Viele Erfolge der Wildberger Turner sind ihm zu verdanken

Hugo Petruzzi (Foto: pfe)

Anfang Juli werden in Wildberg die 75 Jahre des Turnvereins Schalchen-Wildberg und die 50 Jahre der Jugendriege gefeiert. Grosse Verdienste an diesen Jubiläen hat Hugo Petruzzi. Einerseits als Gründer der Jugendriege und andrerseits als langjähriger Oberturner des TVs. Unter seiner Ägide wurde das Turnen ein wichtiger Bestandteil im Wildberger Vereins- und Dorfleben. 

Sein Leben hat der gebürtige Bergeller Hugo Petruzzi, nebst Familie und Beruf, ganz allgemein dem Sport gewidmet. Präziser definiert: dem Turnen und dem Skifahren. Seine Leidenschaft kam in hohem Masse den Wildberger Turn- und Sportfreunden zugute. Als Oberturner und Jugi-Gründer legte er den Grundstein für eine bis heute erfolgreiche Wildberger Turner-Familie.

Hugo Petruzzi und ein Teil seiner grossen Familie zog 1951 vom Bergell nach Wildberg. Im Bergell redet man Italienisch. «Ouu, war das am Anfang eine Herausforderung für mich. Hier sprach doch fast niemand Italienisch – und ich kaum ein Wort Deutsch». Aber der junge Hugo erlernte rasch die hiesige Mundart. Zwei Jahre nach dem Umzug nach Wildberg, mit 14 Jahren, musste Hugo in den damaligen noch obligatorischen Vorunterricht. So nannte sich das turnerische Training, das die späteren Soldaten der Schweizer Armee zur körperlichen Fitness ertüchtigte. Eine Turnhalle gab es in der Gemeinde Wildberg noch lange nicht. Man begab sich in den sogenannten Turnschopf nach Schalchen, wo eine noch heute existierende Scheune auf engem Raum als Turnlokal herhalten musste.

Der militärische Vorunterricht verlangte das Absolvieren zahlreicher Sportdisziplinen wie Laufen, Hochsprung, Schnelllauf, Geländelauf, Kugelstossen und Weitwurf. Alles musste mit einer Schlussprüfung benotetet werden. Während der Sommerzeit trainierte man im Freien, insbesondere auf dem Turnplatz des Schulhauses Schalchen. Der Turnschopf Schalchen erlaubte nur Bodenturnen und Übungen an den Barren. «Mehr Geräte und Materialien hatten wir nicht zur Verfügung, für mehr hätte es auch keinen Platz gehabt», erinnert sich Petruzzi. Mehr und mehr fand der junge Sportler Gefallen am Turnen. 

Die Turnhalle kam erst 1966

Noch während seiner Lehre zum Elektromonteur und verpflichteter Teilnehmer des Vorunterrichtes meldete er sich für verschiedene Gebirgskurse während der Sommermonate an. «Man lernte klettern, wandern im Gebirge, Orientierungslaufen und genoss Schwimmunterricht». Auch die Wintersportangebote des Bundes, die im Rahmen der militärischen sportlichen Vorbildung ausgeschrieben wurden, interessierten Hugo Petruzzi immer mehr. So besuchte er in den Wintern 1956 bis 1958 Skikurse in Randolins bei St. Moritz. «Fellen auf den Piz Nair standen auf dem Programm. Sehr anspruchsvoll», weiss er noch genau. Trotz grosser Anstrengungen faszinierte ihn die anspruchsvollen Touren im alpinen Gelände.

