«Wir stehen 700 Prozent hinter diesem Projekt»

Im Zuge der Sanierung des Gemeindehauses soll auch der Vorplatz neu und attraktiver gestaltet werden (Foto: Archiv tth)

Der Gemeinderat von Bauma hat im Hinblick auf die Gemeindeversammlung vom 19. Juni über die Sanierung des Gemeindehauses informiert. Besonders interessant war der Vergleich des Sanierungsprojekts mit den als Alternativen gehandelten Standorten. Es war eine längst fällige Klärung.

Kaum ein Bauprojekt hat die Gemeinde Bauma in den letzten Jahren so bewegt, wie die Sanierung des Gemeindehauses. Es würde zu weit führen, die gesamte Vorgeschichte hier noch einmal Revue passieren zu lassen. Nur soviel: Der Beschluss des Gemeinderats vom April 2016, 4,9 Millionen Franken für die Sanierung des Gemeindehauses als gebunden zu erklären, ist rechtskräftig. An der Gemeindeversammlung vom 19. Juni werden die Stimmberechtigten jedoch über zwei weitere Kredite im Zusammenhang mit diesem Projekt befinden, die nicht gebundene Ausgaben sind:

  • 237’000 Franken für den Ausbau des Chronik-Archivs im Dachgeschoss, den Einbau eines Duschraums, den Ersatz des Wandputzes im Treppenhaus mit einem Überzug aus Baumwollgewebe sowie die Versetzung des Brunnens auf die Vorderseite des Gemeindehauses.
  • 310’000 Franken für die Neugestaltung des strassenseitigen Vorplatzes des Gemeindehauses. Dazu gehören die Pflanzung von zwei Baumgruppen, eine Pflästerung
    sowie eine Sitzmauer zur Dorfstrasse hin.

Der Gemeinderat empfiehlt der Gemeindeversammlung, beide Kreditanträge gutzuheissen.

Alle Alternativstandorte haben Haken

Im Zusammenhang mit der Sanierung des Gemeindehauses wurden mehrfach das Areal des alten Landi beim Bahnhof und das Werkhofareal als alternative Standorte ins Spiel gebracht. An der Informationsveranstaltung vom vergangenen Donnerstag packte der Gemeinderat die Chance, bei der Diskussion um allfällige Alternativstandorte reinen Tisch zu schaffen. Gemeinderat Paul von Euw, Ressortleiter Hochbau + Liegenschaften präsentierte dazu überzeugende Plus- und Minuspunkte sowie Vergleichszahlen:

  • Werkhofareal: Der einzige Vorteil dieses Areals ist, dass es sich bereits in der Zone für öffentliche Bauten befindet. Dagegen sprechen die Lage am Rande des Ortes und die schlechte Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr. Als nachteilig erweist sich auch, dass unter dem Areal eine teure Tiefgarage erstellt werden müsste, um Platz zu bieten für die Privatautos der Gemeindeangestellten sowie der Feuerwehrleute. Die Mehrkosten eines neuen Gemeindehauses auf dem Werkhofareal könnten zudem niemals durch den Verkauf des Gemeindehauses kompensiert werden. Der Verkauf würde, wenn es gut geht, rund eine Million Franken einbringen; zu wenig, um die Tiefgarage zu finanzieren.
  • Gasthof Tanne: Die «Tanne» ist zwar zentral gelegen, verfügt aber über zu wenig Parkplätze. Bei einem Umbau des heutigen Gasthofs müssten vermutlich strengere denkmalschützerische Auflagen erfüllt werden, als beim heutigen Gemeindehaus. Die Verwaltungsnutzung und die Saalnutzung sind nur schwer miteinander zu vereinbaren. Schliesslich müsste dem Restaurantpächter gekündigt werden, was zu einem Einnahmenverlust für die Gemeinde führen würde.
  • Alter Landi: Dieses Areal könnte mit seinen über 4800 Quadratmetern gut ein neues Gemeindehaus samt Werkhof und Feuerwehr aufnehmen, es ist zentral gelegen und gut zu Fuss, mit dem öffentlichen Verkehr und mit dem Auto erreichbar. Doch dieses Areal müsste von einer Wohnzone W3 in eine Zone für öffentliche Bauten umgezont werden. Dies würde zu einer massiven Landentwertung führen. Heute ist dieses Land schätzungsweise 2,9 Millionen Franken wert. Mit einer Umzonung würde der Landwert auf 732’000 Franken sinken. Zudem hätte man den Lärm von Werkhof und Feuerwehr an zentraler Lage. Auch beim alten Landi müsste eine Tiefgarage in der Grundwasserzone erstellt werden, was mit zusätzlichen Ausgaben von zwei Millionen Franken zu Buche schlagen würde.

