Von Fischen, dem Tokioter Nachtleben und Drag Queens

Das Freiluftkino im Schöntal bietet Abwechslung: Neben filmischen Höhepunkten, die man genüsslich im Liegestuhl verfolgen kann, ist auch Zeit für Gespräche. (Foto: Guy A. Lang)

Zum 15. Mal wird im Schöntal die grosse Leinwand aufgespannt. Zum 15. Mal werden die guten alten 35-mm-Filmrollen eingespannt. Zum 15. Mal trifft die Zirkusromantik des Pipistrello-Winterquartiers auf die Nostalgie des Wanderkinos. Zum 15. Mal verzaubern filmische Highlights das Publikum. Es ist Sommer im Tösstal.

Zum Frühsommer und Ferienbeginn pilgert man zum Freiluft-Film-Spass ins Schöntal. Freunde treffen, plaudern, gemütlich einen Schluck schlürfen, den Magen mit einer Köstlichkeit aus der Chocherey beruhigen, die Kinder toben lassen, die Alltagssorgen verbannen – und sich erst noch einen beliebten Streifen reinziehen. Dabei spielt es eigentlich keine Rolle, welcher Film über die weisse Stofffläche flimmert – sorry, ­liebe Programmkommission, ich will Eure Arbeit nicht schmälern –, Hauptsache er ist bekannt und «Wiedersehen macht Freude».

Livemusik und filmische Höhepunkte

So war es auch am letzten Donnerstag, Freitag und Samstag. Auf dem Programm: «A Fish Called Wanda», die klassische britische Gaunerkomödie um einen Juwelenraub und den Goldfisch Wanda; «Lost in Translation», Sofia Coppolas Film über Streifzüge durchs Nachtleben in Tokio; «The Adventure of Priscilla, Queen of the Desert», ein skurriles Roadmovie mit Drag Queens in Australien. Alles Komödien, alle auf ­hohem filmischen Niveau. So erhielt «Priscilla» beispielsweise einen Oscar für die besten Kostüme.

Weil es erst etwa um zehn Uhr abends eindunkelt, geniessen die Filmfans die Zeit bis dahin mit Essen, Plaudern und entspanntem Zusammensein. Oder einem a cappella, glockenrein gesungenen Geburtstagsständchen für eine Judith. Die sympathische, einfache und einmalige Atmosphäre lässt den Traum einer friedfertigen Welt aufkommen, zumindest für die Dauer des Besuchs auf der belebten, bestuhlten und einladenden Wiese vor der grossen, weissen Leinwand. Einen wesentlichen Beitrag zur einmaligen Stimmung tragen die Vorprogramme mit Livemusik bei. So stellte am Donnerstag Irene Mazza ihre Lieder von Freiheit und dem Wunsch in eine andere Haut zu schlüpfen vor. Am Samstag präsentierte Xenja Graf-Rey, alias Asoulafire mit Drive und grossem Engagement Balladen, die sie selber komponiert hat.

Gäste, Hühner und passende Menüs

Das Publikum war bunt gemischt, Menschen mit Stöcken, Krücken oder Rollstuhl mischten sich mit Jungen und Alten, mit Freaks und Etablierten. Und alle respektierten sich gegenseitig, begegneten sich offen und entspannt. Und sie kamen aus den verschiedensten Gegenden vom Tösstal, Zürichsee, ja es gab sogar Gäste aus Tiflis und ­Istanbul. «Für mich passt alles zusammen, es ist ein ganzheit­licher Genussabend», sagte einer der Gäste. «Erinnerungen an schon Erlebtes werden geweckt und die Wohnwagen auf dem Gelände geben die Vorstellung ein Stück teil zu haben an einem Lebenstraum». Seine Partnerin ergänzte: «Es ist so unkompliziert, und ich treffe Menschen, die ich nicht erwartet habe.» Zudem hätten es ihr die Hühner angetan, die das Gelände selbstverständlich als das ihrige betrachten. «Das Essen ist sensationell», schwärmte eine weitere Besucherin. So gab es zu jedem Film das passende Gericht: Bodenseefelchen bei «A Fish Called Wanda», Seitan, Reis und Poulet auf japanische Art bei «Lost in Translation» und Australische Pies bei den Drag Queens. Die drei Tage standen unter bestem Einfluss des Wetter­gottes, strahlend, warm und schön. Und so genossen die etwa 100 Gäste pro Abend das dies­jährige Schöntal-Sommer-Kino in allen Zügen. Sie haben es verpasst? Im nächsten Winter laden die Veranstalter wieder zum Schöntal-Winter-Open-Air mit Badewanne ein.