Wilemer möchten auch im Alter im Dorf wohnen

Gemeinderat Sacha Huber erwartet Anstoss aus der Bevölkerung (Fotos: pfe)

Auf Einladung der Ortsvertretung von Pro Senectute und des Gemeinderates liessen sich am letzten Samstagnachmittag im Eichhaldesaal in Wila gegen 50 Wilemerinnen und Wilemer über mögliche Wohnformen im Alter informieren.

Man fühlt sich so geborgen, wenn alle Stühle besetzt sind», freute sich Ruth Zumsteg über das grosse Interesse an der Informations-Veranstaltung zu möglichen Wohnformen im Alter an diesem schönen, aber kalten Frühlingsnachmittag. Die Leiterin der Ortsvertretung der Pro Senectute hielt kurz Rückschau, was bisher stattgefunden hatte. Zusammen mit der Alterskommission des Gemeinderates habe ihre Ortssektion eine gross-angelegte Umfrage zu Wohnwünschen und -vorstellungen im Alter in Wila gemacht. In Zusammenarbeit mit Monique Cornu, der Gemeinwesen Beraterin der Pro Senectute, wurden mögliche Szenarien für ältere Wilemer Bewohner eruiert. Mit deutlich über 50 Prozent Rücklauf der Umfrage – oder in absoluten Zahlen 257 eingegangenen Antworten – könne von einer repräsentativen Umfrage ausgegangen werden, sagte Cornu einleitend. Wohnen sei im Alter besonders wichtig, unterstrich die Fachfrau, denn über 80 Prozent seiner Zeit verbringe man im Alter in der Wohnung. Deshalb sei es wichtig, für sich die geeignete Wohnform zu finden.

Monique Cornu, die Begleiterin der Alterskommission von Wila, hat für den Anlass vom vergangenen Samstag vier Wohnformen zur Präsentation ausgewählt, die aufgrund der Umfrageergebnisse grundsätzlich für Wila in Frage kommen könnten. Cornu fügte an, dass die ältere Wilemer Bevölkerung mehrheitlich in einer komfortablen Ausgangssituation wäre, weil doch gut 65 Prozent der Umfrageteilnehmenden derzeit Wohneigentum besässen. Deren Häuser und Wohnungen seien bereits mehrheitlich altersgerecht bereitgestellt. Deshalb verwundere es nicht, wenn sich 50 Prozent der Älteren im Alter weiterhin eine komfortable Wohnsituation wünschten, interpretierte Monique Cornu.

Vier altersgerechte Wohnformen als Beispiele präsentiert

Cornu stellte als Beispiel einer generationenübergreifenden Wohnform die Siedlung Widenbühl von Mönch-altorf vor. Speziell dort gäbe es viele Begegnungsmöglichkeiten im Innern der Gebäude wie auch im Freien. Gewünscht seien nachbarschaftliche Kontakte mit allen bewohnenden Alterskategorien. Als Beispiel mit Alterswohnungen gehobenen Standards stellte Monique Cornu als zweites die Siedlung Maettmi50plus von Mettmenstet-ten vor. Grosszügige Grundrisse, guter Komfort, hohe Individualität und Selbständigkeit stünden im Vordergrund, wobei der Wunsch nach Nachbarschaftskontakten der Hauptfokus dieser Siedlung sei. Initiiert wurde diese Wohnform von Privaten und von Älteren, die allesamt ehemalige Besitzer von Einfamilienhäusern gewesen waren.

