Trauriges Jubiläumsjahr

Löst sich der Kulturverein Wila auf, bleibt der Eichhaldesaal wohl öfter leer (Foto: Marianne Schertenleib)

Vor 40 Jahren wurde der Kulturverein Wila gegründet. Er brachte für seine Gemeinde Schweizer Kulturgut auf die Bühne wie Jörg Schneider, Dodo Hug und Andreas Thiel. 2018 steht aber anstelle des Jubiläumsfestes seine Auflösung an.

«Manchmal muss etwas sterben, damit was Neues entstehen kann», sagt Odett Wissmann, Präsidentin vom Kulturverein Wila. An der letzten Mitgliederversammlung am 19. April unterbreitete der Vorstand den Anwesenden – zwölf Mitglieder inklusive Vorstand und fünf nicht-Mitglieder – den Auflösungsauftrag für den Verein per 31. Dezember 2018. Für dessen Annahme brauchte es ein zwei-Drittel-Mehr. Bei fünf Enthaltungen stimmten sieben Mitglieder dafür – eines zu wenig, die Vereinsauflösung musste vertagt werden.

Doch was ist mit dem 1978 gegründeten Kulturverein passiert, dass es zu einer Auflösung kommen sollte? Es will keiner in den Vorstand. Seit sieben Jahren sucht der Verein nach Ablösung für die mittlerweile allesamt pensionierten Vorstandsmitglieder. «Tatsache: Wir haben null und gar keine Interessenten», sagt Wissmann, die seit elf Jahren dabei ist. Sie, wie auch die anderen, haben schon vor Jahren angekündigt, den Vorstand verlassen zu wollen. «Die Bedürfnisse verschieben sich halt im Leben. Es ist Zeit, den Jüngeren Platz zu machen», und wenn es die nicht gibt…

Wenig Teilnahme der Bevölkerung

Dass im April bloss drei Mitglieder an die Versammlung kamen, die nicht in enger Bindung zum Vorstand stehen, bestätigte Wissmann einmal mehr, dass in der Bevölkerung das Interesse schwindet. Der Kulturverein zählt heute noch rund 140 Mitglieder, früher waren es mal um die 200. Um die Übergabe zu erleichtern, wurde die Vorstandsmitgliederzahl in den Vereinsstatuten im Laufe der Zeit von neun auf sieben, dann bei der letzten Mitgliederversammlung auf fünf Personen reduziert. Regelmässig wurde bei den Veranstaltungen aufgerufen, es gab Briefe an die Mitglieder, Flyer in alle Haushalte und Infos auf der Website; alle Versuche neue Vorstandsmitglieder zu finden, scheiterten. 

Von den noch immer durchschnittlich 60 Besuchern an den Veranstaltungen kommen viele von ausserhalb, nach den Vorstellungen gehen alle bald wieder nach Hause, obwohl es auch eine Bar gäbe; «Es findet kein Austausch mehr statt», sagt Wissmann. Die abnehmende Beachtung des Kulturvereins der Bevölkerung erklärt sie sich damit, dass die Menschen mehr aus dem Dorf rausgehen, die Jungen sich eher an der Stadt orientieren würden. Der Verein sei überaltert. «Früher waren wir hier der Platzhirsch», erzählt Wissmann. Dann kamen links und rechts im Tal weitere Kulturanbieter dazu. Die Schwierigkeit, Nachfolger für den Vorstand zu finden, verbindet sie mit der Schnelllebigkeit und Spontanität der heutigen Zeit: «Die Menschen möchten sich ihren Freiraum bewahren».

Das Programm könnte neu kreiert werden

Viel Zeit würde das Amt als Vorstandsmitglied zwar nicht beanspruchen. Bei den vier Veranstaltungen, die der Verein pro Jahr durchführte, kam Wissmann auf zwei bis vier Wochen, inklusive der Veranstaltungstage. Was das Programm betreffe, wären dem neuen Vorstand auch keine Vorschriften gesetzt. Zurzeit liege der Schwerpunkt auf Theater, Comedy und Kleinkunst, das könnte sich aber «ganz nach eigenem Gusto» ändern lassen. Finanziell gehe es dem Verein zudem gut und die Besucherzahlen sind auch nicht schlecht. Allerdings bekomme es Wissmann immer wieder gesagt: Es sei einfach schön, nur vorbei zu kommen, ohne mitschaffen zu müssen. Am 27. Juni nun findet die nächste ausserordentliche Mitgliederversammlung statt. Falls an dieser kein neuer Vorstand gewählt werden kann, wird der Verein gemäss Artikel 77 des Zivilgesetzbuches per 31. Dezember 2018 aufgelöst. Die Auflösung würde an der ordentlichen GV im Januar 2019 vollzogen werden. «Das im Jubiläumsjahr kundtun zu müssen, tut natürlich doppelt weh. Es würde aber wohl nichts fehlen, wenn es den Verein nicht mehr gäbe», sagt sie. Trotz Pragmatismus wünscht sie sich natürlich, dass sich irgendwie bis Ende Jahr Freiwillige finden lassen und Kultur in Wila nach wie vor seinen Platz hat. Das Datum für die Mitgliederversammlung wurde dem Ursprünglichen nach den Sommerferien auch vorgezogen, für mehr Zeit, falls es dann doch noch einen neuen Vorstand gäbe.

INFOS
Odett Wissmann steht jederzeit für Auskünfte zur Verfügung: odett.wissmann@live.com; 052 385 12 71
Mindestalter für Vorstandsmitglieder 18 Jahre von Vorteil www.kulturvereinwila.ch