Wasserversorgung ist nie fertig gebaut

Die Kammer mit dem Brauchwasser ist gut gefüllt (Foto: pet)

Trinkwasser – direkt ins Haus geliefert – ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Selten ist uns bewusst, welch fast unschätzbarer Wert unter unseren Böden und Strassen liegt. Eine Reservoir Einweihung hebt diesen Wert ins Bewusstsein.

Die Werkkommission Bauma machte die Einweihung des neu gebauten Reservoirs Stoffel oberhalb des Weilers Hörnen zum öffentlichen Anlass. Mit gutem Recht, denn Reservoire gehören zu den streng gehüteten Einrichtungen und bleiben der Öffentlichkeit verschlossen. Eine Verunreinigung oder gar Sabotage durch eindringende Personen hätte verheerende Folgen. Reservoire sind deshalb nicht nur abgeschlossen – nur der Brunnenmeister und die Feuerwehr haben Zutritt – sie sind auch mit einem Einbruchalarm versehen.

Immer frisch: etwa drei Tage alt

Zur Einweihung des Neubaus hatte die Bevölkerung die Gelegenheit, das Reservoir, von dem man von aussen nur eine einstöckige Betonfassade mit Balkongeländer im steilen Abhang sieht, von innen zu sehen. Im Berginnern ist die Anlage zweistöckig angelegt; zwei Kammern, die je 125 Kubikmeter Wasser fassen, und die Zuleitungsrohre mit ihren Schiebern und Zählern sind zu sehen. Von den beiden Kammern, je eine für das Brauch- und das Löschwasser, muss die Löschwasserreserve immer voll sein. Brauch- und Löschwasser sind von gleicher Qualität; beides ist Trinkwasser. Das ankommende Wasser füllt von unten her erst die Kammer mit dem Löschwasser, der Überschuss fliesst sodann hinüber in die Kammer mit dem Brauchwasser; so ist gewährleistet, dass immer genügend Löschwasser vorhanden ist und das Wasser trotzdem frisch bleibt. Das Wasser – und das war interessant zu erfahren – ist in der Regel nur gerade drei Tage im Wasserversorgungsnetz; das heisst, das Wasser, das ich zu Hause aus dem Hahn lasse, wurde drei Tage zuvor gefasst – an einer Quelle oder aus dem Grundwasser gepumpt. Das Baumer Wasser besteht in etwa je zur Hälfte aus Quellwasser und Grundwasser. Behandelt wird das Grundwasser nur mit UV-Bestrahlung gegen allfällige Keime; das Quellwasser braucht gar keine Behandlung.

Die Einweihung des Reservoirs bot dem Werkvorsteher, Gemeinderat Hans Rudolf Spörri, Gelegenheit, über die Wasserversorgung der Gemeinde zu berichten und über unser Verhältnis zum Wasser nachzudenken.

Komplexes System zur Versorgungssicherheit

Von den elf Wasserversorgungsanlagen der Gemeinde sieht man nur einen kleinen Teil. Eine Versorgungsanlage besteht aus einer oder mehreren Wasserfassungen, einem oder mehreren Pumpwerken, einem Reservoir, den Zuleitungen zum Reservoir und dem Verteilnetz. Der sichtbare Teil macht lediglich etwa 15 Prozent aus; der Rest, das Leitungsnetz, die Schieber und die Steuerungen liegen unter dem Boden. 75 km Hauptleitungen umfasst das Leitungsnetz, über 600 Hauptschieber und über 500 Hydranten. Etwa 4,5 Millionen Franken Anlagewert sind in den sichtbaren Anlagen, gegen 35 Millionen bleiben unsichtbar.

