Wärmeverbund Hohmattring lanciert

Übersicht über das Verbundgebiet Hohmattring in Turbenthal (Grafik: zVg)

Kürzlich informierten die Verantwortlichen der Energiekommission Turbenthal und Fachleute ein interessiertes Publikum über einen Grundwasserwärmeverbund im Gebiet Hohmattring.

In Turbenthal werden aktuell 17 Wärmeverbunde gezählt, welche Holzenergie oder Grundwasserwärme nutzen. Der jüngste wurde im letzten Herbst im Gehörlosendorf eingeweiht, wo mit Holzschnitzeln vorerst die verschiedenen Gebäude der Stiftung Schloss Turbenthal mit Wärme versorgt werden. Bereits 2015 überlegte sich die Energiekommission Turbenthal, wo im Dorf weitere Wärmeverbunde realisiert werden könnten. Mitte 2016 wurden externe Spezialisten beauftragt, eine umfassende Gebietsanalyse durchzuführen. Da die grundsätzlichen Erkenntnisse aus dieser Studie auch für Kanton und Bund von Interesse sind, unterstützen das AWEL des Kantons Zürich und das Bundesamt für Energie die Studie.

Die Analyse zeigte auf, dass vor allem im Dorfteil Hutzikon Potenzial für Wärmeverbunde besteht. Aus mehreren Gebieten wurde schliesslich der Perimeter Hohmattring ausgewählt für die vertiefte Analyse. Anfang März stellten die Verantwortlichen der Energiekommission Turbenthal, der Präsident der Genossenschaft Erneuerbare Energien und die Studienverfasser von Weisskopf Partner GmbH und Brandes Energie AG die Möglichkeiten für Wärmeverbunde im Gebiet Hohmattring vor.

Heinz M. Schwyter, Präsident der Energiekommission und verantwortlicher Gemeinderat, wies in seiner Begrüssung auf das Energieleitbild hin. Nachdem Turbenthal 2012 das Label Energiestadt erhielt, fasste der Gemeinderat seine Vision und Ziele bezüglich Energie in einem Papier zusammen. Dort heisst es unter anderem, dass der Anteil erneuerbarer Energien für die Wärmeerzeugung auf dem ganzen Gemeindegebiet auf mindestens 50 Prozent ansteigen soll. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt die Energiekommission auf Aufklärung. Mit Anlässen wie das letztjährige Podiumsgespräch «AKW – wie weiter?» oder den Energieapéros sollen Hauseigentümer und Energiekonsumenten informiert werden. Schwyter stellte klar, dass die Gemeinde Turbenthal Rahmenbedingungen schaffen wolle, beispielsweise für die Realisierung von weiteren Wärmeverbunden. Hingegen sei es nicht Aufgabe der Gemeinde, solche Projekte zu finanzieren oder gar zu betreiben. Sicher sei eine finanzielle Unterstützung aus dem Energiefonds denkbar, der jährlich mit 60’000 Franken dotiert wird.

Rita Hefti vom Beratungsunternehmen Weisskopf Partner GmbH stellte dann das konkrete Projekt Hohmattring vor. In diesem Gebiet gibt es verschiedene Mehrfamilienhäuser, die zusammen genügend Energie benötigten, damit ein Grundwasserwärmeverbund realisiert werden könnte. Bei dieser Methode wird das Grundwasser aus einer Tiefe von etwa zehn Metern heraufgepumpt. Dieses Wasser weist eine konstante Temperatur von sechs bis neun Grad auf. Mittels Wärmetauscher dürfen dem Wasser maximal drei Grad Wärme entzogen werden. Anschlies-send muss das Wasser wieder dem Grundwasserstrom zugeführt werden. Mit Wärmepumpen wird das Wasser in einem geschlossenen Kreislauf aufgeheizt, damit die einzelnen Häuser über Warmwasser und Heizleistung verfügen. Hefti erwähnte auch mögliche Kosten für Investition und Betrieb solcher Anlagen. Sie meinte, dass gerade Turbenthal über ideale Voraussetzungen für Wärmeverbunde mit Grundwasser oder Holz verfüge. Statt den Ölproduzenten und dem politisch bestimmten Erdölpreis hilflos ausgeliefert zu sein, sollten lokale Ressourcen genutzt werden.

Eigentümer sind interessiert

Bruno Ruppli nahm als Fachmann für die Gründung und den Betrieb von Wärmeverbunden den Ball auf. Er erklärte den anwesenden Eigentümern das Vorgehen beim Wärmeverbund Zentrum (wo nach der Heizungsperiode die alte Ölheizung des Gemeindehauses herausgerissen wird und das Gebäude an den Wärmeverbund angeschlossen wird) wie auch in der unmittelbaren Nachbarschaft beim Friedtalweg. Als Knackpunkt bezeichnete Ruppli den Entscheidungsprozess innerhalb der verschiedenen Stockwerkeigentümer-Gemeinschaften. Dies dürfte auch der Grund sein, weshalb ein Anschluss an einen Grundwasser-Wärmeverbund für ein aktuelles Bauprojekt in diesem Gebiet aus zeitlichen Gründen weniger in Frage kommt.

Während der Diskussion zeigte sich, dass Eigentümer von Liegenschaften in der Nachbarschaft an einer Lösung zusammen mit dem Bauherrn interessiert wären. Dieses Projekt soll neben dem Wärmeverbund Hohmattring weiterverfolgt werden. In seinem Schlusswort fasste Gemeinderat Schwyter das weitere Vorgehen zusammen. Zuerst sollen alle Eigentümer die Unterlagen zum Projekt Hohmattring erhalten, damit innerhalb der Gemeinschaften der Entscheidungsprozess angestossen werden kann. Sollten sich genügend Eigentümer für den Wärmeverbund interessieren, muss die geeignete Trägerschaft gefunden werden. Wie Ruppli erwähnte, haben sich Genossenschaften als ideales Vehikel in Turbenthal bewährt. Die anschlies-sende Diskussion vor den Plänen zeigte, dass der Ersatz von alten Ölheizungen oder die baulichen Hochwasser-Schutzmassnahmen für Öltanks den Eigentümern unter den Nägeln brennen.