Unterwegs in besonderer Mission

Achim von Glinowiecki, Umweltschutztechniker und Gefahrgutbeauftragter, sind auch schon besonders merkwürdige Dinge durch die Hände gelaufen (Foto: wir)

Seit 2005 ist im Kanton Zürich das Sonderabfallmobil unterwegs. Am vergangenen Samstag machten die Entsorgungsspezialisten Station im Werkhof Huebwis in Wila.

Fast alles, was nicht in den Hauskehricht gehört, kann im Sonderabfallmobil abgegeben werden. Dieses ist im Kanton Zürich seit 2005 unterwegs und machte am Samstag im Werkhof Huebwis in Wila halt. «Lösungsmittel, Farben, ätzende Stoffe, Medikamente, Spraydosen, Quecksilber.» Achim von Glinowiecki, der all diese Abfälle entgegennimmt, hält inne. Es fällt ihm leichter, diejenigen Stoffe zu nennen, die er nicht annehmen darf. Öle zum Beispiel, die gehören in die lokalen Entsorgungsstationen. Auch Sprengstoffe und Munition können nicht abgegeben werden, solche Abfälle sind Sache für die Polizeistationen.

Grosser Anklang

Bis zu einem Gewicht von 20 Kilogramm ist die Entsorgung kostenlos. Grössere Mengen dürfen von der mobilen Station nicht angenommen werden und müssen in den Recyclinghof Hagenholz gebracht werden. Das Sonderabfallmobil ist unterwegs im Auftrag des Amtes für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) und besucht die Gemeinden nach Absprache mit deren jeweiliger Behörde. Dauer und Frequenz dieser Besuche sind abhängig von der Einwohnerzahl. Orte mit weniger als 1000 Einwohnern haben Anrecht auf ein zweistündiges Angebot einmal im Jahr. Wila, mit einer Bewohnerzahl weit darüber, wird für dreieinhalb Stunden bedient, wobei dieser Tag nicht zwangsläufig auf einen Samstag fallen muss.

Das Angebot zur kostenlosen Entsorgung spezieller Abfälle richtet sich ausschliesslich an Privatpersonen. Gemäss der Pressemitteilung vom Wilemer Gemeindeschreiber Balz Zinniker nutzten im vergangen Jahr 89 Wilemer das Sonderabfallmobil und brachten dabei Materialien im Gesamtgewicht von 1222 Kilogramm mit. Auch dieses Jahr dürfte sich das Ergebnis mindestens im ähnlichen Rahmen bewegen, waren doch die mitgeführten Behältnisse im Wagen schon bald einmal gut gefüllt.

Um all die mitgebrachten Stoffe zu sichten und zu sortieren, bedarf es selbstverständlich eines gebührenden Sachverstandes. «Das AWEL setzt zur Erledigung dieser Arbeit eine chemische Grundbildung voraus», meint von Glinowiecki. Er selber ist gelernter Umweltschutztechniker, Gefahrgutbeauftragter und Fahrer des Mobils. Ausserdem sass er jahrzehntelang am Steuer eines Tanklastwagens. Strenge Vorschriften gibt es auch für den Transport all dieser Stoffe, nicht auszudenken, was beispielsweise die Vermengung verschiedener, unsachgemäss verstauter Chemikalien während der Fahrt bewirken könnte.

Auch Abfall kann Geschichten erzählen

Neben den gängigen Abfällen wie Farben, Lösungsmitteln oder Medikamenten sind auch schon besonders merkwürdige Dinge durch die Hände von Achim von Glinowiecki gelaufen. Wenn zum Beispiel auf einer Flasche mit unbekanntem Inhalt die Telefonnummer des Herstellers noch durch eine dreistellige Zahl angegeben wird, weiss er immerhin, dass er es mit etwas ganz Altem zu tun hat. Gelegentlich sind auch schon Gläser mit in Alkohol eingelegten Tieren abgegeben worden.

Gleichermassen interessant ist die Geschichte von Irene Wirz. Sie erschien mit einigen Boxen, deren Inhalte nicht aus ihrem eigenen Besitz stammen. Ein Messie hat ihr eine Wohnung voller Müll zurückgelassen und nach mühsamer Räumungsarbeit und unzähliger gefüllter Mulden brachte sie zuletzt, die gesondert zu entsorgenden Stoffe zum Werkhof Huebwis. Die Sonderabfall-Aktion dauerte bis um 11.30 Uhr, zumindest für die Bevölkerung. Glinowiecki und sein Fahrer machten sich auf den Weg zum Recyclinghof Hagenholz, wo sämtliche eingesammelten Materialien der fachgerechten Entsorgung zugeführt wurden.