Unklare Spielregeln, Schulden und viel dicke Luft

Das Reservoir Leiacher auf dem Gebiet der Gemeinde Fischenthal (Foto: tth Archiv)

Die Wasserversorgungs-Genossenschaft Fischenthal ist hochverschuldet und nur noch beschränkt handlungsfähig. Eingedroschen wird aber nicht auf jene, die dafür verantwortlich waren, sondern auf den, der die Missstände aufgedeckt hat. Einmal mehr wäre beinahe der Bote enthauptet worden.

Drei Stunden dauerte die Generalversammlung der Wasserversorgungs-Genossenschaft Fischenthal. Dabei gingen die ersten beiden Geschäfte zügig über die Bühne. Die Bauabrechnung für das neue Reservoir Leiacher ob Steg, die mit gut zwei Millionen Franken klar unter den geplanten Kosten blieb, wurde ebenso gutgeheissen wie die Jahresrechnung 2016, obwohl sie mit einem Verlust von gut 80’000 Franken abschloss.

Ein unschönes Gerangel

Zu streiten gab viel mehr der Rücktritt von vier Vorstandsmitgliedern und deren Vorwürfe an die Adresse des Präsidenten Urs Heusser, der seit der ausserordentlichen Generalversammlung vom November 2016 im Amt ist. Die damalige Versammlung war notwendig geworden, weil sich herausstellte, dass die Genossenschaft hoch verschuldet ist, die laufenden Rechnungen nur noch mit äusserster Mühe zahlen kann und nicht genügend für den Werterhalt gesorgt hat. Nach bestem Wissen und Gewissen und mit viel Elan machte sich der neue Präsident daran, die Sachlage zu analysieren und Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Als Ingenieur war er dazu durchaus in der Lage und hoffte, durch Eigenleistung günstiger zu sein, als wenn der Vorstand ein aussenstehendes Unternehmen beauftragen würde.

Was offensichtlich niemandem bewusst war, zeigte sich erst im Lauf der Arbeit. Der Aufwand dafür war enorm und lag weit über dem, was vorauszusehen war. In knapp sechs Monaten hatten sich bei Urs Heusser über 600 Arbeitsstunden angehäuft. Das entspricht etwa einem 50-Prozent-Pensum und war durch eine Präsidentenentschädigung von 5000 Franken bei weitem nicht abgedeckt.

Eine unerfreuliche Situation

Als Heusser seine Rechnung präsentierte, die etwa die Hälfte dessen ausmachte, was ein externes Ingenieurbüro gekostet hätte, war der Teufel los. Der Präsident habe eigenmächtig gehandelt, sich einen Auftrag zugeschanzt. Bis zum Vorwurf der unrechtmässigen Bereicherung reichte die Palette der Unterstellungen. Vor den Ohren der Generalversammlung wurde nun angefangen, schmutzige Wäsche zu waschen.

Für Genossenschaftsmitglied und Gemeinderat Mirko Sennhauser war es ein Kraftakt, die leidige Diskussion zu stoppen und den Blick auf die anstehenden Massnahmen für die Zukunft zu lenken. Mit der Feststellung, dass notwendige Aufräumarbeit geleistet worden war und nun die jahrelangen Versäumnisse des früheren Vorstands offenliegen, stiess er in ein Wespennest: Das langjährige frühere Vorstandsmitglied Werner Wettstein unterbrach ihn mehrmals und polterte, da habe es nichts aufzuräumen gegeben.

Doch Sennhauser liess sich nicht beirren. In einem Antrag stellte er als Begründung eine Reihe von Versäumnissen fest, wie zum Beispiel versäumte Werterhaltung, nicht kostendeckende Beiträge, hohe Verschuldung, ungenügende Investitionsplanung und kam zum Schluss: «Leider haben sämtliche Kontroll-organe versagt» und es habe sich nicht verhindern lassen, «dass über mehrere Jahre die Pflichten der Wasserversorgungs-Genossenschaft Fischenthal nicht erfüllt wurden». Die Genossenschaft hat Schulden in der Höhe von 3,3 Millionen Franken angehäuft und einen Wertverlust von etwa 12 Millionen Franken in den letzten Jahren erlitten. Das hat Urs Heussers Analyse ergeben. Gemeindepräsident Josef Gübeli doppelte nach, es sei unfair, die Person, die sich dieser unerfreulichen Situation angenommen und einen Ausweg aus dem Schuldenschlamassel gesucht habe, auf diese Weise zu verunglimpfen. In mindestens zwei Protokollen sei zudem nachzulesen, dass Heusser vom Vorstand aufgefordert worden war, die Arbeit fortzusetzen – von Eigenmächtigkeit also keine Spur.

Mit saftigen Gebühren in die Zukunft

Nach dem unschönen Schlagabtausch, der einen schalen Geschmack hinterliess, kam die Versammlung schliesslich doch noch zur Sache: die notwendigen Massnahmen für die Zukunft. An einer saftigen Gebüh-renerhöhung kommt die Genossenschaft nicht vorbei: Der Kubikmeterpreis wird von zwei auf 3.40 Franken, die Grundgebühr von 250 auf 675 Franken und der Neueinkauf von 1,5 auf 2,5 Prozent des Gebäudeversicherungswerts erhöht. Diese Erhöhungen wurden deutlich angenommen. Mit diesen Mehreinnahmen rechnet der Voranschlag 2017 mit einem Gewinn von rund einer halben Million Franken für die Werterhaltung und längerfristig auch zur Schuldentilgung.

Zur Zukunftsgestaltung gehörte auch die Neubesetzung des Vorstands. Der Antrag von Mirko Sennhauser verlangte die einzelne Bestätigungswahl der verbliebenen Vorstandsmitglieder, Urs Heusser als Präsidenten und Andreas Hausammann als Vizepräsidenten. Auf die Frage eines Genossenschafters, ob sie sich eine weitere Zusammenarbeit überhaupt noch vorstellen könnten, liessen sie nur ein eher schwächliches Ja verlauten. Die Bestätigung der beiden Vorstandsmitglieder erfolgte deshalb nur bei vielen Enthaltungen. Heusser bedankte sich für das Vertrauen und gestand auch Fehler ein; vor allem, dass er ohne klare Rechtsgrundlage diese Arbeit ausgeführt und verrechnet habe. Die Schaffung eines entsprechendes Reglements verlangte denn auch der zweite Antrag von Mirko Sennhauser. Drei Genossenschafter stellten sich für die Wahl in den Vorstand für das Ende der Amtsperiode bis 2018 zur Verfügung: Neben Brunnenmeister Oliver Bieri waren dies Beatrix Dönni und Marianne Schmucki. Alle drei wurden gewählt.

Damit ist nach einer langen und mühsamen Generalversammlung die Genossenschaft wieder handlungsfähig. Ob das Vertrauen wiederhergestellt ist, wird sich zeigen. Da wird der neue Vorstand noch einiges an Überzeugungsarbeit leisten müssen. Im August wird eine weitere Versammlung stattfinden: Ein Geschäftsreglement soll verabschiedet werden. Die Frage aber, ob die Genossenschaft nicht doch aufgelöst und die Wasserversorgung an die Gemeinde zurückgegeben werden soll, ist mit der Generalversammlung vom 25. April 2017 noch nicht vom Tisch.