Vor über 25 Jahren geschrieben, aber aktueller denn je

Der Vater mit seinen zwei Söhnen, die stets auf die Jagd gehen müssen (Fotos: lk)

Am Wochenende führte der Zeller Kinder- und Jugendchor «S’Gletscherchind» im Engelburgsaal in Rikon auf. Die berührende Geschichte ist auch heute noch aktuell.

«Hab acht – schütz d’Tier und Pflanzen, schütz d’Natur.» So singt der Zeller Kinder- und Jugendchor das Hauptlied. Ob heute, vor 25 Jahren oder vor 100 Jahren. Die Botschaft bleibt dieselbe: Damals wie heute soll der Umwelt Sorge getragen werden. Der Zeller Kinder- und Jugendchor wechselt in seiner Aufführung des «Gleschterchind» zwischen damals und heute, zwischen Traum und Wirklichkeit mit einem abwechslungsreichen Lieder-Arrangement und hat am vergangenen Wochenende das Publikum mit den
ersten zwei Aufführungen vollends begeistert.

Fast alle haben Doppelrollen

Klar sind die Kinder und Jugendlichen in ihren Verkleidungen herzig anzusehen, werden von den Eltern, Grosseltern und Göttis bewundert. Doch dies allein macht es nicht aus. Die Kinder sind sehr gut vorbereitet, hochkonzentriert, lassen sich vom Publikum kaum ablenken und sind in ihrer Rolle bestens verankert. Sie versinken in ihrem Stück, geniessen sichtlich das Singen und Schauspielern und achten gegenseitig auf die korrekten Einsätze und Abläufe. Fast alle Kinder haben Doppelrollen, als Tier und als Mensch in der damaligen oder heutigen Zeit. Es hat für jedes Kind eine kleine oder grössere Solo-Passage sowie den wichtigen Platz in der Gemeinschaft des Chors. Die Melodien sind eingängig, der schweizerdeutsche Text mal spritzig-frech, mal berührend, mal nachdenklich – manch einer wischte sich eine Träne weg, lachte schallend bei den Texten oder bekam Gänsehaut.

Die berührende Geschichte vom Gletscherkind, geschrieben von Marbeth Reif 1985, wurde von Charlotte Joss anfangs der 1990er-Jahre als Sing-Theater arrangiert und von den damaligen Langenharder Schülern uraufgeführt. Damals war Sarah Deissler das Gletscherkind. Heute ist sie Schauspielerin, Sängerin und Leiterin des Zeller Kinder- und Jugendchors. Ihr Bruder Kilian war der Mond; inzwischen ist er ein bekannter Komponist, Musiker und Chorleiter und spielt nun die Begleitmelodien der aktuellen Vorführungen.

Eingeschlossen im ewigen Gletschereis ist ein junges Mädchen nur bei Vollmond für ein paar Stunden frei und geniesst dann das Zusammensein mit den Tieren der Berge und des Tals. Doch in jener Nacht trifft es auf vier Mädchen, die unerlaubterweise beim Gletscher zelten und kommt mit ihnen ins Gespräch.

Der ewige Fluch

«Früher war dieses Tal und die Berge drumherum dicht besiedelt mit allerlei Tieren, vielen seltenen Pflanzen und wir alle lebten friedlich nebeneinander», begann das Gletscherkind mit ihrer Erzählung über die vergangenen Geschehnisse. Der Vater ging zur Jagd und erlegte, was sie zum Essen brauchten. Die Mutter kannte sich sehr gut aus mit den Heilkräutern und konnte für fast jedes Wehwehchen das passende Heilmittel zusammenstellen. Eines Tages entdeckte der Vater, dass sich die erlegten Tiere in einer Gletscherspalte hervorragend kühlen und aufbewahren lassen. So begann er gemeinsam mit den Söhnen immer alles zu schiessen, was vor die Flinte kam. Anschliessend kühlte er die erlegten Tiere im Gletscher und verkaufte sie für teures Geld. Auch die Mutter liess sich von der Geldgier anstecken und schickte die Tochter täglich stundenlang hinaus auf die Suche nach Kräutern. Doch der Tochter gefiel das gar nicht. Sie machte sich Sorgen um die Tiere und träumte sogar nachts davon, wie die Tiere geschossen werden. Sie stand morgens sehr früh auf. Und bevor ihr Vater und die Brüder zur Jagd aufbrachen, war das Töchterchen schon im Wald, verscheuchte die Tiere und warnte sie so vor der kommenden Gefahr. Doch leider nützte es nichts. Man wich ins benachbarte Tal aus und räuberte dort weiter die Natur aus. Erst ein Fremder, ein Naturschützer (eindrucksvoll dargestellt von Susi Schwarz) konnte der sinnlosen Ausbeutung Einhalt gebieten und belegte die Familie mit dem Fluch, im ewigen Gletschereis gefangen zu sein.

Alpen-Gletscher-Feeling in der Pause

Dass beim Zeller Kinder- und Jugendchor nicht alles konventionell abläuft, sind sich die Zuschauer mittlerweile gewöhnt. So war der Engelburgsaal speziell dekoriert, mit riesengrossen schwarzen Vorhängen verdunkelt und ansonsten leer. Das Publikum nahm oben auf der Bühne und der Treppe Platz und die Kinder spielten unten im Saal. Dezent in schwarz gekleidet am Rande die beiden Musiker, Kilian Deissler am e-Piano und Charlotte Joss mit Xylophon, Perkussion, Flöte oder Laute. Die nötigen Requisiten wurden passenderweise unter dem schwarzen Vorhang herausgezogen, einfach und doch zweckdienlich durchdacht und auch für die Kinder leicht merkbar und hervorholbar. Die Tierverkleidung diente teilweise als Sitzkissen und war so bei den entsprechenden Szenen schnell zur Hand. Natürlich wurde auch in der Pause das Alpen-Gletscher-Feeling weitergegeben, es gab Alpensirup und ein Vesper-Säckli – die perfekte Stärkung für den zweiten Teil der spannenden Geschichte.

Nächste Aufführungen: 23. und 24. September. Weitere Informationen www.zeller-kinderchor.ch