«Wir wollten eine Klimaschule sein!»

Manuel Scherrer, Schulleiter Beat Spaltenstein und Schulpflegepräsidentin Cornelia Oelschlegel (von links) (Foto: vh)

Vergangenen Freitagabend erhielt die Sekundarschule Breiti in Turbenthal die Auszeichnung zur Klimaschule – und das als erste Schule der Schweiz. Die Auszeichnung wurde von der Klimaschutzorganisation myblueplanet verliehen.

Die Sonne schien an einem wolkenlosen Himmel, ein erfrischender Wind fegte hin und wieder zwischen den Schulhäusern durch und spielte mit dem Feuer, darüber blubberte ein «Chili con Carne» in einem grossen Topf, aufgehängt an einem Feuer-Dreibein. Auffallend waren auch die fast schon künstlerisch wirkenden Bündel vertrockneter Äste – mit Draht zusammengebunden – beim Schulhauseingang. Eine gewisse Erwartung lag in der Luft, und dies mit Recht: Das Sekundarschulhaus Breiti erhielt als erste Schule in der Schweiz die Auszeichnung «Klimaschule».

Schülerinnen und Schüler, Lehrpersonen und weitere Gäste fanden sich im Schulhaus ein, bewunderten die vielen verschiedenen Projekte, die in der Projektwoche unter dem Motto «Mit Energie durch die Woche» entstanden sind. Diese waren sowohl in den Schulzimmern als auch in der Eingangshalle des Schulhauses ausgestellt, Schülerinnen und Schüler gaben bereitwillig über ihre Arbeiten Auskunft.

Auszeichnung als Jahresziel

«Diese Auszeichnung zur Klimaschule war ein Jahresziel von mir als Schulleiter, dieses Jahr wollte ich das mit meinem Team schaffen», erklärt Beat Spaltenstein, Schulleiter der Sekundarschule Breiti. «Wir sind alle hocherfreut darüber», fährt er weiter. Er schreibt dies auch der sehr guten und fruchtbaren Zusammenarbeit mit dem Projektleiter von Blueplanet, Manuel Scherrer, zu.

Die Übergabe der Auszeichnung fand in der Eingangshalle des Schulhauses statt. Manuel Scherrer gratulierte Beat Spaltenstein zur Auszeichnung: «Aus meiner Sicht lief das Projekt bis heute optimal. Ich spürte die Begeisterung des Schulleiters und seines ganzen Teams». Die Zusam-
menarbeit sei offen und unkompliziert gewesen und das Projekt mit dieser Schule habe ihm viel Freude gemacht.

Freude und Wertschätzung fanden sich auch in den Worten von Cornelia Oelschlegel, Schulpflegepräsidentin der Schulgemeinde Turbenthal-Wildberg. Sie eröffnete ihre Rede mit den Worten: «Herzliche Gratulation – Bravo und Dankeschön». Sie sei sehr stolz auf die Schule Breiti und ebenso beeindruckt von dem, was das Schulteam und Schülerinnen und Schüler hier erreicht hätten. Der sorgfältige Umgang mit unserer Umwelt sei angekommen, fährt sie weiter, dies falle ihr nur schon dadurch auf, dass beispielsweise kein Licht brenne in den Schulzimmern, dass Plastikbecher verbannt worden seien und nachhaltige Trinkbecher zur Verfügung stünden. Auch sie selbst leiste einen kleinen Beitrag zum Klimaschutz, indem sie heute immer mit dem Velo zur Arbeit nach Turbenthal fahre und nicht mehr mit dem Auto, fügt sie schmunzelnd hinzu.

