Vom Sorgenkind zum Blickfang

Die Jury posiert stolz mit Ideengeberin Ursula Knecht (Zweite von links) vor dem Zeller Schnegg. (Foto: Sandra Renggli)

Am Montagmorgen war es so weit: Der aus grünem Andeer-Granit gestaltete Zeller Schnegg wurde angeliefert – in Form zweier Granitblöcke von je sechs Tonnen. Zwei grosse Kranwagen hievten die Blöcke in die Mitte des Kreisels auf der Tösstalstrasse in Kollbrunn.

Grosse Gefährte waren am Montagmorgen auf dem Kreisel in Kollbrunn zu sehen. Der Zeller Schnegg wurde angeliefert – in Form zweier mächtiger Granitblöcke. Es war gar nicht so einfach, die Blöcke mit Gurten zu fixieren und in die vorbereitete Aussparung in der Mitte des Kreisels zu setzen. Mit vereinten Kräften und der nötigen Sorgfalt gelang es, die je sechs Tonnen schweren Steinblöcke aus Andeer-Granit so zu montieren, wie es die Ideengeberin Ursula Knecht in ihrer ­Skizze vorgesehen hatte.

Die ehemalige technische Zeichnerin war gespannt, wie ihr Entwurf nun fertig und vor Ort aussehen wird. Es sei ein spezieller Moment, meinte die Gewinnerin des Ideenwettbewerbs für die Kreiselgestaltung in Kollbrunn, welcher die Gemeinde Zell durchführte. Die vierköpfige Jury hatte im Januar dieses Jahres den Entwurf von Ursula Knecht zur Siegeridee ­erklärt. Sie hatte sich gegen  63 Mitbewerber durchgesetzt.

Ursprünglich auf einem Sockel

Knecht erzählte, dass es eine ­Herausforderung gewesen sei, all die Vorschriften und Bestimmungen, die das Projekt erfüllen sollten, in eine kreative und auch moderne Idee zu integrieren. Es hätte einige Entwürfe und Ideen gebraucht, doch immer war das Wappentier der Mittelpunkt. Schliesslich schmücke die Figur eine lange Zeit die Hauptverkehrsachse ins Tösstal, deshalb müsse es modern und zeitlos sein. Sie hätte gerne Kunst und sei in ihrer Freizeit etwas kreativ, meinte die bescheidene 75-jährige Knecht aus Rikon. Es hätte Spass gemacht und sei interessant gewesen, eine solche Gestaltung von der Idee bis zur Realisierung begleitet haben zu dürfen. Es sei so geworden, wie sie es sich vorgestellt habe und sie freue sich auch noch auf den Rest der Kreiselgestaltung, die auch zu ihrem Entwurf gehörte.

20 Tonnen Findlinge aus demselben Andeer-Granit werden noch im Kreisel platziert und mit Schotter und Kies befüllt. Knecht ist der Gemeinde Zell auch sehr dankbar, dass sie so ­etwas Schönes und Nachhaltiges habe machen dürfen. Es sei  keine billige Variante gewesen und man habe ihren Entwurf nur ganz wenig verändert. Ursprünglich sollte der Schnegg auf einem Sockel stehen, wurde nun aber in eine Aussparung im Betonfundament versetzt und wird ausgegossen. Dies auch aus Sicherheitsgründen. Besonders die Reise ins Bündnerland in den Steinbruch beeindruckte Knecht sehr. Sie erzählte, dass mit ihrer Skulptur die Möglichkeiten in Granit grössenmässig ziemlich ausgereizt waren.

Bewusst auf Blumen und Wasser verzichtet

Auch die Jurymitglieder hatten am Montagmorgen grosse Freude daran, ihr erkorenes Sujet nun in natura bestaunen zu dürfen. Es seien manche Sitzungen gewesen, die letztendlich zu diesem tollen Resultat geführt haben, meinte Bruno Vollmer, Gemeinderat und Jurymitglied. Rund 70’000 Franken wird die Kreiselgestaltung kosten, wovon 40’000 Franken alleine der Granit koste, verrät er. Man habe ­darauf geachtet, dass der Kreisel keinen Unterhalt brauche und demnach keine Folgekosten entstehen würden. Deshalb habe man auch auf Blumen und Wasser verzichtet.