Ausgerüstet mit viel Gelerntem zu neuen Turntechniken und hoher Motivation, dieses anzuwenden, übernahm der gerade 20jährige Petruzzi im Sommer 1959 die Leitung des Wildberger Vorunterrichtes für Knaben im Alter von 14 bis 20 Jahren. Disziplinarische Probleme hätten sich kaum je ergeben, erwähnt der Sportbegeisterte gerne. Es war einfach für alle klar: Da geht man hin und ertüchtigt sich. In den Sechzigerjahren bekam der militärische Vorunterricht einen zeitgemässeren Namen: J + S – Jugend + Sport. Nebst dem, dass er die Wildberger Jugend fürs Turnen zu begeistern vermochte, bildete er sich laufend weiter. In Magglingen stand der Turnsport im Zentrum. Neu Erlerntes und Pädagogik motivierte Petruzzi, soweit es die turnerische Infrastruktur zuliess, dies seinen Wildbergern zu zeigen und beizubringen. In der Winterzeit war er gefragter Skilehrer, so auch für die Schülerinnen und Schüler an der Kantonsschule Winterthur. Diesen brachte er das Skifahren in Disentis, in Scuol und zahlreichen weiteren Bündner Winterdestinationen bei.

Nach der Rekrutenschule musste Petruzzi nicht mehr in den Vorunterricht und trat dem 1943 gegründeten Turnverein Schalchen-Wildberg bei. Seine Spezialität sei stets das Barrenturnen gewesen, erwähnt Petruzzi. Nach Edi Egger und Willi Gubler wurde er 1963 als 24-jähriger der dritte Leiter des Turnvereins. Den jeweiligen Leiter nannte man Oberturner. Diesem oblag es, nebst der Turnstundenvorbereitung und dem Leiten der Turnabende auch die Organisation von Festen und Anlässen zu übernehmen. Die Turnerfamilie wurde in der Gemeinde Wildberg immer grösser. Mehr und mehr zeichnete sich das Bedürfnis für eine Turnhalle in der Gemeinde ab. Als eine der letzten Gemeinden im Kanton Zürich durften die Wildberger 1966 endlich ihre neue Turnhalle neben dem Schulhaus einweihen.

Als der Kantonale Kunstturnverband vernahm, dass in Wildberg gerade eine neue Turnhalle eingeweiht worden war, beauftragte er den mittlerweile in den Turnerkreisen weit herum bekannten Wildberger Oberturner Hugo Petruzzi, die internationale Kunstturnmeisterschaft mitzuorganisieren. So turnte die spanische Kunstturnelite in Wildberg, wo sie auch dank der gastlichen Wildberger Bevölkerung einquartiert werden konnte. 

Bereits ein Jahr später hiess es schon wieder: Hugo, das 25-Jahr-Jubiläum TV Schalchen-Wildberg organisieren! Das habe er aber gerne gemacht, erwähnt er ganz bescheiden. Zwölf verschiedene Turnvereine aus der Umgebung nahmen seine Einladung zu Wettkampftagen in Wildberg an. In der Winterzeit veranstaltete er für die Wildberger und andere Turnvereine der Region über all die Jahre immer wieder Skirennen im Oberland. Als Oberturner war er Kraft seines Amtes und seiner Berufung verantwortlich, dass der TV Schalchen-Wildberg an den Eidgenössischen Turnfesten mit von der Partie war. Alle sechs Jahre hiess es für ihn, ein Turnprogramm zusammenzustellen, das für alle erfüllbar war. «Es waren ja nicht alles Spitzenturner dabei», schob er lachend nach. Eine gute Körperschulung war ihm in seinen Programminhalten wichtig. Die Turner reisten an die grossen Feste nach Bern, Luzern und Aarau. 

1968 die Jugi gegründet

Als der militärische Vorunterricht wegfiel, suchte Hugo Petruzzi eine Lösung für die Jugend, um ihnen auf freiwilliger Basis das Turnen nebst dem Schulunterricht näher zu bringen. Er holte Ernst von Grüningen ins Boot und sie gründeten zusammen 1968 die Jugendriege, zumeist einfach Jugi genannt. 

Dieses Angebot wurde gleich zum Renner. Alleine vermochte Hugo Petruzzi den Andrang nicht zu bewältigen. So unterstützten ihn in der Leitung der Knaben Werni Küng und Rolf Zimmermann als Hilfsleiter.

