Waldpflege ist aufwendig und gefährlich

Beim Holzschlag transportieren Seilbahnen ganze Baumstämme durch den Wald. Deshalb werden diese Waldabschnitte gesperrt (Fotos: pa)

Knapp zwei Drittel der Fläche der Gemeinde Fischenthal ist mit Wald bedeckt. Ein grosser Teil ist Schutzwald. Dies macht den Wald unverzichtbar. Die bewaldeten Hänge sind steil und mit Felswänden durchzogen. Pflege und Bewirtschaftung sind ein aufwendiges und gefährliches Unterfangen.

Häufig stösst, wer in letzter Zeit in unseren Wäldern unterwegs ist, auf eine Wegsperrung: Holzschlag. Wanderwege, Flur- und Gemeindestrassen bleiben gesperrt, weil Waldarbeiter mit ihren Motorsägen unterwegs sind und Seilbahnen ganze Stämme durch den Wald transportieren. Und oft hat man den Eindruck, ein Stück Wald werde komplett abgeholzt, so umfangreich erscheinen die Holzschläge. Das irritiert, macht unsicher und wirft Fragen auf.

Zum grössten Teil Schutzwald

Aus diesem Grund hat der Fischenthaler Förster Hano Vontobel gemeinsam mit Viktor Erzinger, der für den Staatswald am Tössstock verantwortlich ist, zu einer Informationsveranstaltung zum Thema Holzschlag eingeladen. Gleich zu Beginn ging er auf die Intensität ein, mit der heute Holzschläge vorgenommen werden: «In den letzten 50 Jahren ist zu wenig geschehen». Es besteht also in der Waldpflege, in der Waldbewirtschaftung, ein gewaltiger Nachholbedarf. Der Holzüberschuss in den Privatwäldern in Fischenthal beträgt etwa 70’000 Kubikmeter. Dabei geht es den Förstern in erster Linie um die Pflege des Schutzwaldes. Im bergigen Tösstal kommt der Schutzfunktion des Waldes eine grosse Bedeutung in doppelter Hinsicht zu: direkt oberhalb der Siedlungen dient er der Hangsicherung und verhindert Rutschungen und Steinschläge in die Siedlungen, im Hinterland reguliert er den Wasserhaushalt, bremst den Wasserablauf und hilft Überschwemmungen verhindern.

Für die Stabilität des Waldes ist eine gemischte Waldstruktur von Vorteil. Zu viele Bäume in gleicher Grösse behindern sich gegenseitig, das ergibt einen instabilen Bestand. Bäume unterschiedlichen Alters und verschiedener Grösse schaffen jedoch eine stabile Struktur: die einzelnen Bäume sind kräftiger und stärker verwurzelt. Durch Holzschläge wird eine Verjüngung des Baumbestands erreicht, Platz und Licht geschaffen für Jungwuchs. Zudem werden an steilen Hanglagen Bäume, die schief gewachsen sind, oder zu schwere Bäume (mehr als 50 cm Umfang) herausgenommen. Wertvollen Bäumen wie der Weisstanne wird Platz geschaffen, damit sie sich besser entwickeln können. In Fischenthal, wo der Schutzwald 70 Prozent des Waldbestands ausmacht, dient Forstarbeit der Sicherheit und dem Schutz der Landschaft.

Der Wald bietet aber noch einiges mehr als diese Schutzfunktion. Er ist Lebensraum und prägt und bildet unsere Landschaft. Er beherbergt eine reiche Tier- und Pflanzenwelt: je besser er gepflegt wird, desto reicher entwickelt sich seine Pflanzenwelt. Zu dichter und gleichförmiger Wald lässt zu wenig Sonnenlicht auf den Waldboden gelangen. Die Waldränder sind besonders artenreich und bieten Unterschlupf für zahlreiche Vogelarten. Zudem ist Holz ein wichtiger Rohstoff als Baumaterial oder als Industrieholz. Angesichts des drohenden Klimawandels hat Holz auch als klimaneutraler Energielieferant wieder an Bedeutung gewonnen.

Maschinelle Bearbeitung…

In der Waldbewirtschaftung hat sich aber einiges verändert. Es ist selten mehr der einzelne Bauer, der in seinem Wald im Winter einzelne Bäume fällt, entastet, zusägt und am Wegrand zum Verkauf lagert. Viele Waldbesitzer bewirtschaften ihren Wald nicht mehr selber, wohnen zum Teil gar nicht mehr in der Nähe; oft sind sie nicht in der Lage, ihren Wald zu beurteilen, und es fehlt ihnen das Wissen für die Bewirtschaftung. Als Waldbesitzer haben sie aber das Entscheidungsrecht über ihren Wald. In Fischenthal sind zwei Drittel des Walds Privatwald; der Rest ist Staatswald.

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So fallen den Förstern in den Gemeinden neu wichtige Aufgaben zu: sie müssen die Waldpflege und -bewirtschaftung leiten und organisieren. Konkret heisst das: Sie kontrollieren das Waldgebiet, bezeichnen in einem Revier Bäume, welche geschlagen, «geerntet», werden sollen und unterbreiten den zuständigen Waldbesitzern einen Vorschlag der geplanten Schläge. Nach Abschluss eines Vertrags mit den Waldbesitzern beauftragt der Förster einen Holzschlagunternehmer mit den notwendigen Arbeiten: Bäume fällen, entasten, abtransportieren, sortieren, lagern, verkaufen und nicht zuletzt aufräumen.

… wirkt brutal.

Heute geschieht ein grosser Teil der Arbeiten maschinell. Zur Informationsveranstaltung gehörte deshalb auch eine Fahrt auf eine Baustelle im Martinstobel am Hörnli. Die dort aufgestellte Seilkrananlage macht den Aufwand deutlich, mit welchem heute Holz geerntet wird. Auf diese aufwendige Weise kann nur gearbeitet werden, wenn Holz in grösserer Menge geerntet wird. Im Martinstobel werden über 3’000 Kubikmeter Holz geschlagen und abtransportiert. Die Arbeit dauert mehrere Wochen; die mobil eingerichtete Seilbahn muss dafür viermal verlegt werden, um alle Teile des bewirtschafteten Waldes zu bedienen.

Damit dies alles sicher funktioniert, braucht es umfassende Vorbereitungsarbeiten: Bewilligung der Zufahrtswege und der Lagerplätze mit der Verpflichtung zu Wiederherstellung und Reparatur, Bewilligung der Seilbahn durch das Bundesamt für Zivilluftfahrt und das Militär, Umleitung von Strom- und Telefonleitungen, Organisation des Notfalldienstes durch die Rega. Ein Holzschlag ist heute eine Grossbaustelle. Kein Wunder erschrecken Wanderer und Spaziergänger, die im Wald Erholung suchen.

Und so schliesst denn auch der Förster Hano Vontobel den Rundgang auf der Baustelle mit den Worten: «Ich verstehe schon, wenn die Leute skeptisch sind und an den Stammtischen heftig debattieren». Aber der Wald müsse gepflegt werden und er sehe im steilen Gelände keine andere Möglichkeit: Was brutal aussehe, diene der Waldpflege, aber auch – und das darf man nicht vergessen – der Sicherheit der Waldarbeiter. Und der junge Waldbesitzer, in dessen Wald gerade geerntet wird, ergänzt, ihm sei schon lange bewusst gewesen, dass etwas geschehen müsse: «Aber ich hätte nicht gewusst, wie ich das machen kann».

Am 27. Februar findet die interessante Informationsveranstaltung noch einmal statt.