Suche mit Bachelor-Syndrom 

Schon seit einiger Zeit bin ich Single und aus diesem Anlass natürlich immer wieder konfrontiert mit «Leidensgenossen» des anderen Geschlechts. Natürlich ist es der Wunsch vieler – wie auch von mir – den Partner fürs Leben zu finden, wieder einmal und natürlich lieber heute als morgen. Schliesslich tickt ja das Ührchen unaufhaltsam und man wird ja auch nicht mehr jünger. Aber wie stellen wir das am besten an?

Für viele meiner, mir bekannten Mit- oder Frisch-Singles, ist es die erste Amtshandlung, sich einmal auf einer Partnerbörse oder einer Dating-App anzumelden, um sich so quasi wieder auf den Markt zu schmeissen. Das habe ich tatsächlich auch mal versucht, aber mich kurzerhand, bereits nach ein paar Stunden, wie ein aufgescheuchtes Reh und völlig überfordert, wieder abgemeldet. Da kamen sofort Anfragen mit teils ganzen Listen von No-Gos, Ansprüchen und Vorlieben – und damit meine ich nicht das Lieblingsessen.

Nein, das war einfach nichts für mich! Allerdings gestaltete sich das Kennenlernen in freier Wildbahn auch nicht einfacher. Zuerst scheint jeweils alles wie früher, ganz klassisch. Man geht was trinken, man geht mal essen, man ist sich sympathisch…., soweit alles wunderbar. Aber dann kommt’s! Manchmal direkt oder manchmal auf Umwegen, erfährt man dann, dass da noch
weitere mit im Rennen sind; die einen nennen es «Optionen», andere wiederum «Kandidatinnen». Man(n) will ja erst mal eine Weile schauen, wie’s mit jeder so läuft, nichts überstürzen, natürlich alles ganz unverbindlich, unkompliziert und ohne Verantwortung über den Verlauf des Ganzen. Die Beste möge also gewinnen.

Ganz ehrlich, mir persönlich ist sowas einfach zu blöd, da könnte ich ja, wenn ich das so wollte, gleich bei RTL oder 3+ oder wie die ganzen Sender heissen, anklopfen.

Ich schaue sehr selten TV, dies aus zwei Gründen: Werbung und die ganzen seichten und niveaulosen Reality-Formate, welche ja selten wirklich sehr real sind und ebenfalls nach Drehbuch produziert werden. Aber natürlich kenne ich die eine oder andere dieser Sendungen. Eine davon nervt mich ganz besonders, und zwar «Der Bachelor» respektive «Die Bachelorette». In dieser Sendung buhlen um die 20 auf Hochglanz aufpolierte Kandidaten oder Kandidatinnen um einen nicht minder glattgebügelten Junggesellen oder eine Junggesellin. Ein Wettbewerb bei welchem es, so habe ich den Eindruck, kaum um den Menschen oder die Liebe an sich geht, sondern mehr darum, sich selbst zu inszenieren, um die Show, um möglichst viel Aufmerksamkeit zu gewinnen und auf der Karriereleiter vielleicht sogar bis zum C-Promi aufzusteigen. Wirklich sehr erstrebenswert!

Der Bachelor beziehungsweise die Bachelorette datet nun also was das Zeug hält und verteilt nach dem Ausschlussverfahren und nach Kompatibilität fleissig Röschen an die, die noch im Rennen sind. In kurzer Zeit soll also mit viel Show, perfekten Dates, Smalltalk und Prosecco unter allen «Mit-Streitern» der «Traumpartner» gefunden werden. Immerhin – Oberflächlichkeit hat sonst selten so viel Publikum.

Auch in der Realität hat sich nun das, ich nenne es das Bachelor-Syndrom, bereits sehr stark verbreitet, wie mir scheint. Man wartet heute nicht mehr auf die eine Person beziehungsweise auf die grosse Liebe, die das Schicksal einem in die Arme spielt. Nein wir brauchen heute dafür weder Zufall noch Schicksal, denn wir haben ja schliesslich Facebook, Parship, Tinder und Loovo. Social Media und Datingportale mit sehr viel Auswahl und in denen bereits auf Wunsch vorselektioniert werden kann. Man blättert also mal im Katalog und pickt sich unter den vorgeschlagenen Profilen mal heraus, was einem so gefällt. Man schreibt sich gegenseitig etwas hin und her und diejenigen, welchen es nicht schon vorher abgelöscht hat, machen bald mal ein Date ab. Da man aber ja keine Zeit verlieren und nichts verpassen will, dated man am besten gleich mehrere Optionen gleichzeitig. Glücklicherweise hat die Woche ja sieben Tage.

Nun aber frage ich mich: Wie soll man sich ernsthaft in jemanden verlieben können, wenn man noch weitere Kandidaten im Hinterkopf hat, welche vielleicht noch andere oder bessere Vorzüge haben könnten. Blöd auch, wenn einem eine bereits aussortierte Kandidatin doch noch im Kopf herumschwirrt, obwohl man sich aufgrund gewisser Kriterien bereits für eine andere entschieden hat. Was für ein Durcheinander! Aber mal ehrlich: Wer will schon die sein, die im Rennen irgendwann aussortiert wird, geschweige denn, diejenige, welche einfach am Schluss noch übrigbleibt? Also ich nicht! Wie erfolgreich diese Strategie ist, zeigt uns die Realität sowie auch die Sendung. Viel Show, viele Dates aber schlussendlich keinen Schatz.

Vielleicht sollten wir einfach wieder mehr auf den Boden der Tatsachen zurückkehren, von unserem hohen Anspruch vom perfekten Partner ohne Ecken und Kanten abkommen. Einfach mal nur auf den Zauber des Anfangs und die Schmetterlinge im Bauch vertrauen. Nicht zuerst darauf schauen was uns der zukünftige Partner alles bieten kann, sondern eher, was möchten wir ihm geben und mit ihm erleben. Ob dann eine Beziehung auf Dauer halten wird, entscheidet schlussendlich sowieso der Alltag. Vielleicht sollten wir ganz einfach gar nicht anfangen zu suchen denn, wie so oft, kommt die Liebe ganz plötzlich und ganz unverhofft.