Wir benutzen täglich deutlich über hundert Liter Wasser, wir öffnen den Hahn oder drücken die Spülung, und das Wasser läuft. Es ist eine Selbstverständlichkeit. «Ans Wasser denken wir aber selten», meint Gemeinderat Spörri, «in der Regel nur in zwei Fällen: einmal jährlich, wenn die Wasserrechnung auf den Tisch flattert, das andere Mal, wenn wir den Hahn aufdrehen und – aus welchen Gründen auch immer – kein Wasser fliesst». Deshalb nutzte er die Gelegenheit des Tags, einmal mehr über das Wasser nachzudenken – auch darüber, dass wir in der glücklichen Lage sind, über genügend Wasser zur verfügen: «Wir leben sozusagen in einem Reservoir».

Neue Anlagen zentral gesteuert

Die Wasserversorgung ist eine der grossen Leistungen, mit der unsere Vorfahren begonnen haben. Sie muss immer wieder erneuert, ausgebaut und verbessert werden. Der Neubau des Reservoirs Stoffel beispielsweise ist unabdingbar geworden, weil das alte Reservoir nach 60 Jahren zu klein wurde und technisch veraltet war. Die Bautätigkeit in Hörnen machte die Vergrösserung notwendig – auch wegen der nötigen Löschwasserreserve. Gesteuert werden konnte der Wasserfluss nur mechanisch; wenn etwas geändert werden musste, konnte das der Brunnenmeister nur vor Ort vornehmen. Neue Anlagen werden zentral elektronisch gesteuert. Eine zentrale Steuerung braucht es, weil die verschiedenen Versorgungsanlagen untereinander verbunden sind; diese Verbindungen sind notwendig, damit die Versorgung gesichert bleibt, wenn ein System ausfällt oder – wegen Trockenheit – nicht mehr genug Wasser liefert. Die Steuerung muss den Austausch zwischen den Anlagen so regeln, dass in jeder Leitung das Wasser ständig fliesst, denn Stillstand ist Gift für das Trinkwasser. Im Zürcher Oberland – dies nur nebenbei – sind die Systeme so miteinander verbunden, dass selbst in Bauma im Notfall Zürichseewasser eingespeist werden könnte, erklärte Michael Schroff, einer der Ingenieure der Firma Frei und Krauer, die das Reservoir Stoffel geplant hatten.

Nie fertig gebaut

Im neuen Reservoir Stoffel ist aber noch ein weiterer Ausbau geplant. Ein zusätzliches Pumpwerk ist vorgesehenen, welches Wasser nach dem Schindlet in die Wasserversorgung Sternenberg und bis ins Reservoir Sternsberg pumpt. Dieses Reservoir versorgt das ganze Gebiet der früheren Gemeinde Sternenberg. Da Sternenberg über keine ergiebigen Quellen verfügt, wird Wasser von der Grundwasserfassung Tannau unterhalb Salands nach Sternenberg gepumpt. Das Reservoir Sternsberg wird also nur aus einer Zuleitung gespeist. Leicht auszudenken, wenn diese Leitung ausfällt: ganz Sternenberg ist ohne Wasser. Beim Brand des Restaurants Sternen im Dezember letzten Jahres musste die Feuerwehr eine rund fünf Kilometer lange Leitung von Hörnen nach Sternenberg legen und Wasser nach Sternenberg pumpen, um mit Sicherheit genügend Löschwasser zu haben. Der Einbau einer Pumpstation im Reservoir und der Bau einer Leitung in den Schindlet, soll solche Ausfälle und Engpässe in Zukunft verhindern.

Alte Leitungen und Anlagen müssen ersetzt, Teile müssen erweitert, ausgebaut und technisch erneuert, die Versorgungssicherheit muss gewährleistet werden: kurz die Wasserversorgung ist nie fertig gebaut. In diesem Sinn ist die Einweihung des neuen Reservoirs auf dem Stoffel nur eine weitere Etappe. Natürlich kostet das Geld, und so ist auch bei uns das Wasser nicht gratis zu haben: das Gesetz schreibt vor, dass die Kosten der Wasserversorgung vollumfänglich von den Verbrauchern gedeckt werden müssen. Aber es verbietet auch den Wasserversorgern Gewinn zu machen. Dafür ist der Preis von 0,25 Rappen pro Liter doch sehr bescheiden – Lieferung ins Haus inbegriffen.