Vielleicht die Schule der Zukunft

Klasse A motiviert bei der Arbeit (Fotos: mhi)

Die Sekundarschule Wila ist eine dreiteilige Sekundarschule und als Mosaikschule organisiert. Während der Besuchswoche konnten sich Interessierte ein Bild darüber verschaffen.

Das Lehrerzimmer erinnert gar nicht an die eigene Schulzeit: zwei normale Tische, aneinandergestellt, mit Bestuhlung, eine kleine Kaffeeküche um die Ecke, eine Sitzgruppe mit roten Sofas und ein niedriger Tisch. Hier gibt es für jene Eltern, die ihren Kindern in dieser Besuchswoche an der Sekundarschule Wila einmal über die Schulter schauen wollen, Kaffee und Kuchen. Die Lehrpersonen nutzen die Möglichkeit, in ihrer Pause oder zwischen den Unterrichtseinheiten kurz vorbeizukommen, um mit den anwesenden Eltern zu sprechen.

Derzeit wird die Mosaikschule Wila von zirka 90 Schülern aufgeteilt in vier Klassen besucht. Auf die Frage nach Vor- beziehungsweise Nachteilen erfahre ich von einer Mutter, dass die Selbständigkeit, die bei den Kindern gefordert und gefördert wird, für mach einen Schüler schon einmal zu viel sein kann. Gleichzeitig ist es aber auch die grosse Stärke der Mosaikschule Wila, mit der besonderen Klasseneinteilung und Unterrichtsstruktur die selbständige Arbeitsweise der Kinder und Jugendlichen zu fördern. Man dürfe auch nicht alle Verantwortung der Schule zuschieben, meint eine Mutter von zwei Sekundarschülern.

Klassenzusammensetzung und Unterrichtsstruktur

Die einzelnen Klassen sind sowohl alters- als auch leistungsdurchmischt. Eine Gesamtklasse setzt sich aus mehreren Lerngruppen zusammen. Die Lerngruppen wiederum bestehen aus je zwei bis drei SchülerInnen im siebten, achten und neunten Schuljahr aller Leistungsstufen. In der Gesamtklasse finden etwa 60 Prozent der Unterrichtseinheiten statt, ergänzt wird dieses Angebot durch das Kurssystem. In diesem wird in Leistungs- und Interessengruppen gelernt. Die Kurse umfassen die Fächer Französisch, Englisch, Werken, Sport, Förderkurse und anderes mehr.

Die Zusammensetzung der Klassen führt zu einem Detailproblem: Wie bezeichnet man diese? Kreativ wurde kurzerhand beschlossen, dass man auf die Bezeichnung Mosaik-Schule zurückgreift und sich an den Buchstaben bedient. Da an der Schule derzeit nur vier Klassen unterrichtet werden, existieren die Klassen M, O, A, I.

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Ein Besuch in Klasse A

Beim Eintritt ins Klassenzimmer fällt auf: Hier ist man nicht für den klassischen Frontalunterricht eingerichtet. Die Atmosphäre ist entspannt. An diesem Morgen stehen ein Leistungstest, das Erstellen eines Geschäftsbriefes und ein Diktat auf dem Programm. Die Aufgaben werden verteilt, die SchülerInnen erhalten ihre Arbeitsaufträge. Obwohl von mehreren Schülern Diktate vorgelesen werden, ist das Arbeitsklima erstaunlich ruhig. Man fühlt sich beinahe ein wenig an ein Grossraumbüro erinnert.

Die Klassenlehrperson der Klasse A, Irene Lang, erklärt mir, dass die Arbeitsbasis für jeden Schüler das Lernbuch ist. In diesem Lernbuch werden unter anderem der Stundenplan, die Hausaufgaben und die selbst festzulegenden Wochenziele eingetragen. Die jüngeren werden von den älteren Schülern dabei unterstützt, ihre Ziele und Prioritäten zu setzen. Der Schulalltag besteht aus Fachstunden, in denen die Schüler für eine Aufgabe angeleitet, sowie aus individuellem Unterricht, bei dem Themen selbständig eingeübt oder recherchiert werden.

In den Gängen finden sich zahlreiche interessante Plakate, offensichtlich von Schülern gestaltet, um die verschiedensten Themen zu präsentieren. Die Klassenzimmer sind freundlich, aber klar ersichtlich nicht streng zur Tafel hin orientiert. «Im Lauf der Woche wird erfahrungsgemäss zirka die Hälfte der Schüler Besuch durch ihre Eltern erhalten», informiert Schulleiter Eric Albert. «Es liegt ein Buch auf, in das sich die Eltern eintragen können.»

Die Eltern, die Lehrkräfte sowie die SchülerInnen der Mosaikschule Wila scheinen sich im individuellen Lernklima durchaus wohlzufühlen. Fast wünscht man sich, selbst noch einmal zur Schule gehen zu dürfen. Das vergleichsweise kleine Schulhaus und das Schulklima wirken familiär.

Der Besuch in der Mosaikschule in Wila hinterlässt einen rundum positiven Eindruck. Ist die Mosaik-schule die Schule der Zukunft?