Warum uns die Schlacht am Morgarten zur direkten Demokratie verhalf

«Wir müssen zusammenhalten»: SP-Nationalrätin Jacqueline Badran über Privatisierung an ihrer Erst-August-Rede auf dem Wissen. (Foto: Loni Kuhn)

In ihrer 1.-August-Rede bezog sich SP-Nationalrätin Jacqueline Badran auf die Schlacht am Morgarten. Sie erklärte die Wichtigkeit der Genossenschaften und sprach sich für die Freiheit aus, keinen Zehnten abgeben zu müssen.

«Immer wieder, wenn ich hier oben auf dem Wissen stehe, geht mir das Herz auf», eröffnete Andreas Kündig, SVP-Mitglied und Präsident des ASV Langenhard, den offiziellen Teil der 1.-August-Feier. Der Armbrustschützenverein (ASV) Langenhard organisiert die National­feier auf dem Aussichtspunkt Wissen seit bald 50 Jahren. «Dieses Jahr sind wir sehr innovativ. Erstmals gibt es kein Höhenfeuer, kein Feuerwerk und keinen Lampionumzug. Zudem haben wir das Rednerpult umgestellt und, eine SP-Frau aus der Stadt eingeladen», sagte Kündig und sich an seine Parteikollegen wendend: «Das gaat schoo.» Mit dieser lockeren Begrüssung übergab er das Wort an SP-Nationalrätin Jacqueline Badran aus Zürich.

Gemeinsam gegen die Unterdrückung

«Aus den Niederungen von Zürich und als Vertreterin der ­Sozialdemokratischen Partei bedanke ich mich für die Ein­ladung», erwiderte Badran den charmanten Stups und beginnt mit ihrer Festrede. «Wir lieben unsere Gründungsgeschichte, egal ob wahr oder nicht, es ist eine gute Geschichte. Sie handelt vom Kampf für Freiheit, Gleichheit und Unabhängigkeit des aufmüpfigen Bergvolkes gegen die österreichischen Feudalherren. Doch es gibt eine Geschichte, die noch besser zeigt, was die Schweiz im Innersten zusammenhält», sagte Badran, «die von der Schlacht am Morgarten.»

Die aufs Jahr 1315 datierte Morgartenschlacht war die ­Folge eines mehrjährigen Grenz- und Nutzungskonflikts zwischen der Talschaft Schwyz und dem Kloster Einsiedeln, welches von Herzog Leopold von Habsburg unterstützt wurde. In dieser «Freiheitsschlacht» erkämpften sich die Bauern ­gemeinsam, als Genossamen (Frühform heutiger Genossenschaften) zusammengeschlossen, Landrechte und Bodenbesitz. Nach der für die Schwyzer erfolgreichen Schlacht wurde zwischen den «Lantlüte von Ure, von Szwits und Underwalden» ein Bündnis geschlossen, in ­welchem es in erster Linie um gegenseitige Hilfeleistung und Friedenswahrung ging. In diesem sogenannten Morgartenbrief taucht zum ersten Mal das Wort «Eidgenossen» auf.

Demokratie gegen Feudalherrschaft

«Gemeinsamer Bodenbesitz, gemeinsame Nutzung, gemein­same Regeln – die Morgartenschlacht war der Beginn der direkten Demokratie», sagte Badran. Für eine Gemeinschaft seien Eigentumsverhältnisse entscheidend, denn demokratisch bestimmen könne man nur über das, was einem gehöre. Und in Freiheit könne nur leben, wer keinem einen «Zehnten» abgeben müsse, den zehnten Teil des Ertrags, wie es in Zeiten der Feudalherrschaft üblich war.

«Uns gehört vieles», sagte Badran. «Die SBB gehören uns. Entlang deren Gleise hat sich unsere Industrie entwickelt. Unsere Zürcher Kantonalbank verteilt ihren Gewinn auf die Kantons- und Gemeindekassen. Unsere Mobiliar Versicherung lässt den Gewinn zu den Versicherten rückfliessen, die Migros ihren in die Kultur. Und was wir von den Bauern lernen können, ist, dass durch die genossenschaftlich geführte Landi, respektive Fenaco, mit den Verarbeitungs- und Verkaufsbetrieben die ganze Wertschöpfungskette innerhalb der Genossenschaft erhalten bleibt – so auch der Gewinn.»

Selbstbestimmung muss verteidigt werden

Doch die SP-Nationalrätin sieht durch die angedachte Privati­sierung des Stromnetzes oder durch das, dass der Zürcher Kantonsrat kürzlich die Teilprivatisierung des Wassers beschlossen hat – wogegen SP, GLP und EVP das Referendum ergriffen, womit diese Gesetzesvorlage an der Urne zur Abstimmung kommt – diese Werte bedroht. Grosskonzerne und -banken hätten dies «bestellt», da sie ihr Geld in sichere Güter investieren möchten.

«Wo steht hier der Sinn? Wir müssen unsere Grundgüter und unsere Selbstbestimmung über diese Güter verteidigen.» Dies sei, so Badran, zutiefst schweizerisch und das, was den innersten Kern der Eidgenossenschaft ausmache. «Wir müssen zusammenhalten, von links bis rechts.» Badran beendete ihr herzliche Rede mit dem Aufruf, unser Volksvermögen zu beschützen, «damit wir keinem Gessler un­seren Zehnten abgeben müssen».

Trotz Gewitter ein denkwürdiger 1. August

Die SP-Frau aus der Stadt kam gut an. Ein anhaltender Applaus bestätigte, dass das Publikum mit vielem übereinstimmte. Als Dankeschön bekam Badran ein Präsent überreicht, ein Geschenkkorb vom Hofladen von Maria und Thomas Jung, voller Langenharder Spezialitäten, der passend zur Rede «Zehntenfrei» hiess. Zum Ende des offiziellen Teils wurde gemeinsam die Landeshymne angestimmt, bevor «der beste Männerchor der Gemeinde Zell», der Männerchor Kollbrunn noch ein paar auflockernde Lieder wie «Es lebe unser Bier» zum Besten gab.

Traditionell sammelte Sabrina Maino auch dieses Jahr Spendengeld – üblicherweise für das grosse Feuerwerk –, die Gewerbetreibenden, Freunde und Bekannten geben stets gerne einen grosszügigen Batzen dafür. Dieses Jahr werden die gesammelten rund 5000 Franken der Schweizerischen Gesellschaft für Cystische Fibrose gestiftet. Cystische Fibrose ist eine fortschreitende Stoffwechselerkrankung, welche nicht geheilt, aber mit Therapiemöglichkeiten behandelt werden kann, wodurch die Lebenserwartung der Patienten steigt. Trotz anfänglichen Gewittern konnte der ASV Langenhard an der Bundesfeier rund 200 Besucher zählen. Kündig bedankte sich bei den Landbesitzern um den Wissen für die Zusammenarbeit und allen Helfern. Zufrieden blickte er über die vollen Tischreihen und freute sich über das gelungene Fest und über die ergreifende Rede von Jacqueline Badran.