The Beat must go on!

Die Sauterelles sind seit 1993: Düde Dürst, Freddy Mangili und Peter Glanzmann (v.l.n.r.), in der Mitte Toni Vescoli (Foto: zVg)

Nur die wenigsten von uns können angeben, was sie im Jahre 1962 getan haben. Anders für eine der bekanntesten Schweizer Musikformationen: «Les Sauterelles». Toni Vescoli und seine Band feiern dieses Jahr ihr 55-jähriges Bestehen!

Man sagt, gute Musik sei wie guter Wein, je älter, desto besser. Wer die Weisheit dieser Aussage anzweifelt, der sollte sich den 4. November in seiner Agenda gut markieren. Anlässlich ihrer kleinen «Fifty-Five» Tour durch die Schweiz machen die Sauterelles dann nämlich Station im Saal des Restaurants Blume in Fischenthal. Zu verdanken ist dieser Auftritt den langjährigen guten Beziehungen zwischen Toni Vescoli und dem heutigen Blume-Wirt Fausto Baggenstos, der früher das legendäre Musiklokal Stop in Fischenthal führte. Schon damals vermittelte Vescoli dank seiner guten Kontakte verschiedene Künstler in den «Stop», darunter auch die bekannte Gruppe Span. Als Baggenstos schliesslich über Umwege in der «Blume» landete, war dann auch Toni Vescoli auf der Bühne anzutreffen, sowohl alleine als auch mit der amerikanischen Sängerin Amanda Shaw. «Baggenstos», so Vescoli, «hat dann immer davon geschwärmt, einmal mit den Sauterelles einen Auftritt zu organisieren».

Ausdauer und sehr viel Wille

Die Geschichte der Sauterelles, nachzulesen auf deren Homepage, beschreibt einen harten und steinigen Weg. Als sich im September 1962 zur Vorausscheidung eines Gitarrenwettbewerbes im Vorraum des Zürcher Radiostudios drei junge Musiker trafen, ahnte wohl niemand, dass hier der Grundstein einer grossen internationalen Karriere gelegt wurde. Auf der Suche nach einem Namen für die neu gegründete Band einigten sich die drei sich auf «Les Sauterelles» (die Heuschrecken) – französisch daher, weil Toni Vescoli damals auf zwei in Zürich studierende Westschweizer traf. Schon bald aber löste sich die Gruppe wieder auf und erst nach verschiedenen Problemen mit der Neubesetzung erspielte sich die Band Ende 1963 den ersten Profivertrag. Was folgte, waren viele Hochs und Tiefs mit mehrfach wechselnder Formation. Aber dank harter Arbeit und grossem Durchhaltewillen stimmte die Richtung, es ging aufwärts!

«Ihr spielt zwar nicht wie die Beatles, aber es klingt so»

Neben einem längeren Gastspiel im legendären Star-Club in Hamburg bleibt wohl auch der Auftritt als Vorgruppe der Rolling Stones bei ihrem denkwürdigen Konzert vom 14. April 1967 im Zürcher Hallenstadion vielen in Erinnerung. Die Sauterelles waren in aller Munde und erlebten ihren Höhepunkt 1968 mit der Veröffentlichung ihres grössten Erfolges, der Single «Heavenly Club». Doch der Ruhm forderte seinen Tribut: Nach über 300 Konzerten im Laufe eines Jahres zeigten sich Verschleisserscheinungen, die mit der Auflösung der Band und nach verschiedenen Neuversuchen mit der Aufgabe einer Todesanzeige mit dem Text «Die Sauterelles sind tot!» endeten.

Totgesagte leben länger

Glücklicherweise zeugten verschiedene Lebenszeichen während der folgenden zwanzig Jahre vom Fortbestand der Sauterelles. Erst ab 1990 aber fand sich die Formation in ihrer jetzigen Zusammensetzung. Neben Toni Vescoli stehen Düde Dürst, Freddy Mangili und Peter Glanzmann auf der Bühne. Während Dürst und Mangili schon seit 1965 zum Stamm der Band gehören, stiess Glanzmann 1993 dazu. Nun kam auch der Erfolg zurück. Auf die Frage, was heute auf der Bühne anders als früher ist, weiss Vescoli eine spontane Antwort: «Wir trinken keinen Alkohol mehr vor den Auftritten»! So können die vier heute jeden Auftritt geniessen und diese Spielfreude spüren auch die Fans. «Für die älteren», so der Musiker, «läuft jedes Mal wie ein Film aus ihrer eigenen Jugend ab». Jüngere wiederum sind erstaunt, dass man diese Musik überhaupt live so spielen kann. Selbst andere Bands, die Musik der Beatles covern, seien erstaunt: «Ihr spielt zwar nicht wie die Beatles, aber es klingt so»! Während andere Oldie-Bands häufig einen verstaubten Eindruck hinterlassen, wirken die Sauterelles noch immer lebendig und frisch.

Internationale Beachtung

Schon beinahe Tradition haben die Auftritte der Sauterelles an der internationalen Beatleweek, einem Festival mit dem Ziel, die Musik der berühmtesten Popgruppe der Welt, den Beatles, zu feiern. In der Stadt, in der alles begann, in Liverpool. Folgten der Schweizer Band an die erste Teilnahme noch 75 Fans, waren es im Jahr darauf schon 100, danach 125 und dieses Jahr konnte für 200 Personen bereits ein eigener Flieger gechartert werden! Die Reise wurde zu einem vollen Erfolg, die Veranstalter bezeichneten die Sauterelles als eine der besten fünf Bands und sehen in ihnen fast die einzigen authentischen Vertreter aus dieser Zeit. Lord Meyre, der Repräsentant der Stadt Liverpool, empfing die Sauterelles persönlich im Stadthaus.

«Wir trinken keinen Alkohol mehr vor den Auftritten»

Für das kommende Jahr angesagt ist eine Reise zu den Wurzeln der Beatles nach Hamburg. Dazu kommen Konzerte im «Kaiserkeller», sowie im Musikclub Indra, wo auch die später weltberühmte Band aus Liverpool ihre ersten Auftritte hatte. Ein Ereignis, dass sich wohl kaum ein Sauterelles-Fan entgehen lassen wird!

Fifty-Five Tour

Das Konzert vom 4. November ist auch für Fausto Baggenstos etwas Besonderes. «25 Jahre arbeite ich nun schon mit Toni Vescoli zusammen!» Die Band feiert ihr 55-jähriges Bestehen und Vescoli selbst wurde dieses Jahr 75. Baggenstos freut sich sehr auf den Anlass, kann er doch zusammen mit Vescoli und seinen Musikern auf eine durchwegs erfolgreiche Zeit zurückblicken. Auch dieses Mal wird sich daran nichts ändern, davon ist der Veranstalter überzeugt, wollen die Sauterelles doch gemäss ihrer Konzertankündigung beweisen, dass sie noch immer voll im Saft sind! Der Kartenverkauf läuft jedenfalls bestens, nur noch rund 80 der 350 Plätze sind verfügbar, und wer sich ein Ticket sichern will, sollte sich beeilen.

Konzertbeginn: 4. November 2017, 21.00 Uhr,
Vorverkauf Gasthaus Blume, Fischenthal

Telefon: 055 245 11 18