Zell feierte mit Sonne und Fröhlichkeit

Sympathischer Country-Sänger Marco Gottardi tanzt gemeinsam mit den Line-Dancern (Foto: lk)

Es war nicht nur das schöne Wetter, das die Zeller Chilbi zu einem besonderen Ereignis machte: Es war die Fröhlichkeit und Herzlichkeit, mit der alle FestbesucherInnen an dieses Fest gingen und damit zum Gelingen beitrugen.

Ein stetiger Menschenstrom, mal mehr mal weniger, wälzte sich am Wochenende ins Dörfchen Zell: Familien mit Kindern, ältere und jüngere Pärchen, ein bunt gemischtes Publikum verteilte sich auf dem Dorfplatz und bestaunte die zahlreichen Verkaufsstände, probierte die Angebote der verschiedenen Festbeizen und liess sich von den Vergnügungsmöglichkeiten verführen. Viele Heimweh-Zeller finden alle zwei Jahre anlässlich der Zeller Chilbi den Weg hierher, so sind viele herzliche Begrüssungen zu sehen, man hat sich zwei Jahre lang nicht mehr gesehen, hat viel zu erzählen und nimmt sich gerne die Zeit dazu. Zum Beispiel zum Flanieren entlang der Stände, um die filigranen Kunstwerke zu bestaunen oder das geduldige Handwerk zu bewundern und grosszügig einzukaufen.

Wer in einem Essbeizli einkehrte, musste sich jedoch zuerst entscheiden, worauf er/sie Lust hatte: Auf ein sämiges Sternenberger Raclette oder leckere, tibetische Momos, Tösstaler Pizza, Spaghetti mit verschiedenen Pestos, einen Spiess oder Hamburger oder Wurst vom Grill, oder vielleicht doch lieber Rösti, heissen Kaninchen-Fleischkäse mit Kartoffelsalat. Für den kleinen Hunger gab’s Crêpes, Kuchen, Bauernhofglace, Knoblibrot oder Mini-Donuts.

Rodeo und Fallgatter

Das Bullriding, man sitzt auf einem automatisch gesteuerten Bullen, der sich immer schneller und ruckartig in verschiedene Richtungen dreht, war bei Jung und Alt beliebt; ob als Möchtegern Cowboy auf dem Bullen oder als Zuschauer, lustig war es für alle Beteiligten. Mal war eine Gruppe von Erwachsenen um den Bullen versammelt und feuerte sich gegenseitig an, mal eine Clique von Jugendlichen oder Kindern. Einige landeten nach wenigen Sekunden wieder auf den weichen Matten, andere wiederum konnten sich länger halten. Den Rekord stellte der Teenager Cerin Palladino mit stolzen 68 Sekunden auf.

Auch das Spiel Fallgatter-Spiel ist stets beliebt: Da sitzen sich zwei Kontrahenten gegenüber auf einem Balken auf rund zwei Meter Höhe. Beide bekommen Bälle und müssen nach dem Startkommando gegenseitig auf den Auslöseknopf zielen und werfen. Wird dieser getroffen, klappt der Balken auf und der Verlierer fällt in die weichen Matten, während der Gewinner sitzen bleibt und der nächste Gegner kann vis-a-vis Platz nehmen. Für die kleinen BesucherInnen war die Hüpfburg ein magischer Anziehungspunkt und grad nebendran das Päcklifischen.

Eine Attraktion für sich war die Kügelibahn der Pfadi Diviko. Diese wurde laufend ausgebaut. Gross und klein waren fasziniert von den kreativen Ideen, um fehlendes Gefälle oder Hindernisse zu überbrücken. Der Beginn der Kügelibahn befand sich am Geländer der Langenhardstrasse, leicht oberhalb des Kirchenplatzes, dort waren die zahlreich gespendeten WC-Rollen zu einem Rohr zusammengeklebt worden. Bergab rollt eine Kugel ja noch ganz gut, doch nun musste gefahrlos die Strasse überquert werden. Da wurde kurzerhand ein «Lift» gebaut: Die Kugel wurde in das Fächli gelegt, mittels eines kleinen Flaschenzugs hinaufgezogen und oben angekommen, rollte sie hinaus, durch die Rohre oben am  Strassengerüst und weiter zum Kirchenplatz. Dort traf die Kugel auf eine von Hand angetriebene Seilbahn und rollte durch halboffene Rohre weiter bis zum Zieleinlauf. Begeistert schnappten sich die Kinder die Kugel und rannten wieder zurück zum Start, um sich einen zweiten Durchgang zu gönnen.

Tanzen im Country-Rhythmus

Mit Spannung wurde das Open-Air-Konzert von Country-Sänger Marco Gottardi mit seiner «Silver Dollar Band» erwartet. Die treuen Fans waren am Country-Kleidungsstil zu erkennen. Ob mit Cowboy-Hut oder -Stiefeln tanzten die Fans, ob als Paar oder alleine, im Line-Dance zu den altbekannten Melodien. Mit Evergreens und Oldies stellte sich der Sänger aufs Publikum ein, führte nur wenige seiner eigenen Kompositionen auf und wurde mit grossem Applaus und Zugaberufen belohnt.