Ruth Zumsteg will am Thema Wohnen im Alter dranbleiben

Das dritte Beispiel stammt aus Niederweningen. Der Gemeinschaftshof in Niederweningen zeige beispielhaft, wie eine Wohnform für preisgünstiges Wohnen im Alter möglich sein könnte. Die dort gebauten Gemeinschaftsräume seien nicht nur für die Siedlungsbewohner gedacht, sondern für alle in der Gemeinde. Nicht funktioniert habe die Idee der Initianten, dass die neuen Siedlungsbewohner Aufgaben und Arbeiten in der Bauernhofgemeinschaft übernehmen würden, ergänzte die Referentin. Die Alters- und Pflegewohnungen von Bäretswil zog Cornu als letztes Beispiel heran. Hier seien Wohnformen von hoher Selbständigkeit bis hin zu Pflegebedürfnissen unter einem Dach vereint. Der Vorteil dieser Wohnform sei, dass Spitex-Bedürfnisse je nach Bedarf zur Verfügung stünden. Auch zeige das Beispiel Bäretswil, dass das Zusammenspiel von öffentlicher Hand und privaten Trägern als Initianten gut geklappt habe. Allen vorgestellten Wohnmodellen liegt der Genossenschaftsgedanke zu Grunde. Ein jeweiliger Trägerverein sei der Organisator und Betreiber.

Als Schlussfolgerung zum weiteren Vorgehen in Wila bilanzierte Monique Cornu, dass für die lange Planungsphase von der Bedürfniskonkretisierung bis zur Baurealisierung einer geeigneten Wohnform mit bis zu sechs Jahren gerechnet werden müssten. Ferner hiess es, eine geeignete Trägerorganisation sei zu finden. Aus ihrer Sicht sei es wichtig, dass die Initiative für Wohnformen im Alter von der Bevölkerung kommt.

Anstoss für weiteres Vorgehen wird erwartet 

Der anwesende Gemeinderat Sacha Huber schob nach, dass seine Recherche sogar elf altersgerechte Wohnformen ergeben hätten. Er fragte in die Runde, welche der vorgestellten Wohnformen spontan den Vorstellungen der mehrheitlich älteren Anwesenden am ehesten entsprechen würden. Konkret dazu wollte sich niemand äussern. Es schien sich abzuzeichnen, dass altersdurchmischte Wohnformen tendenziell von den eher noch «jüngeren Älteren» vorstellbar wären. Für Huber steht aber fest: «Die Initiative für eine Lösungsfindung Wohnen im Alter muss von der Bevölkerung kommen». Seiner Meinung nach sei es nicht Sache einer Behörde, Vorschläge zu machen. Seitens Gemeinderat werde man sich aber gerne dafür einsetzen. Er plädierte für eine Meinungsbildung auf breiter Ebene. «Die Thematik Wohnen im Alter betrifft das ganze Tösstal und nicht nur Wila». Ruth Zumsteg erwähnte, dass in Wila noch Bauland für allfällige Wohnungen fürs Alter vorhanden wäre. Nebst dem gäbe es noch das Legat Schoch, das als Finanzierungsbasis herangezogen werden könnte. Doch auch sie machte klar, dass der Anstoss für ein weiteres Vorgehen zu Wohnen im Alter von der Basis kommen müsse.

Der anwesende Architekt Ernst Huggler weiss aus eigener Erfahrung, dass neue Wohnformen im Altersbereich von 70 bis 80 Jahren am ehesten gefragt würden. Zunehmendes Bedürfnis sei das Wohnen mit integrierten Dienstleistungen. Ein solches Projekt stehe unmittelbar vor der Realisierung in Rämismühle, gab er auf Anfrage bekannt.

Zu Sprache kamen Seniorenresidenzen, die nach Aussage von Monique Cornu für Gutbetuchte eher in städtischen Gegenden zu finden seien. Ruth Zumsteg wünscht sich eine solche Form für Wila nicht. Auch Huber sieht im Tösstal dafür keine Rechtfertigung. Das Ei des Kolumbus, welche Wohnform für einen alternden Menschen in Wila die geeignetste ist, muss erst noch gefunden werden. In der anschliessenden Diskussion im Rahmen des Apéros schälte sich unter den Anwesenden eine Tendenz heraus, wonach wenig Bereitschaft da zu sein scheint, das finanziell gut tragbare Eigenheim gegen eine deutlich teurere neue Mietwohnung einzutauschen. Ruth Zumsteg versprach, am Thema Wohnen im Alter dran zu bleiben und zu gegebener Zeit wieder zu einer Info-Veranstaltung einzuladen.