Wildkräuter – ein wissenswerter Rundgang

Reger Austausch mit dem interessierten Publikum (Fotos: lk)

Beruhigend, anregend, entzündungshemmend, krampflösend – all diese Wirkstoffe finden sich in unseren Gärten, in den Pflanzen, die wir teilweise abschätzig «Unkraut» nennen. Beim Kräuterspaziergang der Kulturkommission Zell gab es allerlei Wissenswertes über die heimischen Kräuter und deren Wirkung, auch über ihre Herkunft und die Namensgebung.

Am Wegrand stehen unbemerkt viele kleine Köstlichkeiten. Beim von der Kulturkommission Zell organisierten Anlass «Essbare Wildkräuter aus dem Naturgarten» im Restaurant Obstgarten brachten Judith Degen und Hedi Werren den Teilnehmenden so manches Kräutlein näher. Der Naturgarten des Restaurants ist ein Paradies für Wildkräuter. Diese dürfen vor sich her wachsen, sich vermehren und werden aber auch in der Küche bei der Wirtin des «Obstgarten» verwendet.

Geich zu Beginn ihrer spannenden Exkursion behandelte Degen sich selber: Sie riss die Fäden des Breitwegerich-Blattes heraus, zerknüllte diese zu einer kleinen Kugel und steckte sie in ihren Bauchnabel. Sie war noch leicht kränkelnd angereist und brauchte etwas zur Beruhigung des Magens. Dieses Mittel wirke nicht nur auf die Verdauung, sondern auch auf den ganzen Torso und den Solar-Plexus.

Heilende Wirkung

Das Frauenmänteli wirke hervorragend bei Frauenleiden, das Warzenkraut helfe zellteilungshemmend wirksam gegen Warzen. Gundermann, früher von Mineuren und Büchsenmachern wegen dem Blei angewendet, wirke entgiftend.

Dann gab es da die Rote Gartenmelde, ein Spinatgewächs, das nun im Programm Pro Specia Rara wieder aufgenommen wurde und das Wermutkraut, das nicht nur wegen des alkoholischen Getränks bekannt ist. Die Nelkenwurz, das Chindlichrut, den Beinwell, auch Wallwurz genannt, waren die nächsten Kräuter, die vorgestellt wurden. Während der Breitwegerich durch Europäer in Amerika ausgesiedelt wurde, wächst nebendran die Strahlenlose Kamille, eine Einwanderin aus Amerika. Der Unterschied zu unserer einheimischen Kamille wurde besprochen und gezeigt. In einer halben Stunde kam die Gruppe kaum fünf Meter weit, während mindestens zehn Wildheilkräuter besprochen, deren Blätter befühlt und gerochen wurden. Dabei hat Degen nur eine kleine Auswahl der vorhandenen Pflanzen vorgestellt.

Immer wieder gab Degen auch Tipps zur Verarbeitung der jeweiligen Kräutern und ihren verschiedenen Pflanzenteilen. Die Knospen können getrocknet oder eingeleget, die Blüten gerieben und über Salat gestreut werden. Die Blätter und Stängel werden fein gehackt in einem Pesto verarbeitet. Eine andere Variante wurde mit Bärlauch demonstriert: Zwei Blätter mit Frischkäse bestreichen, zusammenlegen, in Bierteig ausbacken, in Streifen geschnitten als Apero servieren.

Allgemein sollte man sich die Pflanzen oder Teile davon stets mit den Fingern abbrechen, niemals mit den Nägeln oder dem Messer oder der Schere abschneiden. So kann man fühlen, dass die Pflanze noch frisch ist und keine Fäden zieht. Und wenn man jedes Kraut behutsam in die Finger nimmt, anschaut und abbricht, sieht man schon während dem Pflücken seinen Zustand. Ist es schmutzig oder hat es Läuse daran, stehen lassen – so erspart man sich ein allfälliges Waschen oder nochmaliges Nachkontrollieren vor der Weiterverarbeitung.

Bewusst pflücken – genussvoll essen

Sorgsam hatte Degen während dem Rundgang die Wildpflanzen in die Schüsseln der Teilnehmenden gelegt. Vom einen Kraut mehr, von anderen nur wenig – es ging ja nach dem Rundgang auch ans Kochen. Die Küche im «Obstgarten» war zu klein für alle zwanzig Anwesenden, so wurde abwechselnd gearbeitet. Für die Brennnesselsuppe hatte Werren Zwiebeln und Kartoffeln vorgekocht. Ein grosser Bund Brennnesseln kam dazu und alles wurde püriert, mit Rahm oder Bouillon verfeinert und in Tassen serviert. Die gesammelten Kräuter wurden zerkleinert auf ein Butterbrötchen gestreut oder mit Olivenöl zu einem dicken Brei vermischt, mit Baumnüssen und Feta ergänzt und auf vorgerösteten Brotscheiben kurz überbacken.

So war ein köstliches Drei-Gänge-Menü aus dem Garten gezaubert worden: Brote mit frischen Kräutern, Brennnesselsuppe und Crostini mit Wildkräutern überbacken. Bei gemütlichem Beisammensein wurde über das Gelernte geredet und die eine oder andere Wirkung nochmals bei Degen nachgefragt.

NÄCHSTER ANLASS
Die Kulturkommission Zell entschuldigt sich, dass nicht auf allen Flyern die korrekten Anmeldeinformationen gedruckt waren. Der nächste Anlass der Kulturkommission findet am Sonntag, 17. Juni 2018 um 17 Uhr in der reformierten Kirche Kollbrunn statt: Sommerserenade des Kirchenchors Zell mit Instrumental-Ensemble.