Viel Raum für angeregte und konstruktive Diskussionen

In zufällig zusammengesetzten Gruppen wurde sofort begonnen, über die Zukunft zu diskutieren (Foto: sr)

Rund 50 Teilnehmer folgten am vergangenen Samstag der Einladung des Gemeinderats von Wila für die Zukunftswerkstatt 1 «Zukunft Wila» im Schulhaus Eichhalde. Fünf Fragen zur mittelfristigen Zukunft von Wila wurden in einem Workshop zur Diskussion gestellt.

Der Gemeinderat von Wila legt Wert darauf, die Visionen für die Zukunftsgestaltung der Gemeinde Wila in der Bevölkerung breit abzustützen. Die Resultate aus dem Workshop vom letzten Samstag, also Vorstellungen, Ideen und Meinungen der Bevölkerung, Parteien, Vereine, Behörden und weiteren Organisationen wurden abgeholt und gesammelt und sollen in den Strategieprozess für die Zukunft der Gemeinde der nächsten 15 Jahre einfliessen und den Prozess wesentlich mitprägen. Die Begleitgruppe besteht aus dem Vorsitzenden, Gemeinderatspräsident Hans- Peter Meier, Gemeinderat Sacha Huber, Gemeindeschreiber Balz Zinniker, Berater Hans-Heinrich Raths und den Repräsentanten der Schulen, Alterskommission und den Vertretern von SVP und SP.

Durch das sorgfältig geplante Programm führte der kompetente Moderator Hans-Heinrich Raths. Die zufällig konstituierten Gruppen starteten zügig in die erste Diskussionsrunde zur Kernfrage «Eigenständigkeit versus Fusion». Eine Auslegeordnung und Standortbestimmung sollte es sein und keine Wertung, betonte Raths. Die konsultativen Antworten sollten Wünsche und Lösungsansätze aufzeigen und anschliessend in einer kurzen Präsentation von jeder Gruppe dargestellt werden. Sehr breit und sehr angeregt wurde an den Tischen Meinungen und Standpunkte ausgetauscht. Der grosse Bedarf an Austausch zeigte sich deutlich und es herrschte eine löbliche und gepflegte Gesprächskultur, trotz der durchaus auch sehr emotionalen Themen.

Gepflegte Gesprächskultur

An den Tischen aufgeschnappte Äusserungen, wie schlechtes Steuersubstrat, wenig Zuzüger, fehlende KMUs (gleicher Stand wie vor 35 Jahren), marginaler Wohnungsbau, Armenhaus Tösstal, Armutsfalle, statt Bereinigungen und neuen Ansätzen nur darauf bedacht, kantonale Mittel abzuholen, endend als Aussenwacht von Pfäffikon, wurden kritisch eingebracht. Die Ursachen für diese Situation und was mögliche Lösungsansätze wären, wurde ebenfalls erörtert: Die Voten reichten von «wirtschaftliche Kraft nachhaltig verbessern, damit es keine Fusion braucht, Schule und die Auswirkungen der vergangenen Entscheide berücksichtigen, das Milizsystem infrage stellen, die Bezirke abschaffen, Verminderung der Lebensqualität, Gemeinschaft und Kultur in Wila bei einer Fusion, Qualität der Verwaltung bei bleibender Eigenständigkeit über die Frage, mit wem zu fusionieren wäre, die geografisch verzettelte Situation (Aussenwachten), die Überzeugung, dass kleine Gemeinden flexibler und wettbewerbsfähiger sind und weniger Potential für Korruption bieten, bis hin zu klaren Äusserungen wie ‹ich lebe sehr gerne und zufrieden in Wila und möchte eigenständig bleiben›».

Der Gemeinderat diskutierte absichtlich an einem eigenen Tisch. Den Teilnehmern wollte man so einen freien und hemmungslosen Austausch garantieren. Da wurde vor allem konstruktiv nach potentiellen Massnahmen und Möglichkeiten gefragt. Da sie sich mutig dem Souverän stellten, war eine flexible und lösungsorientierte Haltung unabdingbar. Hier lauteten die Stichworte: die Kostenkontrolle behalten, Aufbau nach kritischen Grössen, funktionale bessere Gliederung, Raumplanungsregionen bilden, mögliche kulturelle Veränderungen, Generationenwechsel, Gesundheitsversorgung, Rolle von Kanton und Bund.

Die anschliessende Auswertung zeigte dann auch deutlich die ambivalenten Meinungen zu den Chancen und Risiken einer Fusion auf: Emotionale Ängste vor dem Verlust von Kontrolle und Mitsprache, Identifikationsverlust, fehlende Gemeinschaft und fehlende Transparenz bei einer Fusion standen der Effizienz und Qualität der Verwaltung, neuer Dynamik, Synergienutzung und besseren wirtschaftlichen Verhältnissen gegenüber. Die politische Gemeinde und die Schulgemeinde sollen getrennt werden, ein möglicher Kantonswechsel und eine Gemeinde Tösstal, so lauteten die Ideen und Meinungen der verschiedenen Arbeitsgruppen zur Kernfrage.

