aussehen (Fotos: lk)
So soll der Kreisel mit Schnecken-Element aus
grünem Granit gemäss Detailskizze aussehen (Fotos: lk)

Die Schnecke, das Wappentier der Gemeinde Zell, war immer wieder zu sehen, jedoch auch der Krug aus dem Kollbrunner Wappen oder die Töss. Jedes Objekt wurde von allen Projektmitgliedern unter den Aspekten Gefälligkeit-Originalität, Unterhalt und Ortsbezug bewertet. Eigenheit der Gestaltung, optischer Gesamteindruck, Langlebigkeit des Materials, mögliche Unterhaltskosten, Identität der Gestaltung mit der Ortschaft oder räumliche Einpassung ins Ortsbild waren die detaillierten Fragen, die jeweils mit Punkten zwischen 1 bis 5 bewertet wurden. Aus diesen 189 Fragebogen wurde somit eine erste Rangliste erstellt.

Die ersten sechs Platzierungen wurden dann Ende Oktober eingeladen, ihre Ideen hinter den Objekten zu erklären und die mögliche Umsetzung und der Kostenrahmen wurden besprochen.

Anschliessend wurden die drei Finalisten eingegrenzt. Diese drei Objekte wurden dem Kanton zur Prüfung eingereicht und prompt wurde das Objekt «Der Kuss» von Walter Baumann aus Neftenbach aus Sicherheitsgründen abgelehnt. So waren am Schluss noch zwei Frauen im Rennen, Margrit Wenk aus Kollbrunn mit der Stahlplastik «Töss» und Ursula Knecht aus Rikon mit dem Zeller Schnegg aus grün-schimmerndem Andeer-Granit.

Eine Schneckenfigur aus grünem Granit

Gewonnen hat schliesslich Knecht mit dem Zeller Schnegg. Der Sockel wird 4,5 Meter lang und der Granit zwischen 2,6 und 3,2 Meter hoch sein. Auf einem speziellen Bett aus Kieselsteinen wird dieser Schnegg den Kollbrunner Kreisel zieren. Überglücklich und sehr überrascht vom Sieg erzählt Ursula Knecht, dass sie den Entwurf fast nicht eingereicht hätte. Sie war sich nicht sicher, ob es nicht zu einfach sei und ob nur die massstabsgetreue Skizze (ohne 3-D-Modell) reichen würde.

Schliesslich wurden von Gemeindepräsidenten Martin Lüdin stellvertretend für die gut 250 OK-Mitglieder und über 2500 HelferInnen in den verschiedensten Chargen drei ZellerInnen für ihren enorm engagierten Einsatz für das Kantonale Turnfest 2017 in Rikon gewürdigt.

 

Für das grosse Engagement für das Kantonale Turnfest in Rikon gewürdigt

Am Neujahrsbruch der Gemeinde Zell findet jeweils auch eine Ehrung statt. Stellvertretend für die gut 250 OK-Mitglieder und über 2500 HelferInnen in den verschiedensten Chargen wurden vom Gemeindepräsidenten Martin Lüdin drei ZellerInnen für ihren enorm engagierten Einsatz für das Kantonale Turnfest 2017 in Rikon gewürdigt – Petra Reifer-Schoch als Präsidentin des Trägervereins, Markus Kägi als Vize-Präsident des Gesamt-OKs und Christian Bosshard als Ressortverantwortlicher.

Bereits im Jahr 2011, beim KTF in Wädenswil, wurde der Austragungsort Rikon erwähnt. Alsbald war klar, dass der Turnverein Rikon diesen Grossanlass allein nicht stemmen kann. Es wurde ein Trägerverein aus den acht Turnvereinen der Region, Bauma, Wila, Turbenthal, Schalchen-Wildberg, Seen, Schlatt, Weisslingen und Rikon, gegründet und Petra Reifer-Schoch als Präsidentin gewählt. Dieser Trägerverein war Auftraggeber für das KTF, zuständig für den Aufbau des OK, die Findung der OK-Mitglieder, die Bewilligung des Fest-Budgets sowie der Schlussabrechnung. Eine riesige Verantwortung also. In der Vorbereitungsphase war Reifer noch berufstätig, ausserdem ist sie Mutter geworden und hat am KTF selber noch zahlreiche Helferstunden übernommen und im August kurz nach dem KTF nochmals ein Kind geboren.

