Wer macht das Rennen in Turbenthal? 

Herausforderer Markus Küng und der amtierende Gemeindepräsident Georg Brunner (Fotos: Archiv tth)

Am 22. April stehen sich in Turbenthal der amtierende Gemeindepräsident Georg Brunner und Gemeinderat und Schulleiter Markus Küng gegenüber. Die zwei lokalpolitischen Schwergewichte kandidieren für das Amt des Gemeindepräsidenten. Zu dieser Gelegenheit befragte der «Tößthaler» die beiden Gemeinderäte.

Selten kommt es in Gemeinden zu Kampfwahlen. In Turbenthal wird dies in rund zwei Wochen der Fall sein. Dort treffen Georg Brunner (FDP) und Markus Küng (parteilos) aufeinander. Finanzvorstand Brunner ist seit acht Jahren Gemeindepräsident und möchte für eine letzte Amtsdauer nochmals antreten. Küng bekleidet derzeit das Ressort Hochbau- und Liegenschaften. Die Ausgangslage ist nicht ganz neu, bereits vor acht Jahren kandidierten die beiden Lokalpolitiker für das Präsidium.

Weshalb sollen die StimmbürgerInnen von Turbenthal Sie als Gemeindepräsident wählen? 

Brunner: Die Frage ist warum nicht?  Ich denke, dass sich Turbenthal in meinen Präsidialjahren weiterentwickelt hat. So wurde die Infrastruktur erneuert, es wurde eine mehrheitsfähige Lösung für die Altersheime erreicht, und so weiter. Ich habe mich in allen Behörden für ein aktives Anpacken von Themen eingesetzt. Durch meine bürgernahe Politik wurden fast alle Projekte beim Gemeinderat und der stimmberechtigen Bevölkerung gutgeheissen. Gerne würde ich meine Fähigkeiten und mein Kontaktnetz noch eine (letzte) Amtsdauer für die Interessen der Gemeinde einsetzen.

Küng: Mit mir kommt eine ganz andere Dynamik sowohl in den Gemeinderat, als auch in die Gemeindeverwaltung. Es wird viel mehr der Mensch, die Bürgerin und der Bürger, anstatt die Sache in den Mittelpunkt gerückt. Der Gemeinderat und die Gemeindeverwaltung werden sich der Bevölkerung öffnen und deren Anliegen ernst nehmen. Ich rede nicht nur. Der Gemeinderat wird anpacken.

Was sind Ihrer Meinung nach die grössten Herausforderungen für Turbenthal in den kommenden Jahren?

Brunner: Nach einer Phase des Bevölkerungswachstums, welche die Schulen kurz und mittelfristig vor Herausforderungen stellen wird, werden wir uns mit den Gemeindestrukturen befassen müssen, dies auch auf Druck des Kantons. Und natürlich werden uns die Finanzen weiterhin beschäftigen.

Küng: Sanierung der Tösstalstrasse, «Schlossguet», das leidige Parkproblem in den Quartierstrassen, Jugend und Sport, Vereinsförderung, Finanzpolitik, Natur in unserer Gemeinde. Mein 30-Punkte-Programm finden Sie unter www.mkfosi.ch. Aber eben: Nichts muss, alles kann. Der Gemeinderat wird die Prioritätenliste gemeinsam erstellen.

Was werden Sie als erstes anpacken, sollten Sie als Gemeindepräsident gewählt werden?

Brunner: Zuerst werden wir im Gemeinderat die neue Aufgabenverteilung mit allen Kommissionen umsetzen.

Küng: Der Gesamtgemeinderat wird in eine Klausur gehen. Dort findet ein Mix aus Teambildungsprozess, Ressortaufteilung, Klärung der Kommissionszugehörigkeiten, Erstellen einer Prioritätenliste der anzupackenden Arbeiten, definieren wer das Projekt «Schlossguet» in die Urnenabstimmung führt, zur Auflockerung sportliche Betätigung und letztlich zusammen mit einem guten Glas Wein, das Verzehren einer österreichischen Jausenplatte statt.

Turbenthal ist die Gemeinde, welche den drittniedrigsten Steuerertrag pro Einwohner im Kanton Zürich aufweist – sehen Sie diese Tatsache als ein Problem oder Chance an; wie gedenken Sie mit dieser ökonomischen Herausforderung umzugehen? 

Brunner: Mit dem Finanzausgleich ist die Gemeinde Turbenthal inklusive Schulen handlungsfähig aber auch abhängig. Mehr Sorgen machen mir die Darlehen von circa 25 Millionen, welche sich durch die Investitionen von Gemeinde und Schulen ergeben haben. Dies auch im Hinblick auf mögliche Darlehenszinserhöhungen.

Küng: Das ist ja keine neue Situation; da steckt Turbenthal seit Jahrzehnten drin. Natürlich muss man die finanzielle Situation immer im Auge behalten, aber nehmen wir doch Turbenthal endlich mal so wie es ist. Ein, paradiesisch in die Natur eingebettetes, herrliches Dorf mit wunderbaren Aussenwachten, mit einer geradezu «Superinfrastruktur» wie das Gmeiwerch, unsere Badi, die Grosshalle, unseren «Seeanstoss», unsere Einkaufsmöglichkeiten, unsere KMUs, vielleicht einmal einer Kulturscheune und bald mit einem Kinderspielplatz des Familienvereins. Wir leben doch gerne hier, oder?