Technisch sei das Projekt eine Herausforderung gewesen, war am Montagmorgen von Frank Gallati, dem zuständigen Bauleiter, zu erfahren, weil der Kreisel über den Wasserkanal gebaut werden musste. Er hätte sich selber auch auf die schöne Gestaltung gefreut, das sei bei Weitem nicht immer so, dass das Innenleben der modern gewordenen Kreisel so schön sei. Der Kreisel dürfte an kommendem Montag dem Verkehr übergeben werden. Mit den Bauarbeiten sei man sehr gut vorangekommen und sie hätten keine ausserordentlichen Schwierigkeiten gehabt. Ein grosses Lob erhielt die Baustelle auch von zwei Bauunternehmern. Zum Beispiel von Hansjörg Mattenberger, dem Ex-Geschäftsführer einer grösseren Tiefbaufirma, der sich gegenüber dem «Tößthaler» zu einem anderen Zeitpunkt wie folgt äusserte: «Diese Baustelle wurde tadellos bewirtschaftet. Der jederzeit ruhige Verkehrsfluss und die einwandfreien und zügigen Bauarbeiten haben mich beeindruckt.»

Warum überhaupt ein Kreisel?

Wie es überhaupt dazu kam, dass in Kollbrunn ein Kreisel gebaut wurde, war am Montag von ­Martin Lüdin zu erfahren, dem kürzlich zurückgetretenen Gemeindepräsidenten von Zell. Die Verkehrsplanung beschäftigte Lüdin während seiner ganzen Amtszeit und auch mit diesem Kreisel wird Lüdin seine Spuren hinterlassen. Anfänglich existierte ein Projekt, das eine Unterführung beim Bahnhof Kollbrunn mit Einmündung auf die Tösstalstrasse auf der Höhe des Restaurants Wiesenthal vorsah. So war es auch im alten Richtplan eingetragen gewesen – die schwierige Verkehrssituation beschäftigte die Verkehrsplaner des Kanton Zürichs schon über 35 Jahre.

Lüdin konnte damals bei Ernst Stocker, zu der Zeit noch Zürcher Volkswirtschaftsdirektor, in Erfahrung bringen, dass die Realisierung der Unterführung nicht geschehen werde, da sie mit 20 Millionen Baukosten zu teuer war. Deshalb beantragte die Gemeinde Zell bei der Regionalplanung Winterthur und Umgebung, dass das Projekt aus dem Richtplan gestrichen werden soll, was auch geschah. Dadurch wurden die bestehenden Servitute ungültig. Die verkehrstechnischen Probleme blieben jedoch bestehen, verschärften sich sogar – durch die Verkehrszunahme und die Bautätigkeit in der gesamten Region. Deshalb hatte die Gemeinde Zell mit ­Stocker ein Betriebs- und Gestaltungskonzept vereinbart. Dieses beinhaltet vor allem Massnahmen der Verkehrsberuhigung, so die Tempo-30-Zone und die Entschärfung des Unfallschwerpunkts «Rössli-Kreuzung», wie Einheimische die Kreuzung bei Tösstal-, Dorf- und Weisslingerstrasse nennen.

Rund 230’000 Franken selber berappen

Nachdem diverse Varianten geprüft wurden und Studien erstellt worden waren, kam der Kanton zum Schluss, dass ein Kreisel bei der «Rössli-Kreuzung» die beste Lösung sei. Da die Gemeinde Zell sich bemüht hatte, ins Agglomerationsprogramm des Bundes aufgenommen zu werden, führte dies dazu, dass eine Leistungsvereinbarung für das Projekt zwischen Bund und Kanton erstellt wurde. Das heisst, dass die Gemeinde Zell ans gesamte neu erstellte Verkehrskonzept lediglich die Anschlusskosten an die Gemeindestrassen sowie optische Gestaltungselemente mit einem Aufwand von etwa 230’000 Franken selber berappen muss. Lüdin, der am Montag extra aus dem Bündnerland anreiste, war sichtlich mit dem Ergebnis zufrieden.