Wurden für ihr Engagement für das KTF gewürdigt: Markus Kägi, Petra Reifer-Schoch und Christian Bosshard (von links, alle mit Blumenstrauss), mit Gemeindepräsident Martin Lüdin (Foto: lk)
Wurden für ihr Engagement für das KTF gewürdigt: Markus Kägi, Petra Reifer-Schoch und
Christian Bosshard (von links, alle mit Blumenstrauss), mit Gemeindepräsident Martin Lüdin (Foto: lk)

Wie hat sie das alles geschafft, wollte Lüdin wissen. Reifer-Schoch antwortete, dass sie sehr dankbar sei und eine wunderbare Familie um sich herum habe. «Mein Mann hat jeweils abends auf die erste Tochter
Fiona aufgepasst, wenn ich an Sitzungen war und meine Eltern und Schwiegereltern haben sich mehr Zeit genommen um Fiona zu hüten, wenn ich einmal einen halben Tag KTF-Schreibarbeit zu erledigen hatte.»

Auf die Frage, was es ihr bedeute, dass der Grossanlass nun der Geschichte angehöre, antwortet Petra Reifer-Schoch: «Ein bisschen Wehmut. Ich rede gerne über den Anlass. Doch die kleine Livia ist im August auf die Welt gekommen und wir sind privat am Bauen. Es steht genügend Ablenkung und Arbeit an.»

Der zweite Geehrte, Markus Kägi aus Unterlangenhard, hatte schon beim Verbandsturnfest 1992 in Zell beim OK mitgeholfen und war nun mit den ehemaligen TV-Rikon-Mitgliedern Christoph Bölsterli (Co-Vizepräsidum) und Hans-Peter Meier (OK-Präsident) im Kern-OK dieses kantonalen Turnfestes. Erarbeitung von Konzepten und Weisungen, Geschäftsreglement und Nachhaltigkeits- und Sicherheitskonzept, Anlaufstelle für Finanzen, Personal, Sicherheit und Infrastruktur, Controlling-Funktionen der Finanzen, Termine und Qualität sind nur ein paar wenige Hauptaufgaben, die im Pflichtenheft verzeichnet waren.

Durch Martin Lüdin auf sein Arbeitspensum für das KTF angesprochen, erzählte Kägi, dass er dies nicht auf die Stunde genau angeben könne. «Es waren intensive fünf Jahre und je näher das Fest kam, desto mehr Sitzungen waren nötig. Der Termin war klar und es musste dann alles parat sein.»

Aufbau des OK als grösste Herausforderung 

Als grösste Herausforderung bezeichnete der Unterlangenharder den Aufbau des OKs, dem 250 Personen angehörten. Vor allem, dass nicht nur die Ressortchefs mit dem entsprechenden beruflichen Netzwerk und Wissen definiert waren, sondern auch die Stellvertretungen. «Auch mussten wir Ersatz finden für Ressortchefs, die aus beruflichen oder persönlichen Gründen noch in den letzten Monaten vor dem KTF den Rücktritt erklärten.»

Berührend schön

Christian Bosshard hat als ehemaliges Vorstandsmitglied des TV Rikon im 2011 entscheidende Überzeugungsarbeit geleistet. Als Marketing-Sponsoring-Chef war er verantwortlich für das Erscheinungsbild, die Öffentlichkeitsarbeit, den Ticket- und Festkartenverkauf und die Akquisition von Sponsoren. Gemäss Businessplan mussten rund 1,7 Millionen Franken an Sponsorengeldern akquiriert werden. Er ist zweimal Vater geworden in der Vorbereitungszeit und hatte einen normalen 100-Prozent-Job. Wie geht das und ist er froh, dass das KTF Geschichte ist, wollte der Gemeindepräsident wissen.

Bosshard sagte: «Meine Familie geniesst mich nun sehr. Ich hatte vor dem KTF ja auch noch den Job gewechselt. Es war eine tolle Zeit, intensiv im letzten Jahr vor dem Anlass und teilweise auch mit Bedenken, ob alles klappt, ob genügend Tickets verkauft werden, ob das Wetter stimmt und die Besucher kommen. Für Bosshard war das persönliche Highlight der zweite Samstag, als die Menschenmassen, die gut 12’000 TurnerInnen und über 20’000 BesucherInnen auf den Festplatz strömten. «Das war für mich berührend schön!»