Der Zeller Kinderchor war herzig anzuschauen. Stimmlich wurden einige beachtliche Leistungen dargeboten. Spielerisch sangen sich die Kinder in die Herzen des Publikums. Unter der Leitung von Sarah Deissler sangen sie Stücke aus dem aktuellen Musical «s’Gletscherchind» (Aufführungen 9., 10., 23. und 24. September im Gemeindesaal Rikon), aus den Paul-Burkhard-Liedern und mit dem Volkslied «Zoge’n am Boge» noch ein perfekt zur Chilbi-Stimmung passende Stück.

Die beiden Orgelkonzerte in der Kirche «Chilbimusik für Händ und Füess» wurden teilweise vierhändig von Eva Rüegg und Cornelia Orendain gespielt. Die Konzerte bildeten eine angenehme Oase inmitten des zeitweise lauten Chilbitreibens, die gerne von vielen ZuhörerInnen aufgesucht wurde.

Die neueröffnete Körperschule in Zell bot mit der Aikido-Show eine eindrückliche Vorführung dieser japanischen Kampfkunst der Selbstverteidigung. Bewundernswerte Anmut zeigte die Hirsch-Gruppe, die oberhalb von Zell von Peter Kyburz gehalten wird, bei den interessanten Führungen waren bis zu dreissig Personen dabei.

Die Kunst hat ihren Platz

Mit einem eigenen Logo und sieben Ausstellern waren die KünstlerInnen in diesem Jahr prominent vertreten. Während Ursula Steinbeck und die Kultur-Schmitte schon länger bei der Zeller Chilbi dabei sind, wurde erstmals das alte Feuerwehrlokal für die Kunst geöffnet und so konnten drei KünstlerInnen, Ernesto Bucher, Nicole Chenevard und Uta Lang, darin ihre Werke ausstellen. Bei Monika Furrer zuhause stellten ebenfalls erstmals Yvonne Frei und Monika Furrer ihre Acryl-Bilder aus. Während Monika Furrer bunte Fantasievögel, -Fische und Collagen gestaltet, sind bei Yvonne Frei metallene Farben dominierend.

Ursula Steinbeck betörte mit sanften und kräftigen Rosenbildern. In der Kultur-Schmitte waren Malerei und Objekte von Mona Beck und Bruno Giacobbo (Ausstellung noch bis 10. September) zu betrachten und draussen waren Kunstwerke aus der Mittelalterzeit zu bewundern. Ernesto Bucher begeisterte mit seinen Steinbildern. Die Bilder sind sehr schwer, wirklich aus Stein, aber die darauf entstandenen Sujets wirken leicht. Uta Lang, Theatermalerin, zeigte in ihren Bildern ihre präzise Beobachtungsgabe. Bei den Bildern von Nicole Chenevard kann die Fantasie einfliessen. Sie präsentierte ihre farbenfrohen und mit besonderen Details gespickten Collagen.

Musikalisch umrahmter Chilbi-Gottesdienst

Mit dem Pfarrer Kurt Witzig, dem farbenfroh-gekleideten Kirchenchor und dem peppigen Orgelspiel von Cornelia Orendain und Eva Rüegg wurde den Kirchgängern ein passender Chilbi-Gottesdienst geboten. Die KirchenbesucherInnen wurden mit einem lüpfigen norwegischen Tanzlied überrascht. Mit bewunderndem Lächeln drehte sich manch einer um und schaute zur Orgel hinauf. Am liebsten hätte man geklatscht nach dem Stück, aber das gehört sich wohl nicht. In seiner Predigt sprach der Pfarrer vom Säen und Ernten, von der Deutung und der Bedeutung und deren unterschiedliche Interpretationen. «I have a dream», ich habe einen Traum, das gefühlvoll arrangierte Lied wurde vom Kirchenchor hervorragend umgesetzt, beim irischen Segenslied «May the lord show his mercy upon you» und beim Lied «Ich wünsche dir» wurde das Wechselspiel zwischen den tiefen und hohen Stimmregistern eindrücklich umgesetzt, sehr zur Freude der Zuhörer. Die Kollekte ging zugunsten der Partnergemeinde Culpiu in Rumänien. Einige Vertreter der Gemeinde werden zum diesjährigen Erntedank-Gottesdienst Ende September in Zell zu Besuch sein.

Das Organisationskomitee der Zeller Chilbi war die ganze Zeit auf dem Gelände anzutreffen. Die gut erkennbar gekleideten Männer und Frauen schauten überall zum Rechten, mal bei der Bühne beim Einrichten fürs nächste Konzert, mal als Ablösung beim Bullriding, mal bei den WC-Anlagen für Ordnung sorgend und abends dann zwischen den Festbeizen patroullierend, bis kurz nach ein Uhr nachts dann der Security mit seinem Hund die Aufsicht übernahm. «Es war toll, dass die Festbeizen sehr diszipliniert die Polizeistunde um zwei Uhr einhielten und rechtzeitig die Gäste drauf aufmerksam machten», lobt der OK-Präsident Stephan Güpfert die Festwirte. Ein rundum gelungener Anlass, der die Vielseitigkeit der Zeller Menschen gezeigt hat.