«Wir müssen eine gemeinsame Grundhaltung entwickeln»

Die Kirchenpflegepräsidentinnen Erna Brüngger (l.) und Marianne Heusi werden dieses Jahr ihre Kirchgemeinden zusammenführen (Fotos: zVg)

Der Zusammenschluss der Kirchgemeinden Turbenthal und Wila ist nun Tatsache. Der «Tößthaler» hat die Kirchenpräsidentinnen gefragt, wie es nach den Beschlüssen der Kirchgemeindeversammlungen weitergeht.

Der Zusammenschluss der reformierten Kirchgemeinden Turbenthal und Wila ist seit vorletztem Sonntag Realität. Der «Tößthaler» hat den Kirchenpflegepräsidentinnen der beiden Kirchgemeinden einige Fragen zur Übergangszeit und zur Zukunft gestellt. Die neue Kirchgemeinde Turbenthal-Wila wird ab 1. Januar 2019 offiziell ihre Tätigkeit aufnehmen.

Sind Sie erleichtert, dass nun der Schritt zum Zusammenschluss beschlossen ist?
Erna Brüngger (E.B.): Ganz klar, Ja. Wir haben viel gearbeitet und sind zur Überzeugung gelangt, dass der Zusammenschluss der richtige Weg ist. Dass uns die Kirchgemeindemitglieder so klar das Vertrauen ausgesprochen haben ist sehr schön.
Marianne Heusi (M.H.): Ja, ich bin froh, dass wir den Zusammenschluss durchführen dürfen. So besteht die Aussicht, dass die beiden Kirchgemeinden ihre Angebote und Aufgaben bündeln und gut koordinieren können.

Was muss nun, abgesehen von den Kirchenpflegewahlen im September, bis Ende Jahr noch organisiert und vorgespurt werden?
E.B.: Dazu haben wir bereits im Vorfeld eine umfangreiche Checkliste erstellt. Viele Aufgaben sind rein administrativer Art wie z. B. das Anpassen der Grundbucheinträge. Dann gibt es aber auch strategische Fragen wie die Organisation des Sekretariats oder der Rechnungsführung zu klären. Nicht zuletzt werden wir uns mit inhaltlichen Themen befassen, wie z.B. dem Gottesdienstplan, oder den verschiedenen Angeboten zum Gemeindeleben für Senioren, Erwachsene, Familien, Kinder und Jugendliche.
M.H.: Vor dem Zusammenschluss-datum vom 1. Januar 2019 gibt es einige administrative Arbeit zu erledigen. Die Reglemente der beiden Gemeinden müssen überarbeitet und zusammengeführt werden. Die Archive müssen so vorbereitet werden, dass ein neues, gemeinsames Archiv geschaffen werden kann. Die Stellenbeschriebe der Mitarbeitenden müssen überprüft und allenfalls angepasst werden. Ganz wichtig ist es uns aber auch, eine gemeinsame Grundhaltung zu entwickeln.

Wie werden die Gemeindemitglieder auf das künftige Zusammengehen eingestimmt?
E.B.: Da sprechen sie ein grosses Anliegen an. Ich denke ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt sich durch gemeinsam Erlebtes, das zur gemeinsamen Geschichte wird. Das Feiern, das ja mit zu den Kernaktivitäten der Kirche gehört, eignet sich dazu hervorragend. Wir können aber davon ausgehen, dass die einzelnen Kirchgemeinden für sich auch nicht völlig einheitlich sind. Eine Vielfalt an Ausrichtungen und Glaubenshaltungen muss Platz haben, um sich zugehörig fühlen können. Diese bereichernde, belebende Vielfalt haben wir deshalb ebenso im Blickfeld. Meiner Einschätzung nach lässt sich ihr jetzt gemeinsam besser Raum und Aufmerksamkeit geben.
M.H.: An den Öffentlichkeitsveranstaltungen und in der schriftlichen Vernehmlassung im Jahr 2017 haben wir das Vorhaben bekannt gemacht und die Bevölkerung zu Wort kommen lassen. Das «TreffPUNKT»-Angebot bieten wir bereits seit zwei Jahren gemeinsam an. An den Feierlichkeiten zu 500 Jahre Kirche Turbenthal nahmen wir Wilemerinnen und Wilemer interessiert Anteil. Welche Veranstaltungen oder Aktionen wir in diesem Jahr durchführen werden, haben wir noch nicht geplant.

Wie gedenken Sie, die Traditionen Ihrer Gemeinden weiterzuführen?
E.B.: Traditionen leben von der Begeisterung die von ihnen ausgeht. Die christlichen und zum Teil reformierten Traditionen sind in erster Linie prägend bei den «traditionellen» Anlässen in Turbenthal. Die persönliche lokale Note erhalten sie durch die Veranstaltenden und Teilnehmenden. So bleibt vieles einigermassen im Fluss und lebendig. Eine Kinderweihnacht, ein Suppenzmittag, ein Osterfeuer und Erntedank usw. werden wir weiterhin in beiden kirchlichen Räumen feiern.
M.H.: Auf jeden Fall werden wir uns in Wila weiterhin an der Neujahrsbegegnung beteiligen. Die besonderen Gottesdienste, die in den beiden Gemeinden Tradition haben, werden wir auf jeden Fall weiterführen. In Wila sind das insbesondere die Osternachtfeier, die Kolibriweihnacht oder die meditativen Abendgottesdienste. Auch der Seniorenzmorge in Wila wird weitergeführt.

Arbeiten Sie schon an Ideen für neue, gemeinsame Vorhaben?
E.B.: Ideen, ja die sind vorhanden. Diese müssen aber noch konkretisiert und zur Umsetzungsreife gebracht werden. Unser grosses Anliegen dabei ist die Jugend. Wünschenswert ist auch, neben den Sonntagmorgengottesdiensten alternative Formen für Gottesdienste zu finden. Es gibt so Vieles, das auf andere Weise religiöse Resonanz in uns in Schwingung bringen kann, zum Beispiel Musik- oder Naturerlebnisse. Hier gemeinsam Visionen zu entwickeln und sich deren Umsetzung zu überlegen darauf freue ich mich.
M.H.: Im Rahmen des «TreffPUNKTs» haben ganz unterschiedliche Kurs- und Kulturangebote Platz, die wir bereits gemeinsam durchführen. Der Gottesdienstplan wird aufeinander abgestimmt und wir werden nach und nach Neues entwickeln. Im September führen wir eine Retraite durch, um eine gemeinsame Grundhaltung zu entwickeln. Da werden beide Pfarrpersonen und die bisherigen Kirchenpflegemitglieder dabei sein und die Kandidierenden für die neue Kirchenpflege ebenfalls eingeladen werden.

Werden Sie im September für die neue Kirchenpflege der Kirchgemeinde Turbenthal-Wila kandidieren?
E.B.: Ja. Das Gemeindeleben mitzugestalten ist mir schon seit langem ein grosses Anliegen. Als Kirche können wir viel zu einer guten solidarischen Gemeinschaft beitragen. Dafür möchte ich mich weiterhin einsetzen.
M.H.: Ich bin gern bereit, die Umsetzung der Fusion zu Ende zu führen und werde daher für die neue Kirchenpflege kandidieren. Ich hätte mir gut vorstellen können, dies als Mitglied zu tun. Da Erna Brüngger das Präsidium der neuen Kirchenpflege nicht übernehmen möchte, werde ich mich als Präsidentin zur Verfügung stellen.