Ein Gemeindehaus, kombiniert mit Werkhof und Feuerwehr auf dem Grundstück alter Landi, wäre letztlich ein grosses Verlustgeschäft, machte von Euw deutlich und lieferte auch die entsprechenden Zahlen: Die Sanierung des aktuellen Gemeindehauses wird, gebundene und ungebundene Kosten zusammengerechnet, rund 5,3 Millionen Franken kosten, bei Nettoinvestitionen 2,4 Millionen Franken. Bei einem Neubau auf dem Areal alter Landi müssten Nettoinvestitionen von 8,4 und Gesamtkosten von 9,4 Millionen Franken veranschlagt werden. Angesichts der grossen Investitionen, die sonst noch in den nächsten Jahren auf die Gemeinde Bauma zukommen, leuchtet ein, weshalb der Gemeinderat die Sanierung des aktuellen Gemeindehauses als beste Lösung sieht.

Designer-Möbel sind nicht sakrosankt

Im Anschluss an den Informationsteil hatten die interessierten Bürgerinnen und Bürger Gelegenheit, Fragen zum gesamten Sanierungsprojekt zu stellen. Wie zu erwarten war, wurde auch die Frage gestellt, wie es mit der Neuanschaffung von Möbeln für die Gemeindeverwaltung stehe. Dazu erklärte Ressortleiter Hochbau + Liegenschaften von Euw: «Wir werden neue Möbel anschaffen, aber wir sind nicht auf eine bestimmte Marke fixiert.» Gemeindepräsident Andreas Sudler doppelte nach: «Im Gemeinderat sind wir keine Fans der Designer-Möbel von USM Haller.» Viele Stimmberechtigte hatten daran Anstoss genommen, dass im Devis für die Sanierung 280’000 Franken für die Ausstattung sämtlicher Arbeitsplätze mit Büromöbeln von USM Haller veranschlagt sind. Dieser Posten bleibt zwar im Budget, doch der Gemeinderat hat klar signalisiert, dass er in erster Linie qualitativ gute Büromöbel will, und diese dürfen durchaus auch weniger kosten als die Designer-Marke.

Es wurde auch die Frage gestellt, weshalb der Brunnen, der heute hinter dem Gemeindehaus steht, auf den strassenseitigen Vorplatz platziert werden soll. Von Euw erläuterte, dass dadurch auf der Rückseite mehr Parkplätze geschaffen werden können. Alle Parkplätze werden eine Breite von 2,5 Metern aufweisen und entsprechen sowohl in ihren Ausmassen, als auch in ihrer Anordnung den gültigen Normen des Schweizerischen Verbands der Strassen- und Verkehrsfachleute (VSS). Ein gemeindeeigener Landstreifen von fünf Meter Breite muss zu diesem Zweck dem bestehenden Spielplatz abgenommen werden. Gleichzeitig gelangt der Brunnen wieder an seinen ursprünglichen Platz auf der Vorderseite des Gebäudes. Zusammen mit der Bepflanzung und der Sitzmauer soll damit ein attraktiver, im Sommer sonnengeschützter Aufenthaltsort, vor allem für Hochzeitsgesellschaften, entstehen.

Eine weitere Frage betraf ganz allgemein die Kapazitätsreserven des sanierten Gemeindehauses. Gemeindepräsident Sudler wies darauf hin, dass solche Prognosen schwierig seien. Er erinnerte aber daran, dass beim Kanton Bestrebungen in Gang seien, das Steuerwesen stärker zu zentralisieren. So sei es durchaus möglich, dass in der Gemeinde Bauma in ein paar Jahren das Steueramt wegfalle, und damit Platz frei werde.

Zum Abschluss betonte Gemeindepräsident Andreas Sudler: «Der Gemeinderat steht 700 Prozent hinter diesem Projekt. Ich hoffe, dass wir uns das nächste Mal im sanierten Gemeindehaus zum Einweihungsapéro treffen.»

DAS PROJEKT IN KÜRZE
Ein grosser Teil der Bauteile des Gemeindehauses hat das Ende seiner Lebensdauer erreicht. Entsprechend hoch ist der Instandsetzungsbedarf. Mit Ausnahme der Wärmeverteilung müssen sämtliche Haustechnikinstallationen ersetzt werden. Verschiedene Bauteile weisen Asbestvorkommen auf, die mit besonderen Verfahren beseitigt werden müssen. Die gesamte Fassade wird saniert und alle Holzfenster durch neue ersetzt. Durch den Einbau eines Liftschachts wird tief in die Tragstruktur des Gebäudes eingegriffen. Dafür stabilisiert dieser künftig das gesamte Gemeindehaus und gewährleistet die geforderte Erdbebensicherheit. Der Einbau von tragenden Stützen ermöglicht es, nichttragende Wandelemente einzubauen, die eine flexible Raumgestaltung gewährleisten. Weiter wird der Brandschutz den aktuellen Richtlinien angepasst und alle Geschosse hindernisfrei gestaltet. Nach dem Entscheid der Gemeindeversammlung will der Gemeinderat bereits am 26. Juni das Baugesuch für die Sanierung des Gemeindehauses einreichen. Anfang November soll der provisorische Standort für die Gemeindeverwaltung in der ehemaligen Truppenunterkunft an der Gublenstrasse 32 eingerichtet. Der Bezug des sanierten Gemeindehauses ist für Januar 2019 geplant.