Unter freiem Himmel Neues über die Natur lernen

Michael Küng erklärt das Verhalten der Fledermäuse (Fotos: Martin Preisig)

Im Rahmen des Festivals der Natur auf dem Rosenberg in Wila gab es viele abwechslungsreiche Angebote, organisiert vom Naturschutzverein Turbenthal-Wila und dem Lebenslernort Rosenberg. Gegen Hundert Personen erlebten einen friedlichen und informativen Tag.

«Bitte ein Taxi zur Taxizentrale!» Das hörten die meisten Besucherinnen und Besucher als erstes, nachdem sie den Weg auf den Rosenberg unter die Füsse genommen hatten. Vor dem Eingang zum Gruppenhaus Rosenberg hatten die Kinder eine Taxizentrale eingerichtet. Mit einem angepassten Anhänger konnten sich Kinder zum Ort des Kinderprogrammes fahren lassen.

Anschauliche Permakultur

Die offizielle Begrüssung erfolgte im Saal des Gruppenhauses durch Rolf Stocker. Getragen wurde der Anlass vom Lebenslernort Rosenberg, vom Naturschutzverein Turbenthal-Wila und von den Bewohnerinnen und Bewohnern des Rosenbergs. Den Anfang machte ein Einführungsreferat zur Permakultur von Christoph Bachmann (siehe «Der Tößthaler» vom 2. Mai 2017). Die Grundsätze der Permakultur lauten: «Sorge zur Erde. Sorge zu den Menschen. Teile gerecht.» Dieses Motto galt auch für den Tag der offenen Tür. Im Saal wurden biologische Lebensmittel aus lokalem Anbau angeboten: Suppen, gefüllte Brote, Wildkräuterspezialitäten und selbstgemachte Kuchen. Im Hof wurden Demeter-Bratwürste und vegane Bratlinge über dem Feuer gebraten. So war für das Wohl der Menschen gesorgt und dabei ging das Wohl der Natur nicht vergessen. Die Kinder, die auf dem Rosenberg leben, haben mit ihren Eltern ein Angebot für die Besucherinnen und Besucher zusammengestellt. An verschiedenen Ständen gab es Aktivitäten für Gross und Klein. An der Feuerstelle wurden Schlangenbrote gebacken. Aus Kohle, Ton und anderen Materialien aus der Natur wurde Schminke hergestellt. An einem Stand konnte Wolle gefilzt werden. Die Kinder sammelten Klee, Löwenzahn und andere Wildkräuter in der Umgebung, wuschen und schnitten sie, um salzige und süsse Quarksaucen herzustellen, die auch gleich probiert wurden. Mia Küng knüpfte den anderen Kindern farbiges Garn ins Haar. Auf der Spielwiese standen verschiedene Spielsachen zur Verfügung. Und natürlich konnten sich die Kinder auch wieder mit dem Taxi zurück zum Gruppenhaus fahren lassen.

Susan Köppel erzählt von der Entstehung ihres Permakultur-Gartens

Von der Biene bis zur Zwerg-fledermaus

Extra für das Festival der Natur war ein Barfussweg erstellt worden, auf dem zuerst die raue Rinde eines Baumes erspürt werden konnte und der dann über Sand, Gras, verschieden grossen Kies und Tannzapfen führte. Dieser Weg wird dem Rosenberg auch nach dem Fest erhalten bleiben.

Am Tag der offenen Tür war unter anderen auch Jonas Linder vom Verein Bienenschule präsent. Die Bienenschule möchte Kindern und Erwachsenen die Kreisläufe der Natur näherbringen. Im Loch in Wila entsteht ein Permakultur-Gebiet, in dem die Zusammenhänge unseres Ökosystems dargestellt werden können. Die Biene führt dabei wie ein roter Faden durch die verschiedenen Bereiche bis hin zur Rolle des Menschen.

Heimische Tiere, ihre Spuren, Felle und Losungen konnten im lehrreichen Ausstellungswagen der Jäger näher kennengelernt werden. Fuchs, Dachs und Marder, die in dieser Gegend bereits beobachtet wurden, waren ebenso vertreten wie die verschiedenen Arten des Wiesels, die vom Naturschutzverein Turbenthal-Wila ins Gebiet um den Rosenberg-Weiher gelockt werden möchten.

Einen Höhepunkt stellte der Stand des lokalen Fledermausschützenden Michael Küng dar. Mit grosser Begeisterung erzählte er von den verschiedenen Fledermäusen, die in der Region leben, von ihren Bedürfnissen und den Möglichkeiten, diese bedrohten Tiere zu schützen. Wer bis nach 21 Uhr geblieben war, konnte gemeinsam mit Michael Küng einige der kleinen Fledermausarten, die auf dem Rosenberg leben, beobachten und mittels eines Detektors sogar ihre Töne hören.

Musikalisch umrahmt wurde der Anlass von Geiger Alexej Wirth und der Alphorngruppe Sternenberg, deren Naturtöne die Gäste in den Abend trugen.

Von der Nutzung des Wassers im Garten zur Wasserkraft

Als Susan Köppel und Rolf Stocker als Pächter des Gruppenhauses auf den Rosenberg zogen, bestand ihr Garten in erster Linie aus Rasen. Seither haben sie diesen in einen Permakultur-Garten umgestaltet. Sie haben Wildniszonen festgelegt, Hügelbeete angelegt, an der Hausmauer Hochbeete installiert und das Wasser in einem Teich gesammelt, der als Feuchtigkeits- und Wärmespeicher dient. Mit verschiedenen Holz und Steinhaufen ist der Rosenberg auch Teil des Wieselnetzes.

Bruno Lüscher erklärt den Besucherinnen und Besuchern den Peitschenwebstuhl, der mit Wasserkraft betrieben wird
Bruno Lüscher erklärt den Besucherinnen und Besuchern den Peitschenwebstuhl, der mit Wasserkraft betrieben wird

Auf einer Führung zum historischen Rosenberg konnten alle Teile der Wasserkraftanlage in Betrieb besichtigt werden. Es begann beim Wasserschieber am Rodbach, von dem durch einen Kanal Wasser in den Stauweiher am Hüttlibach geleitet wird. Dieser Kanal und der daran entlangführende Weg konnten im letzten Jahr während eines Einsatzes vom Zivilschutz restauriert werden. Durch eine Druckleitung gelangt das Wasser ins Turbinenhaus am Fuss des Rosenbergs. Dort kann ein Transformator zugeschaltet werden, der aufzeigt, wie Anfang des 20. Jahrhunderts das Ende der Wasserkraft eingeläutet wurde: Die Elektrizität ersetzte die mechanische Kraftübertragung. Der historische Webstuhl läuft aber immer noch über eine Welle, die die Kraft von der Turbine in die ehemalige Seidenweberei Rosenberg überträgt. Diesen Webstuhl setzte Bruno Lüscher in Gang, der dies als einziger auf dem Rosenberg beherrscht.

Für die Organisierenden war es ein sehr gelungener Tag. «Es sind sehr verschiedene Leute gekommen, aus dem Dorf und zum Teil auch von weiter her,» sagte Susan Köppel im Anschluss an das Fest. «Die einen haben sich für den Vortrag über Permakultur interessiert, die anderen für die Wasserkraftanlage. Und die Kinder waren glücklich und engagiert bei ihren Angeboten. Es entstand eine friedliche und interessierte Stimmung.» So konnten alle verschiedene Aspekte der Förderung von Biodiversität kennenlernen. Ganz nach dem Motto: «Sorge zur Erde. Sorge zu den Menschen. Teile gerecht.»