1977 setzte der Umtriebige den nächsten Meilenstein, der auch heute noch aus dem Wildberger Jahresprogramm nicht mehr wegzudenken ist: die Gründung des Skilagers während der Skiferien. Das erste Lager fand noch in Grüsch Danusa statt. Für 1979 aber musste bereits eine neue Stätte gefunden werden, weil neu auch die Mädchen der Mädchenriege mit ins Skilager wollten, deren Leiterinnen Monique Blattmann und Marlies Zimmermann waren. Und die heisst bis heute Alp Sellamatt. Im März 2019 darf das legendäre Skilager, für viele Wildberger Kinder ein «Must» und Highlight des Jahres, seinen 40. Geburtstag feiern. 1977 verschaffte Petruzzi, der an vielen Meisterschaften immer an der Spitze mitturnenden Jugi Wildberg, eine eigene Vereinsfahne. 1982 nahm er seine Jugi mit nach Zürich an die Gymnaestrada. Im Letzigrund versammelte sich die ganze Welt. Die Wildberger Jugi war in die Show aller Jugendriegen des Kantons Zürich integriert. Das sei einer der wirklichen Höhepunkte in seiner Leiterkarriere gewesen, erwähnt Petruzzi gerne. Gefreut habe ihn, dass zahlreiche Eltern ihre Kinder an dieses phänomenale Fest begleitet hätten. Überhaupt windet er den Eltern ein Kränzchen: «Ohne helfende Hände hätte ich viele Anlässe niemals durchführen können». Auch das Dorf sei zur Stelle gewesen, wenn er Organisationsunterstützung benötigt habe. «Seine» Jugi mit fast 30 Teilnehmenden führte er des Weitern an das Eidgenössische Turnfest in Winterthur 1984. Und 1989 habe er sie für drei Tage in seine alte Heimat, das Bergell, mitgenommen. Man habe im vor kurzem wegen der Felsstürze bekannt gewordenen Bondo übernachtet. «Gefreut hat mich, dass sich die Jugendlichen für das Bergell begeistern liessen, einer Gegend, die viele gar nicht kannten», sagt der Bergeller.

Auch im Alter noch immer sportlich aktiv

1993 verabschiedete sich Hugo Petruzzi von der aktiven Vereinsarbeit und als Jugi-Leiter. Für seine grossen Verdienste und seine 25-jährige Leitung der Jugi beehrte ihn der Turnverein Schalchen-Wildberg mit einem «Gedenkstein», dem er zu Hause an der Luegetenstrasse einen ehrenvollen Platz zuwies. Seine Motivation für das Engagement im Turnsport sei nebst seiner Freude am Sport immer gewesen, dass sich die Mitturnenden und Jugendlichen für seine Trainingsstunden begeistern liessen. Einen Wermutstropfen will er am Rande doch noch angesprochen haben. Wenig Verständnis empfand er für das Engagement der obersten Gemeindebehörde für den Turnsport. Sie habe den TV Schalchen-Wildberg und die Jugi während langer Jahre mit gerade mal 100 Franken pro Jahr unterstützt… Die Geldbeschaffung sei in früheren Jahren für die Festorganisation und Teilnahme an Turnfesten eine grosse Herausforderung gewesen. Nachtragend wegen der kleinlichen Unterstützung ist Hugo Petruzzi aber nicht.

Und heute – wie steht er zum Sport? «Ja, meine Frau Erika und ich machen noch immer Bergtouren mit dem SAC Bachtel». Und aktiv ist er auch im Veteranenclub, den er gemeinsam mit Walter Epprecht 1992 gründete. Da stehe aber das Gesellige im Vordergrund, gestand der rüstige und aufgeweckte, aber immer bescheiden auftretende Sportler. Ja wahrlich: ihm haben die Wildberger Turnerfreunde viel zu verdanken!