Von Schmidrüti aus soll der Luftraum überwacht werden

Auf der einstigen «Bloodhound»-Abschussbasis in Schmidrüti, hier eine Aufnahme von 2016, soll ein 25 Meter hoher Rundsuchradar gebaut werden (Foto: Archiv tth)

Auf dem Militärareal in Schmidrüti soll ein rund 25 Meter hoher Rundsuchradar gebaut werden. Bis am 26. Februar liegen die Unterlagen in der Gemeindeverwaltung auf.

In SchmidrütiKalchegg plant das eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) den Bau eines rund 25 Meter hohen Turms als Flugplatzüberwachungsradar (Rundsuchradar). Dieser soll an dem Standort gebaut werden, wo früher die Flablenkwaffe «Bloodhound» innerhalb der ehemaligen Fliegerabwehr-Stellung in Zürich stand und die bis 1999 streng geheim war (siehe Artikel unten). Das Gelände ist im Besitz des VBS und wird umzäunt. Laut dem Amt für Landschaft und Natur des Kantons Zürich befindet es sich nicht auf dem Waldareal. Im Fachjargon handelt es sich bei dem geplanten Flugplatzüberwachungsradar um ein System namens «Area Surveillance Radar» kurz ASR (siehe Box). Dieses ist Teil des MALS-plus-Systems, eines militärischen Anflugleitsystems. Geplant ist, dass die Radaranlage zwischen August und Oktober dieses Jahres gebaut wird. Als Bauherr fungiert das VBS, welches durch das Bundesamt für Rüstung (armasuisse) vertreten wird. Beauftragt mit dem Bau wird die Firma ewp AG in Kloten.

STICHWORT ASR
Das System «Area Surveillance Radar» besteht aus dem Primär- (Primary Surveillance Radar) und Sekundärradar (Secondary Surveillance Radar), deren Antennen übereinander auf einer gemeinsamen Achse ständig mit 12 oder 15 Umdrehungen pro Minuten drehen. Durch den Primär- und Sekundärradar können Flugzeuge erkannt und geortet werden. Mittels des Sekundärradars können beispielsweise zusätzliche Informationen wie Flughöhe oder Freund-Feind Erkennung generiert werden.

Drei Standorte untersucht

Das Vorgehen des VBS wirft einige Fragen auf. Warum soll ausgerechnet in Schmidrüti ein ASR installiert werden? 2009 wurden vom Parlament für die Einrichtung des neuen Systems MALS plus, das bis 2016 hätte implementiert sein sollen, 296 Millionen Franken bewilligt. Vorgesehen war, dass die Militärflugplätze Emmen, Locarno, Payerne, Sion und Meiringen mit dem neuen System ausgestattet würden – von Schmidrüti war nicht die Rede.

Das zur Komponente des MALS-plus-Systems gehörende ASR wurde mittlerweile an einigen Militärflughäfen installiert, so beispielsweise in Emmen und Payerne. Trotzdem ist das Projekt um einige Jahre verzögert. In Locarno wurde es aus «politischen und operationellen Gründen» nicht installiert, wie aus den Unterlagen zum Plangenehmigungsverfahren des VBS zu erfahren ist. Deshalb soll nun «zur Verbesserung der Informationen zur Gesamtluftlage in dieser Region […] das frei gewordene ASR installiert werden». Nach dem Motto: «Wenn es in Locarno nicht geht, dann halt in Turbenthal».

Nebst Schmidrüti untersuchte Skyguide auch die Standorte Wangenerberg und Gubel bezüglich der Radarabdeckung im Nordosten der Schweiz näher und kam zum Schluss, dass ein Radar am Standort Schmidrüti die durchschnittlich beste Abdeckung der untersuchten Standorte aufweisen würde.

Radarüberdeckung mit Lücken

Das VBS begründet das Vorhaben damit, dass die «Radarüberdeckung» im Raum Nordostschweiz ohne das Installieren des ASR in den unteren Lufträumen Lücken aufweise. Eine Realisierung erhöhe die Sicherheit. Aus der Sicht des VBS ist das Projekt gesundheitlich und ökologisch unbedenklich. Das Ingenieurbüro Triform SA nahm im Auftrag von armasuisse Lärmmessungen vor. Laut dem Ingenieurbüro würde der über den Tag und die Nacht summierte Beurteilungspegel bei 35,9 Dezibel (dB(A) liegen. «Dieser Wert liegt deutlich unter dem Immissionsgrenzwert von 65 dB(A) und auch deutlich unter dem Planungswert von 60 dB(A)», folgert das Ingenieurbüro.

Gefahren hinsichtlich der elektromagnetischen Strahlung sieht das Departement von Bundesrat Guy Parmelin ebenfalls keine. Das Kompetenzzentrum für Raum und Umwelt des VBS, das für nichtionisierende Strahlung zuständig ist, kurz KOMZ NIS, kam im Zuge von Simulationen zum Resultat, dass die geltenden Anlagen- und Immissionsgrenzwerte eingehalten würden. Besorgte Bürger, die Befürchtungen über mögliche gesundheitliche Risiken wie die emittierte elektromagnetische Strahlung hegen, verweist das VBS auf das interne KOMZ NIS, mit dem die Bürger Kontakt aufnehmen können.

Hier bleibt die Frage, wie unabhängig das KOMZ NIS ist? Renato Kalbermatten, stellvertretender Kommunikationschef des VBS, antwortet, dass das NIS bei armasuisse angegliedert und nicht Bestandteil der Projektorganisation sei. «Es führt für sämtliche Anlagen des VBS die Beurteilungen durch und hat das auch für die Projekte MALS plus an den anderen Standorten getan.»

Die Unterlagen des VBS liegen gegenwärtig in der Gemeinde Turbenthal auf und können bis am 26. Februar eingesehen werden. Bis dahin können Einsprachen bei der Gemeinde zuhanden der militärischen Genehmigungsbehörde eingereicht werden. Gemäss Kalbermatten wurde die Gemeinde Turbenthal vor der öffentlichen Auflage mit den Gesuchsunterlagen bedient und zur Stellungnahme eingeladen, wie das im Rahmen des militärischen Plangenehmigungsverfahrens üblich sei.