Wie die Zwingliwurst
nach Turbenthal kommt

Die Kappeler Milchsuppe auf einem Gemälde von Albert Anker. Am Turbenthaler Chilefäscht wird allerdings nicht Suppe gelöffelt, vielmehr kann man herzhaft in eine Zwingliwurst beissen (Foto: Wikipedia)

Wenn am Wochenende vom 13. und 14. Mai in Turbenthal das grosse Chilefäscht zum 500 Jahr-Jubiläum stattfindet, wird man zum ersten Mal eine Zwingliwurst geniessen können. Der Zürcher alt Metzgermeister Walter Reif hat das Rezept dazu ausfindig gemacht.

Die Geschichte der Zwingliwurst, die es nach Turbenthal schafft, ist darauf zurückzuführen, dass der Vater von Barbara Brunner eine gute Spürnase hat. Walter Reif hatte jahrelang in Zürich als Metzgermeister an der Zürichbergstrasse ein eigenes Geschäft; dieses ist heute im Besitz seiner Söhne. Das Metzger-Gen hat er zweifellos der Familie vererbt! Denn seine Tochter Barbara führt zusammen mit ihrem Mann Georg die Metzgerei Brunner in Turbenthal. Als die Anfrage kam, ob die Metzgerei am Chilefäscht mitmache, kam der Reifersche Scharfsinn zum Einsatz. Der Rentner forschte zwar im Internet nach, aber erst in der Zentralbibliothek (öffentliche wissenschaftliche Allgemeinbibliothek in Zürich) fand der 84-Jährige das entscheidende Rezept.

Der Lieblingsmetzger des Reformators Huldrych Zwingli, Frederico Liebermann, hat es so quasi für die Nachwelt festgehalten. Tatsächlich ist das Originalrezept in einem Rezeptbuch zu finden und stammt aus dem Jahre 1517. Die Zutaten sind Schweine- und Rindfleisch sowie Halsspeck, alles unterschiedlich gehackt. Damals natürlich noch mit dem Wiegemesser. Dazu kommen Gewürze wie Salz und Pfeffer sowie Knoblauch, Zwiebeln, Lauch und als Tüpfelchen auf dem i noch etwas Schnaps! Das ergibt eine kräftige und würzige Wurst. Davon konnten sich bereits die Mitglieder der Spurgruppe, die sich um die Feierlichkeiten des Jubiläumsjahres kümmert, anlässlich eines Testessens kurz vor Ostern vergewissern.

«Zwingli hat gutes Essen und auch gute Würste geschätzt», weiss Walter Reif zu erzählen. So kann man nun also in Turbenthal in diesem Jahr das 500 Jahr-Jubiläum der Kirche feiern, dazu noch die durch Huldrych Zwingli angeregte Reformation. Das alles führt nun hin zum Chilefäscht. Dass man da am Grillstand der Metzgerei Brunner die Zwingliwurst kaufen und probieren kann, ist nun in der Tat ein Kuriosum. Die Produktion der Wurst untersteht dem Jungmetzger George Brunner (ebenfalls vom familieninternen Gen befallen!), und sie wird nach dem Fest ins Sortiment der Metzgerei aufgenommen, wo sich zudem die Tösstalerwurst findet, deren Rezept ebenfalls durch Walter Reif in der Zentralbibliothek entdeckt worden war.

Jubliäumsbrot vom Ehriker Beck

Der Ehriker Beck hingegen wird extra für diesen Anlass ein Brot kreieren; es heisst sinnigerweise Jubiläumsbrot und wird in einem runden Körbchen mit einem Friedenstauben-Symbol gebacken. Das eher dunkle Brot wird am Chilefäscht zum ersten Mal verkauft und gelangt nachher als Monatsbrot in den regulären Verkauf, das verrät die Geschäftsführerin Hanna Hofer.

Man möchte ihr raten, das Rezept sorgsam aufzubewahren, denn wer weiss, vielleicht findet es jemand in 500 Jahren, wenn man ein besonderes Fest feiert in Turbenthal. Das muss man sich einfach mal vorstellen! Daraus könnte sich dann wieder eine neue Geschichte entwickeln…