Weniger Zeitaufwand für Behördenarbeit 

Ziel der neuen «Behördenorganisation 2018» ist, die Behördenarbeit attraktiver zu machen, indem man diese auf ihre strategischen Aufgaben konzentriert (Foto: Kai Hicks)

Die Stimmberechtigten der Gemeinde Zell können Ende Mai über eine neue Gemeindeordnung abstimmen. Ziel dieser Revision ist es, den zeitlichen Aufwand für die Behördentätigkeit zu reduzieren, um das bewährte Milizsystem auf diese Weise attraktiver zu machen. Gleichzeitig soll die Behördenorganisation modernisiert werden.

Oft scheitert die Suche nach Bürgerinnen und Bürgern, die sich in einer Gemeindebehörde engagieren, am hohen zeitlichen Aufwand. Im Hinblick auf die Abstimmung über die neue «Behördenorganisation 2018» vom 21. Mai hat die Gemeinde Zell errechnet, dass die sieben Gemeinderatsmitglieder 3500 bis 4000 Stunden Behördenarbeit leisten, was mit einem jährlichen finanziellen Aufwand von rund 230’000 Franken verbunden ist. Die 76 Kommissionsmitglieder leisten rund 6000 Stunden für 300’000 Franken. Darin spiegelt sich das weitverbreitete Phänomen, dass die zeitliche Belastung für die Behördentätigkeit ständig zunimmt. Darunter leidet auch das bewährte Schweizer Milizsystem. Deshalb muss der Zeitaufwand für die Behördentätigkeit so definiert werden, dass die Behördentätigkeit in der Freizeit zu bewältigen ist.

Seit 2002 unverändert

Die aktuelle Gemeindeordnung stammt aus dem Jahr 2002, als Zell die Einheitsgemeinde (politische Gemeinde und Schulgemeinde) einführte. Die Aufgabenbereiche der Gemeindebehörden wurden seither kaum verändert. «Die Erfahrungen in den letzten 15 Jahren haben jedoch gezeigt, dass gewisse Anpassungen notwendig sind», schreibt der Gemeinderat in seinem Sitzungsprotokoll vom 25. August 2016. Der Gemeinderat hat letztes Jahr sämtliche Gemeindebehörden überprüft und seine Erkenntnisse in die «Behördenorganisation 2018» einflies-sen lassen. Die wichtigste Schlussfolgerung ist, dass mit Ausnahme des Gemeinderates sämtliche Behörden aus höchstens fünf Mitgliedern bestehen sollen.

Trennung von Behörden- und Verwaltungsarbeit

Dank qualitativ interessanter Arbeit soll die Mitarbeit in Behörden wieder an Attraktivität gewinnen. Denn nach wie vor ist die häufigste Begründung bei einer Absage für ein Behördenamt «keine Zeit». Ähnlich wie in anderen Gemeinden des Tösstals, strebt deshalb die «Behördenorganisation 2018» eine klare Trennung von politisch-strategischer und operativer Arbeit in den Behörden an. Denn die Vermischung dieser Tätigkeiten führt zu Doppelspurigkeiten und damit zu zusätzlicher Arbeit. Behördenmitglieder sollen ihrem Mandat entsprechend politisch tätig sein und nicht auch noch milizmässig Verwaltungsarbeit leisten. Hingegen sollen Operative, das heisst, verwaltungsmässige Tätigkeiten, auch in der Gemeindeverwaltung bewältigt werden. Grundsätzlich soll Fachwissen in der Gemeindeverwaltung angesiedelt werden, wo dieses bei personellen Wechseln auch weitergegeben werden kann.

Wird die «Behördenorganisation 2018» in der Volksabstimmung angenommen, soll die Umsetzung im Sommer 2018 beginnen. Die umfassendsten Änderungen erfahren Schulpflege und Schulverwaltung (siehe Box). Gleichzeitig werden fünf Kommissionen aufgelöst:

  • Werkkommission: Ihre Kompetenzen und Arbeiten sollen in die Abteilung Werke der Gemeindeverwaltung integriert und die Kommission aufgelöst werden. Die strategischen Aufgaben werden von der Planungs- und Baukommission wahrgenommen. Die Wasserkommission bleibt unverändert bestehen.
  • Grundsteuerkommission: Diese Kommission wird aufgelöst. Die meisten Grundsteuerfälle können von der Abteilung Finanzen und Steuern übernommen werden, für heikle Fälle bleibt der Gemeinderat zuständig.
  • Kulturkommission: Diese Kommission hat in den vergangenen Jahren ein attraktives Kulturangebot aufgebaut. Auf die Amtsdauer 2018/2022 soll diese Kommission jedoch aufgehoben werden. Ihre Aufgaben soll ein privater Verein mit klar definiertem Leistungsauftrag übernehmen.
  • Sicherheitskommission: Diese Kommission hat sich zu einem reinen Fachgremium entwickelt. Sie soll deshalb aufgelöst und in einen neu zu schaffenden «Ausschuss Sicherheit» überführt werden.
  • Kommission für Familie, Jugend und Freizeit: Diese Kommission hatte bisher weder einen klaren Auftrag, noch Budgetkompetenzen. Deshalb soll diese Kommission aufgelöst und Teile davon in einen neuen «Ausschuss Gesellschaft» überführt werden.
  • Liegenschaftenkommission: Diese Kommission soll aufgelöst und ihre Aufgaben künftig vom Liegenschaftensekretariat der Gemeindeverwaltung wahrgenommen werden. Die strategischen Aufgaben werden der Planungs- und Baukommission konzentriert.
  • Kommission Landschaft und Natur: Die Mitgliederzahl wird von sieben auf fünf reduziert.
  • Energiekommission: Auch in dieser Kommission wird die Mitgliederzahl von sieben auf fünf verringert.

Finanzielle Ressourcen freimachen

Der Gemeinderat von Zell schätzt, dass die Modernisierung der Behördenorganisation ab 2018 Einsparungen von rund 110’000 Franken zulässt. Ein Teil davon werde für zusätzliche Ressourcen in der Gemeindeverwaltung gebraucht. Wird die Vorlage angenommen, soll die Umsetzung Mitte 2018 beginnen. Danach wird es Aufgabe des neuen Gemeindeschreibers Erkan Metschli-Roth sein, die Strukturen der Gemeindeverwaltung an die neue Organisation der Behörden anzupassen.

ÄNDERUNGEN IN SCHULPFLEGE UND SCHULVERWALTUNG
Mit der neuen Gemeindeordnung verändern sich die Organisation von Schulpflege und Schulverwaltung. Die Schulpflege wird neu in fünf Ressort gegliedert: Präsidiales, Personal, Schülerbelange, Schulergänzende Angebote und Infrastruktur. Die vorgesehenen Abläufe und Kompetenzverteilungen sollen ab Beginn des Schuljahres 2017/2018 während einer einjährigen Übergangszeit erprobt und, wenn nötig, überarbeitet werden. Die definitive Inkraftsetzung erfolgt zu Beginn der Amtsdauer 2018 bis 2022. Die Schulverwaltung erhält eine Geschäftsleitung, die bereits ab dem Schuljahr 2017/2018 operativ sein wird. Die Schulverwaltung wird personell von heute 150 auf 225 Stellenprozente aufgestockt.

  • Rolf Hug

    Morgen ist Samstag

    • Massimo Diana

      übermorgen ist Sonntag: Abstimmungssonntag.