Wie Most und eine Flaschensammlung zusammenfanden

Diese Flasche mit dem Konterfei von Don Pasqual brachte Albert Büchi dazu, Flaschen zu sammeln (Foto: rg)

Die Flaschensammlung von Albert Büchi ist am Sonntagnachmittag im Innenbereich des Ortsmuseums Turbenthal ein Blickfang. Draussen zeigen die Vorstandsmänner des Vereins für ein Ortsmuseum, wie mit einer alten Mostpresse und Muskelkraft frischer, reiner Obstsaft entsteht.

Während Jahren hat Albert Büchi als Redaktor der Lokalzeitung «Der Tößthaler» die Leserschaft mit Berichten aller Art unterhalten. Im Sommer wechselte der 63-Jährige zum letzten Mal seinen Arbeitsplatz und schreibt nun für die «Elgger/Aadorfer Zeitung». So wurde und wird einem grösseren Publikum eine seiner kreativen Seiten sichtbar. Albert Büchi hat neben der Schreib-leidenschaft aber noch andere zu beachtende Interessen. Geschichtliche Hintergründe haben es ihm angetan und er reist ausgesprochen gerne. Es ist bewundernswert, an welche Abenteuer und Destinationen in der Welt er sich trotz seines Handicaps wagt. Im Jahre 1991 wurde ihm nämlich bei einer Ausfahrt mit dem Motorrad infolge eines unverschuldeten Unfalls ein Bein abgetrennt. Seither meistert er sein Leben mit einer Prothese am linken Bein. Mit dem Unfall musste er zwangsläufig auch sein grosses Hobby, das Motocross fahren, aufgeben. Diesem Sport ist er bis heute eng verbunden, er ist aktives Mitglied im Moto-Club Wila und engagiert bei den in Schlatt stattfindenden Motocross Rennen.

Mal mit dem Campingbus, mal mit einer Reisegruppe

Wenn er eine Reise macht, dann kann es gut sein, dass er auf dem Rückweg irgendeine Flasche im Gepäck hat. Besondere Exemplare finden sich natürlich auch in der Schweiz, oder er entdeckte sie auf seinen Einsätzen, die er als IMBA Funktionär an Motocross Rennen in vielen europäischen Ländern machte. Unter IMBA versteht man den Internationalen Motorsport-Bund für Amateure. Weil das Motorradfahren für ihn nur noch auf der Strasse und mit einem Seitenwagen möglich ist, wechselte er nach dem Unfall zum Sitzball im Behinderten-Sportclub Winterthur. Auch in dieser Tätigkeit wurde es Büchi möglich, fremde Länder zu bereisen. So erkämpfte sich die Schweizer Auswahl gar in Uganda und Ruanda jeweils die Bronzemedaille an der Weltmeisterschaft. Das erfüllt ihn bis heute mit Freude, viel körperlicher Einsatz wurde wunderbar belohnt.

Wo immer er ist, er geht mit offenen Augen durch die Gegend, und so kommt das eine Souvenir zum anderen. Albert Büchi hält aber fest: «Mein Bestreben ist nicht, eine möglichst grosse Sammlung zu haben. Vielmehr müssen mir die Flaschen gefallen oder eine spezielle Bedeutung für mich haben.» Unter den Ausstellungsstücken befinden sich solche aus «exotischen» Destinationen wie etwa Tasmanien, Russland oder den Färöer-Inseln. Normalerweise reist er alleine, oft fährt er im Campingbus in Europa herum. Die letzte Fahrt führte ihn in die Normandie und die Bretagne. Einen langgehegten Traum konnte er sich erfüllen, als er mit einer Gruppe nach Südamerika reiste. Dort wagte der in Seelmatten wohnende Büchi mit Unterstützung der Reisegruppe den Aufstieg zur Ruinenstadt Machu Picchu (Peru).

Alte Tradition, seit bald 30 Jahren immer wieder schön

Während im Innenbereich des Museums die Sonderausstellung zu sehen ist, führt der Verein für ein Ortsmuseum im Aussenbereich die Moschtete durch. Selbstversorgung war in früheren Jahren auf den bäuerlichen Betrieben auch in Sachen der Mostherstellung üblich. Der Verein ist im Besitz einer dieser alten Mostpressen, und alle Jahre wieder wird sie in Schwung gebracht und rattert einen Nachmittag lang. Die Vorstandsmänner beherrschen die Saftherstellung gekonnt und es ist sowohl Vergnügen wie auch Genuss, den ganz frischen Saft zu probieren. Wer immer Lust hat, darf mithelfen. «Es ist möglich gegen einen Unkostenbeitrag eine oder zwei Flaschen abzufüllen und mitzunehmen», verrät ein Vorstandsmitglied.

Mit der Moschtete will der Verein bewusst ein altes Handwerk am Leben erhalten. Dabei wird man auch mit der Natur konfrontiert. Dieses Jahr hat ein Frost im Frühjahr an den Obstkulturen in der Gegend grossen Schaden angerichtet und jetzt genügend Äpfel und Birnen zu finden, ist gar nicht so leicht. Am Sonntag werden aber dennoch im Aussenbereich die sich mit Obstsaft füllenden Standflaschen zu sehen sein.

 

Info
Das provisorische Ortsmuseum in Turbenthal, Tösstalstrasse 20, ist am Sonntag, 8. Oktober 2017, von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Zu sehen ist die Flaschensammlung von Albert Büchi und die traditionelle Moschtete; der erste Druck des Obstes findet um 14.15 Uhr statt.