Waldkorporation auf gutem Weg

Zwei Waldparzellen, zwei Eigentümer, zwei Bewirtschaftungen (Foto: pa)

Vor einem halben Jahr informierte die Waldgenossenschaft Bauma über den Plan, eine Waldkorporation zu gründen. Nun ist das Projekt in Fahrt gekommen. Bis zur Gründung der Korporation steht allerdings noch ein Stück Weg bevor.

Als im Januar das Projekt einer Waldkorporation Bauma den Waldbesitzern vorgestellt wurde, hatten sich die Initianten ein Ziel gesetzt: 25 bis 30 Hektaren Wald sollte zusammenkommen. Den Waldbesitzern wurde ein Formular für eine Absichtserklärung abgegeben. Der Rücklauf kann sich sehen lassen; das Projekt wird weiterverfolgt.

Mehr als Hälfte des Baumer Gemeindegebiets ist bewaldet; das sind knapp 1500 Hektaren Wald. 97 Prozent davon sind in Privatbesitz. Das bedeutet, dass rund 500 Eigentümer entscheiden, was mit ihrem Wald geschieht. Und es geschieht – jedenfalls nach Meinung der Forstverantwortlichen – zu wenig. Um den Wald im Gleichgewicht zu halten, müsste ungefähr gleich viel Holz geerntet werden, wie jährlich nachwächst. Das geschieht bei weitem nicht. Während der Waldzuwachs pro Jahr rund 10’000 Kubikmeter beträgt, werden gerade mal 6000 Kubikmeter Holz geschlagen. Nicht weil der Förster zu wenig tut, sondern weil er nicht entscheiden kann und darf.

Eine Last, aber auch Emotionen

Um bei den heutigen Holzpreisen einigermassen rentabel Waldbewirtschaftung zu betreiben, ist es notwendig, grosse zusammenhängende Waldstücke mit den entsprechenden technischen Hilfsmitteln zu bearbeiten. Gehört ein geeignetes Waldstück verschiedenen Besitzern, muss das Verständnis der Eigentümer eingeholt werden. Der Förster feilscht also mit den Besitzern quasi um jeden einzelnen Baum. Ein mühsames und zeitraubendes Geschäft – vor allem, wenn der Besitzer auswärts wohnt oder sich aus einer Erbengemeinschaft zusammensetzt und sich wenig um seinen Wald kümmern kann oder will.

Mit der Bildung einer Waldkorporation würde dem Förster die Arbeit erleichtert. Für die Waldbewirtschaftung müsste er sich nur noch mit einem Partner verständigen, mit der Waldkorporation, konkret deren Vorstand. Auch für die Waldbesitzer könnte dies eine Erleichterung bedeuten; denn Wald ist auch eine Last. «In den Wald muss man investieren», meint Jürg Küenzi, der Baumer Förster, «Geld, Arbeit, Schweiss». Und rentabel sei es auch nicht. Dies gilt ganz besonders für die Waldbesitzer, die ihren Wald nicht selber bewirtschaften oder bewirtschaften lassen. So einleuchtend das ist, so gibt es auch eine andere Seite: Wald ist stark mit Emotionen verbunden. Man ist stolz auf seinen Wald und gibt ihn nur ungern her.

Etappenziel erreicht

Wie auch immer: Bis Ende Juni haben 58 Waldeigentümer ihre Absichtserklärung zum Beitritt zur Waldkorporation abgegeben. Absichtserklärungen sind zwar keine verbindlichen Abmachungen, aber ein Anfang. Dadurch kommen 45 Hektaren Wald zusammen; deutlich mehr als das erhoffte Minimum. Betrachtet man die beiden Zahlen, kann man feststellen, dass vor allem Eigentümer von relativ kleinem Waldbesitz ihr Interesse angemeldet haben. So erfreulich dieser Anfangserfolg ist, für den Förster bringt es noch keine wesentliche Erleichterung. Mit den angemeldeten Interessenten sei noch keine grössere zusammenhängende Waldfläche entstanden, die sinnvoll bewirtschaftet werden könnte.

Mittlerweile hat der Gemeinderat Bauma angekündigt, 35 von 48 Waldparzellen im Besitz der Gemeinde an die Waldkorporation abzugeben. Die restlichen 13 Parzellen beherbergen Wasserversorgungsanlagen und müssen deshalb im Besitz der Gemeinde verbleiben. Damit kommen weitere 25,5 Hektaren zur Waldkorporation. Allerdings bleibt das Einverständnis der Gemeindeversammlung vorbehalten: Immerhin handelt es ich um die Veräusserung von Gemeindebesitz. Auch die Waldgenossenschaft Bauma hat an ihrer Generalversammlung beschlossen, ihren eigenen Waldbesitz von 98 Aren in die Korporation einzubringen. Zudem wird abgeklärt, ob auch Staatswald auf Baumer Gemeindeboden allenfalls an die Korporation abgegeben werden kann.

Noch bleibt ein Stück Weg

Für die Waldkorporation stehen die Zeichen eindeutig auf Weitermachen. Dafür hat die Planungsgruppe auch die nächsten Arbeitsschritte geplant. In einem ersten Schritt werden die angemeldeten Parzellen durch das Forstzentrum bewertet. Gleichzeitig bemüht sich die Planungsgruppe, weiter Privatwaldeigentümer für die Korporation zu gewinnen. Noch lange ist der Zug nicht abgefahren; man kann also immer noch zusteigen. Dazu kommt die juristische Arbeit; auch darum kommt die Korporation nicht herum. Die Statuten müssen ausgearbeitet und ein Mustervertrag für die Abtretungen entworfen werden. Zudem muss ein Übergangs- oder Gründungsvorstand gefunden werden, der die Gründung und die ersten Schritte danach vorbereitet. Denn irgendwann soll schliesslich die Waldbewirtschaftung gestartet werden können. Nächstes Frühjahr sollen die Waldbesitzer über die Realisierung informiert werden.

Der Weg zur Waldkorporation sei ein langsamer Weg, meint Gemeindepräsident Andreas Sudler, der das Projekt seitens der Gemeinde begleitet, aber das überrasche ihn nicht. «Immerhin haben auch drei Bauern eine Absichtserklärung abgegeben», das stimme ihn zuversichtlich, «wenn sie denn dabeibleiben», fügte er vorsichtig hinzu. Dass aber für die Waldpflege und Walderhaltung etwas getan werden muss, ist unbestritten: «Wir möchten uns in zehn Jahren nicht vorwerfen müssen, wir hätten nichts getan.»