Handlungsbedarf mit und ohne Fusion

Die zweite, neu nach Interessen zusammengesetzte Gruppenarbeit setzte sich mit folgenden Fragen auseinander: Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden, bauliche Entwicklung von Wila, Zusammenleben in Wila und Herausforderungen in den Bereichen Jugend, Alter, Familie und Gesundheit. Auch hier wurde sehr angeregt ausgetauscht und diskutiert und jemand bemerkte: «Es kocht in den Köpfen». Die Resultate wurden ebenfalls zusammengefasst.

Die Zusammenarbeit werde bereits jetzt schon verschiedentlich auch in Zweckverbänden und Zusammenarbeitsvereinbarungen bestens gepflegt, wie etwa bei Feuerwehr, Spitex, Altersheim, Museen und könnte bei einer Eigenständigkeit weiter ausgebaut werden. Die Schulen müssten bilaterale Verhandlungen führen, eine schrittweise Zusammenarbeit und Gespräche, auch als Vorbereitung für eine mögliche Fusion und mutiges vorangehen wurden gewünscht. Es solle verdichtet, nachhaltig gebaut und ein kontrolliertes, moderates Wachstum angestrebt werden, damit die Infrastruktur nachgezogen werden könne. Dabei solle vor allem Platz für Familien geboten werden. Dazu soll die Behörde ihre Kontrollmöglichkeiten ausschöpfen.

Der geplante S-Bahn-Anschluss dürfe Wila nicht zu einer Schlafgemeinde machen. Ebenfalls müsse Raum und Attraktivität für KMUs geboten werden. Bei der Zukunftsplanung müsse auf die Sicherstellung einer guten Gesundheitsversorgung, das dringend notwendige Jugendangebot sowie Familientreffpunkte und gute Alterskonzepte grossen Wert gelegt werden.

Legislaturplan 2018 – 2022+

Raths bedankte sich bei den Beteiligten und lobte ihr Engagement für die Zukunft von Wila. In konstruktiven Voten wurde beim Workshop 2 angeregt, noch bessere Rahmenbedingungen zu bieten und frühzeitig konkretere Fragestellungen aufzuwerfen. Und der Gemeinderat solle sich Gedanken machen, wie man die Umsetzung dieser erarbeiteten Ziele über die Legislaturen hinaus sicherstellen könne.

In nächsten Schritten, so Raths, werde nun alles gesammelt und sorgfältig ausgewertet. Der Gemeinderat werde schliesslich damit messbar. An einer Klausur des Gemeinderates sollen Vorschläge für Ziele und mögliche Massnahmen erarbeitet werden. In der Zukunftswerkstatt 2 am 24. März 2018 haben die interessierten BürgerInnen von Wila wiederum die Möglichkeit, mitzuwirken. Die anschliessende Auswertung soll in den Legislaturplan 2018 – 2022+ einfliessen und umgesetzt werden.

Gemeindepräsident Meier bedankte sich abschliessend bei allen Mitwirkenden und zeigte seine Freude über das engagierte Mitwirken und das grosse Interesse an der Zukunft von Wila.

Beim Apero blieb anschliessend noch viel Raum, angeregt zu diskutieren oder mit dem Geburtstagskind Meier anzustossen.

FRAGEN AN HANS-PETER MEIER
Die schlechte Steuerkraft auch im kantonalen Vergleich war heute immer wieder Thema. Wo sehen sie mögliches Potential?
Hans-Peter Meier:
Sparmassnahmen zum einen und Attraktivitätssteigerung für Investoren, Gewerbe und Einwohner zum anderen. Mit der Optimierung der Strukturen der Verwaltung und der Senkung der Gemeinderatssitze von sieben auf fünf wurden erste Massnahmen umgesetzt. Geplante Projekte zur Attraktivitätssteigerung und weitere Ideen für Sparmassnahmen werden geprüft und sorgfältig abgewogen. Dieser Anlass heute ist ein weiterer Schritt in diese Richtung.

Wo sehen Sie die Stärken von Wila? Ganz klar in der Lebensqualität. Das sehr engagierte Vereinsleben zum Beispiel zeigt die gelebte Gemeinschaftskultur von Wila. Abgesehen von der geografischen idyllischen Lage des Tösstals ist die Region auch touristisch sehr attraktiv. Wir gehören zum Naherholungsgebiet und erreichen grös-sere Agglomerationen aller Richtungen in kurzer Zeit.
Die Bevölkerung einzubeziehen ist ein mutiger Entscheid, denn er verpflichtet auch. Dem Gemeinderat ist es wichtig, präsent zu sein, Nähe zu zeigen, den Puls der Bevölkerung zu spüren. Wir wollen bewusst kritische und polarisierende Fragen stellen und erhalten. Pro und Contra sollen Raum haben, die BürgerInnen sollen Mitsprache haben, sich einbringen können und ermuntert werden, vielleicht auch ein Amt zu übernehmen. Dafür organisieren wir auch verschiedene Gemeindeanlässe wie den Neuzuzügeranlass, den Neujahrsempfang, den Gewerbetreff, diesen Workshop und weiteres mehr.   (sr)