Turbenthal setzte in der Vergangenheit auf günstiges Wohnen; viele Mietwohnungen wurden gebaut. Werden Sie als Gemeindepräsident an dieser Wohnpolitik festhalten? 

Brunner: Da die Gemeinde wenig Bauland besitzt, ist der Einfluss auf die Art der Wohnungen, welche ein Bauherr im Rahmen der Bauordnung erstellt, beschränkt. Es wurden aber auch viele Eigentumswohnungen erstellt und in den Sonnenhängen werden mehre Einfamilienhäuser und Terrassenwohnungen entstehen.

Küng: Turbenthal hat mindestens in den letzten acht Jahren da auf gar nichts gesetzt. Das waren die Investoren. Es gibt in der Bau- und Zonenordnung keinen Passus, der irgendein Bauvorhaben hätte verhindern können. Im Weiteren müssen auch Menschen mit weniger Einkommen irgendwo leben können und wenn es nun in unserer Gemeinde ist, werden wir auch diese jederzeit herzlich willkommen heissen. Das ist auch unsere Aufgabe als Gemeinde.

Herr Brunner, Sie sagten an der Podiumsdiskussion im Februar, dass das Projekt Kulturscheune abhängig sei von dem Betrag, welcher der Lotteriefonds beisteuern wird. Ab welcher Betragshöhe des Fonds sehen Sie das Projekt als realisier- und umsetzbar an? 

Das von der Kommission Schlossgut erstellte Projekt sieht Investitionen von rund 7,5 Millionen vor. Finanziert werden soll dies durch 3 Millionen vom Lotteriefonds und 750000 Franken durch private Spenden, der Rest muss durch die Gemeinde finanziert werden. Mit den Betriebskosten, Abschreibungen und Zinsen wird die Gemeinde pro Jahr rund 450’000 bis 650’000 Franken aufwenden müssen, abhängig vom Betriebskonzept. In der Finanzplanung (Stand heute) gehen wir bei der Realisierung dieses Projektes von einer Steuererhöhung von circa 5 Prozent für die nächsten 10 Jahre aus. Diese Investitionen werden durch Darlehen finanziert werden müssen, was zu einer Zunahme
der Verschuldung führen wird. Der Stimmbürger wird nach Vorliegen aller Grundlagen entscheiden dürfen, ob dieses Projekt realisier- und umsetzbar sein wird.

Herr Küng, Sie sagten an der Podiumsdiskussion, dass man auch einmal etwas wagen müsse, sprachen davon, dass man Gefahr laufe, eine «Schlafgemeinde» zu werden und sagten, dass ohne Überzeugung und Leidenschaft nichts möglich sei. Von dem Projekt Kulturscheune / Sanierung «Schlossguet» sind Sie überzeugt; weshalb braucht die Gemeinde diese? Hat sie die 7,5 Millionen, um ein solches Projekt realisieren zu können? 

Ich sagte, dass man die Jugend fördern sollte, damit Turbenthal nicht zu einer Schlafstadt wird. Wir müssen den Jugendlichen Sorge tragen, damit sie sich nicht nur in Richtung Grossstadt orientieren. Dazu braucht es eine innere Vernetzung zwischen allen Behörden und den Vereinen. Gegen 800 Turbenthaler Schulkinder waren mit mir in Ski- oder Klassenlager und über 400 schnupperten in meinen Schulsportkursen Handball, einer komplexen Sportart. Die Kinder wollen immer noch etwas machen, man muss sie nur abholen. Wir sollten uns nicht aus dieser Verantwortung herausnehmen.

Zum «Schlossguet»: Eine Gemeinde sollte für möglichst viele Interessen der Bewohnerinnen und Bewohner etwas zur Verfügung stellen. Für die Wanderer haben wir ein Wanderwegnetz, für die Sportlichen das Gmeiwerch, für viele Vereine die Turnhallen der Schulen und die Grosshalle, für die Wasserratten und Sonnenhungrigen das Schwimmbad Neuguet, für die Schützen einen Schiessstand und für alle eine Bibliothek. Warum sollten wir für Kultur- und Geschichtsinteressierte nicht auch etwas anbieten? Im Weiteren haben wir mit der Umsiedelung der Bibliothek auch gleich die Gelegenheit, dieser mehr Raum zu verschaffen. Ebenso bietet das «Schlossguet» die einmalige Chance eine kulturelle Vernetzung über die Gemeindegrenzen hinaus erreichen zu können. Wenn der Lotteriefonds uns kräftig unter die Arme greift, kann Turbenthal dies bestimmt stemmen. Ich sage bewusst kann. Ob man will, kann die Stimmbürgerin und der Stimmbürger an der bevorstehenden Urnenabstimmung selbst entscheiden.

Die Turbenthaler Bürgerinnen und Bürger haben in der Vergangenheit schon des Öfteren Mut bewiesen, warum nicht auch bei der Tösstaler Kulturscheune «Schlossguet». Vielleicht ist es aber einfach an der Zeit ein fast dreissigjähriges Versprechen einzulösen.