Turbenthals Gesicht verändert sich

Alte Fotos neben neuen vom selben Ort: Ueli Vetter zeigt seine Bildtafeln am Sonntag im provisorischen Ortsmuseum. (Foto: Renate Gutknecht)

Zum dritten Mal innert kurzer Zeit fällt Ueli Vetter mit alten Fotoaufnahmen auf. Am kommenden Sonntag wird er im provisorischen Ortsmuseum Bilder von Turbenthaler Häusern zeigen. Es steht eine interessante und auch vergnügliche Zeitreise an.

Menschen wie Ueli Vetter leisten wertvolles für Dorfgeschichten. Sie recherchieren in der Vergangenheit einer Gemeinde, um dann mit spannenden Zusammenstellungen die Besonderheiten einer Ortsgeschichte aufzuzeigen. Im Rahmen des 500-Jahr Jubiläums der reformierten Kirche in Turbenthal fiel Ueli Vetter mit der praktisch nahtlosen Konfirmandenfotogalerie auf. Diese begann 1885 und endete 2017, sie wurde an den Wänden des Gotteshauses entlang präsentiert. Einige der erwähnten Aufnahmen kamen damals durch einen Aufruf in seine Hände.

Bildtafeln fürs Lindehus

Kürzlich erst wurden im Lindehus die ersten grossformatigen Fotoaufnahmen mit Hausansichten von früher und heute im Parterre des Pflegezentrums an die Wände gehängt. Auch sie stammen von Ueli Vetter. Für den Festakt anfangs Juni im Lindehus hatte er über 70 Bilder an die Druckerei Johler, Wila, abgegeben. Ein erster Teil davon ist nun gefällig auf Aluminiumplatten aufgezogen. «Ich wurde letztes Jahr für diese Präsentation angefragt», erklärt der 79-jährige seine Arbeit. Die Anfrage kam vom «Verein Pro Lindehus und Im Spiegel». Die Ansichten von früher und heute aus Turbenthal, Wila und Wildberg sollen dem Wunsch der Initianten entsprechend über lange Zeit im Turbenthaler Pflegezentrum Freude bereiten.  Oft sind es glückliche Fügungen, die etwas bewegen. Ueli Vetter heiratete 1965 Ursula Frei; ihre Vorfahren waren seit jeher stark mit Turbenthal verwurzelt. Der bekannte Schneider Frei war ihr Vater, die Mutter stammte aus dem renommierten Sanitär- und Spenglergeschäft Gubler.

Durch die Familiengeschichte

Ueli Vetter vertiefte sich in diese Familiengeschichten und gelangte sozusagen vom Hundertsten zum Tausendsten, immer weiter zurück führten die Nachforschungen. «Ich stiess auf spannende Einzelheiten und machte mir Gedanken, wo all die Familien einst wohnten», so seine Motivation. Für seine Recherchen reiste er mehrmals nach Zürich, wo er im Staatsarchiv die Brandversicherungsunterlagen einsah und lückenlose Akten ab 1812 bis hin zur Neuzeit vorfand. Jedes Haus war mittels Katasternummer und mit Plänen erfasst. Der nächste Schritt führte dann ergänzend zum Notariat in Turbenthal, wo die Katasternummern weitere Angaben zu den Standorten der Häuser lieferten. So konnte er sie im Dorf aufspüren.

Die Vergangenheit bewahren

Ueli Vetter ist Gründungsmitglied des Vereins für ein Ortsmuseum, ihm ist er nach wie vor verbunden. Er hat das ganz natürliche Gespür für Dinge, die sich als wertvoll erweisen. Einst erhielt er alte Glasplatten. Die Fotoaufnahmen darauf halten die Erneuerung des Kirchturms im Jahre 1903 fest. Diese Ansichten scannte er ein, wie auch Bilder aus der Familie seiner Frau. Zudem stellte ihm der Baumer Dorfchronist Walter Sprenger alte Aufnahmen von Turbenthal zum Kopieren zur Verfügung. Aus all diesen Beständen stellte Ueli Vetter in wochenlanger Arbeit eine ausgewogene Übersicht zusammen, die nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Auf Bildtafeln stehen die alten Aufnahmen den neuen Ansichten gegenüber, dadurch sind die Betrachter gut informiert. «Nicht immer war es einfach vom gleichen Standort aus ein Bild von heute zu machen, denn oft gibt es Bäume und Büsche, die im Weg sind», erklärt er. Seine Ehefrau weiss viel, dar­über, wo Menschen gewohnt haben und wie die familiären Zusammenhänge sind. Am Sonntagnachmittag wird es bestimmt viel zu staunen und zu hören geben.
Das Ehepaar freut sich, wenn Menschen ihre eigenen Erinnerungen einbringen. Dadurch kann die Dorfgeschichte ergänzt werden.

Ueli Vetters Ausstellung ist diesen Sonntag im Provisorischen Ortsmuseum an der Tösstalstrasse 20 in Turbenthal zu sehen. Geöffnet ist das Museum von 14 bis 17 Uhr.