Wahlen, und wie sie vorbereitet werden 

Zell hat als einzige Gemeinde im Tösstal ein Wahlforum (Foto: Archiv tth)

Das Wahlforum Zell ist einmalig im Tösstal. Ihm obliegt die Aufgabe, die Kandidatensuche zu koordinieren. «Der Tößthaler» wollte mehr über das Wahlforum, seine Zusammensetzung und Geschichte wissen.

Fast überall auf der Erde wird gewählt: sei es in repräsentativen, in direkten Demokratien oder in diktatorisch regierten Staaten, wo die Wahlen schnell einmal zu Scheinwahlen mutieren. Die unterschiedlichsten Formen von Wahlen kommen auf den gemeinsamen Nenner, dass sie organisiert und koordiniert werden müssen, so auch die Erneuerungswahlen der Gemeindebehörden in den Tösstaler Gemeinden, die im April stattfinden werden. Obgleich diese in allen Gemeinden des Tals anstehen, unterscheidet sich die Vorbereitung dieser wiederum. In Zell existiert eigens für die Behördenwahlen das Wahlforum Zell, was einmalig ist im Tösstal. Aus diesem Grund sprach «der Tößthaler» mit Marcel Niederer, dem gegenwärtigen Obmann des Wahlforums.

Herr Niederer, wie ist das Wahlforum aufgebaut? Wie viele Personen gehören ihm an und wie sieht die Zusammensetzung aus?
Marcel Niederer: In der Regel je Partei eine Person als Vertreter. Vertreten sind die Ortsparteien SVP, FPD, EVP, SP, CVP, der Bürgerliche Gemeindeverein, der Gewerbeverein und die reformierte Kirchenpflege.

Seit wann gibt es das Wahlforum? Wie ist es ursprünglich entstanden? Aus welcher Motivation?
Das Wahlforum gibt es schon sehr lange, allerdings kann ich Ihnen nicht sagen, seit wann das so ist. In den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts öffnete es sich auch für die SP. Vorher war es rein bürgerlich orientiert. Die Ursprünge liegen beim Bürgerlichen Gemeindeverein, dem es ein Anliegen war, die Behörden mit bürgerlichen Vertretern zu besetzen.

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Wie geht das Wahlforum bei der Kandidatensuche genau vor?
Zuerst wird der Bedarf an Kandidaten anhand der bekannten Rücktritte ermittelt. Danach werden mögliche Kandidaten durch die einzelnen Parteien angesprochen. Diese Kandidatensuche wird innerhalb des Wahlforums abgesprochen, damit nicht dieselben Personen von verschiedenen Parteien umworben werden. Zusagen werden zentral protokolliert.

Hat die Gemeinde Zell seitdem es das Wahlforum gibt ein leichteres Spiel, Kandidatinnen und Kandidaten für die verschiedenen Behördenämter zu finden? Was sind die Vorteile eines überparteilichen Wahlforums?
Die Suche an sich bleibt gleich anspruchsvoll. Durch die Koordination wird jedoch vermieden, dass mögliche Kandidaten durch unterschiedliche Parteien «bearbeitet» werden und mögliche Lücken werden so gefüllt. Zudem gibt es für alle Beteiligten einen gemeinsamen Kommunikationskanal zur Gemeindekanzlei, um die Termine und Vakanzen abzustimmen.

Das Wahlforum Zell ist überparteilich organisiert, steht für die kommenden Wahlen jedoch unter der Leitung der FDP. Wie kommt das? Wechselt die Leitung jeweils von Wahl zu Wahl?
Die Leitung, als Obfrau oder Obmann, obliegt im Rotationsverfahren bei jedem Wahlgang einer anderen Partei. Der abgebende Obmann leitet jeweils die Kick-Off-Sitzung für die nächsten Gemeindewahlen.

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Wie wird die Überparteilichkeit innerhalb des Wahlforums gewährleistet?
Da das Wahlforum eine koordinierende Aufgabe hat und keine Selektion der Kandidaten vornimmt – dies bleibt eine Aufgabe der Parteien und vor allem der Wählenden – ist dies kein besonderes Problem. Da zudem jede beteiligte Gruppierung eine Stimme hat, würde es automatisch zu Korrekturen kommen, sollte die Überparteilichkeit verletzt werden. Im Weiteren ist die Zusammenarbeit durch den gemeinsamen Zweck bestimmt. Ein allfälliger Wahlkampf findet ausserhalb des Wahlforums statt.

Was haben Sie für Aufgaben, respektive für eine Funktion als Obmann? Wie viel Zeit nehmen diese in Anspruch?
In erster Linie werden die Koordinationssitzungen vorbereitet und geleitet. Zudem ist der Obmann das Sprachrohr nach aussen, also hin zur Gemeindekanzlei und zur Presse. Ausserdem steht der Obmann den Kandidierenden als neutrale Auskunftsperson zum Wahlprozedere zur Verfügung. Die Aktuarin, Loni Kuhn aus Rikon, unterstützt bei den operativen Aufgaben den Obmann. Der Aufwand ist moderat.

Am 26. März 2018 wird vom Wahlforum eine Podiumsdiskussion organisiert. Welche kandidierenden Personen werden dort auftreten? Wer wird die Diskussion moderieren?
Der Anlass steht allen Kandidierenden offen. Eine definitive Teilnehmerliste besteht noch nicht. Der Abend wird von Nico Bär, Kollbrunn, Bundeshausredaktor bei Radio 24, moderiert. Die Presse wird auch eingeladen.

Der Gemeinderat schrieb im September, dass sich das Wahlforum erneut zur Verfügung gestellt hat, für die Suche von Kandidierenden. Gab es auch schon Jahre, wo das Wahlforum existierte, sich aber nicht zur Verfügung stellte für diese Aufgabe?
Als ad-hoc-Organisation für die Gemeindewahlen steht das Wahlforum nur zum Zwecke der Gemeindewahlen zur Verfügung. Sachgeschäfte werden nicht behandelt. Höchstens bei Nachwahlen, bei denen bereits Kandidierende bekannt waren, wur-de das Wahlforum nicht aktiv, da kein Bedarf vorhanden war.

Nachdem Martin Lüdin seinen Rücktritt als Gemeindepräsident an der Gemeindeversammlung im Dezember bekannt gab, entschied sich Sozialvorsteherin Regula Ehrismann als Gemeindepräsidentin zu kandidieren. Wird sich möglicherweise noch ein Gegenkandidat oder eine Gegenkandidatin aufstellen lassen für das Amt? Was denken Sie?
Da die anderen bisherigen Amtierenden kein Interesse signalisierten und Quereinsteiger im Präsidium eher die Ausnahme sind, würde mich eine weitere Kandidatur überraschen. Aber es ist das Recht jedes Stimmbürgers, jeder Stimmbürgerin, sich um das Präsidium zu bewerben.