Die Lehrpersonen sind sich einig darin, dass diese Auszeichnung sie motiviert weiterzumachen. «Ich war eher überrascht, dass wir diese Auszeichnung als Schule bereits erhalten. Und natürlich habe ich mich sehr darüber gefreut», sagt René Hänsli, Sekundarlehrer. Er empfindet es als schöne Anerkennung für die vielen grossen und kleineren Projekte, die sie im Schulhaus bereits durchgeführt haben. Und das diese auch Wirksamkeit zeigen. Bemerkte er doch beispielsweise, dass seine Schülerinnen und Schüler eine grosse Aufmerksamkeit für Energiesparmöglichkeiten entwickelten. Er werde des Öfteren darauf hingewiesen, dass es eigentlich kein Licht mehr brauche im Zimmer, dass der Beamer schon lange nicht mehr im Einsatz sei und abgestellt werden könne und anderes mehr. Die gleiche Erfahrung machte auch Barbara Schoch, ebenfalls Sekundarlehrerin im Schulhaus Breiti. Ihre Schülerinnen und Schüler haben definitiv ein Bewusstsein entwickelt, Energie zu sparen. «Ich erlebe das tagtäglich mit meinen Schülern und Schülerinnen, sie korrigieren und kritisieren einander und auch mich», erklärt sie. «Gerade beim Lüften letzten Winter hörte ich immer wieder, die Fenster nicht zu kippen, sondern sie ganz aufzumachen, damit richtig und energieeffizient gelüftet wird.»

Sekundarschule Breiti wollte mehr

Manuel Scherrer machte die Sekundarschule Breiti nach erfolgreichem Abschluss des Projektes «Jede Zelle zählt» (siehe Kasten) auf das Anschlussprojekt «Klimaschule» aufmerksam. Beat Spaltenstein und sein Schulteam waren sich schnell einig, dass dies den Nagel auf den Kopf traf: sie alle wollten eine Klimaschule sein. «Das entsprach und entspricht uns und unserer Philosophie total», sagt Beat Spaltenstein mit Überzeugung. «Wir waren schon entsprechend unterwegs, noch nicht in einer solch verpflichtenden Art und Weise wie jetzt als Klimaschule», fährt er weiter.

Die Kriterien für eine Klimaschule (siehe Kasten) zu erfüllen, war teilweise sehr arbeitsintensiv, wie etwa die verbindliche Umsetzung der Klimaleitsätze im Unterricht. «Das ganze Team sass zusammen und stellte eine Liste von möglichen Fächern zusammen, in denen es sinnvoll war, diese Leitsätze umzusetzen», erinnert sich Beat Spaltenstein. Das Team beschloss, die Klimaleitsätze in zehn Fächern verbindlich umzusetzen. Beispielsweise berechneten Schülerinnen und Schüler ihren ökologischen Fussabdruck im Fach Mathematik und Geometrie, in der Haushaltkunde erfuhren sie vieles über saisonales Gemüse und warum saisonales Gemüse aus der Region einen grossen Einfluss auf den Umweltschutz haben kann. Im Fach Geografie behandelten die Lehrpersonen Themen wie Klimaerwärmung, Treibhauseffekt, und wie Gütertransporte weltweit dazu beitragen.

«Je länger das Schulhausteam an diesen Kriterien arbeitete, desto stärker wuchs die Überzeugung, genau auf dem richtigen Weg zu sein», erklärt Beat Spaltenstein. «Ich bin in dieser Sache allerdings in einer sehr komfortablen Lage in unserem Schulhaus», fährt er weiter, «sind alle – von den Lehrpersonen über Schülerinnen und Schüler bis zum Hausmeister – mit einem hohen Engagement dabei, wir ziehen alle am berühmten gleichen Strick!»

Es sei nun aber sehr wichtig, dass es weitergehe, sagt Beat Spaltenstein. «Wir müssen noch vieles mehr umsetzen, was wir uns vorgenommen haben. Eine Priorität habe ich ganz persönlich dabei: Der Papierverbrauch muss verringert werden, da müssen wir einen Weg finden. So kann es nicht weitergehen», und das sagt er mit grossem Nachdruck.

Alle Informationen zu:
myblueplanet: www.myblueplanet.ch
Jede Zelle zählt: www.jzz.ch
Klimaschule: www.klimaschule.ch
Sekundarschule Breiti: www.sektw.ch