Donald Trump ist in allen Medien und in aller Munde

Seit Jahrzenten hat keine Präsidentenwahl in den Vereinigten Staaten von Amerika so viel Aufmerksamkeit erweckt wie jene vom 8. November 2016. Schon der Wahlkampf war ausserordentlich.  Die Demokraten taten alles dafür, die Wunschkandidatin des Establishments Hillary Clinton gegen den Liebling des Volkes, Bernie Sanders in die Poleposition gegen die Republikaner zu befördern. Nachdem im März zur Überraschung vieler Sanders auch in Michigan gewonnen hatte, war die Wahlkampfmaschine von Hillary ins Stocken geraten. Aber mit viel zusätzlichem Geld kam sie wieder auf Touren und Hillary wurde schliesslich nominiert.

Bei den Republikanern lief alles ganz anders. Alle Kandidaten welche dem Establishment genehm waren, schieden, trotz aufwändigster Kampagnen, der Reihe nach aus. Ein gewisser, bis anhin wenig bekannter, Donald Trump gewann einen Staat um den anderen in den Primärwahlen. Früher war er einmal Mitglied der Demokratischen Partei. Schlussendlich wurde er von seiner jetzigen Partei lustlos zum Präsidentschaftskandidaten gekürt.

Der eigentliche Wahlkampf war extrem gehässig und gekennzeichnet von alten Geschichten, welche aus der Mottenkiste gezogen wurden, und von persönlichen Anfeindungen. Beide hatten die Gelegenheit ihr politisches Programm für die Zukunft dieser Supermacht der Bevölkerung darzulegen. Je klarer Donald Trump seine Ziele und Versprechungen machte, desto unklarer wurden die Vorstellungen und Visionen von Hillary Clinton im Vergleich zu dem was wir unter Obama die letzten acht Jahre zu sehen bekamen. Die meist privaten Radio- und Fernsehstationen unterstützten immer klarer die Kandidatur von Clinton. Für mich sah es immer mehr aus nach einem Kampf zwischen einem Establishment, welches seit Jahrzenten seine eigenen Kandidaten, ob Demokraten oder Republikaner, hervorbrachte und einem Herausforderer, welcher nicht aus einem Armenhaus stammt, aber von aussen kam und sich anschickte, den innersten Machtzirkel dieses Staates in Frage stellen.

Dass es nicht nur um viel Macht, sondern auch um viel Geld und Pfründenwirtschaft ging, versteht sich von selbst. Clinton und die Mainstreampresse verschrien Trump als Populisten. Trump bezeichnete Clinton als durch und durch korrupt. Clinton versprach Kontinuität und Wohlstand für alle. Trump versprach Amerika first, mehr Arbeitsplätze, weniger Einwanderung, ein entspannteres Verhältnis zu Russland etc.

Alle Vorhersagen prophezeiten Clinton einen Sieg, aber es kam anders, als fast alle gedacht hatten. Nach dem Wahlsieg von Trump am 8. November 2016 waren viele Kommentatoren auf beiden Seiten des Atlantiks geschockt und rieben sich die Augen. Trotz Unterstützung der Massenmedien und Millionensponsoring von Agro- und Pharmamultis, aus der Waffenindustrie und sogar aus Ländern wie Saudi-Arabien hatte Hillary Clinton die Wahlen verloren. Die eingesetzten Gelder für den Wahlkampf sprechen Bände, soweit man den Zahlen Vertrauen schenken kann: Clinton hätte 1,2 Milliarden Dollar eingesetzt und Trump 300 Millionen Dollar. Die Bevölkerung hätte vermutlich lieber Sanders gehabt.

Was passiert nun aber mit allen Erwartungen, welche die entsprechenden Industrien und die Medien in Clinton gesteckt hatten? Werden sie versuchen umzusatteln, das neue Pferd zu zähmen und zu besteigen, oder werden sie es zur Schlachtbank führen? Ich bin gespannt was der neugewählte Präsident aus dieser Situation machen wird. Ich teile viele Ansichten von Trump ganz und gar nicht, aber ob vieler Reaktionen von links bis rechts musste ich schmunzeln. Die Arbeit von Obama und seinen Vorgängern wie Bush und Bill Clinton werden ja gerade schon verklärt dargestellt.

Was wäre denn soviel besser gewesen, wenn Clinton gewonnen hätte?  In einem Interview mit einem amerikanischen Schriftsteller im «Tagesanzeiger» habe ich gelesen, Obama sei ein ruhiger rationaler Vater der Nation gewesen und jetzt hätte er das Gefühl ein Betrunkener sei am Steuer. Mag sein; aber dann frage ich mich, wer war am Steuer, als Libyen von den Amerikanern angegriffen und Gaddafi ermordet wurde. Hillary Clinton war damals Aussenministerin und hatte gejubelt als sie von dessen Tod hörte. War damals der Militärisch-industrielle-Komplex der Vereinigten Staaten selbst am Steuer, als der Krieg ohne UNO-Mandat begonnen wurde? Oder war damals etwa Obama betrunken? Gaddafi war kein Demokrat, aber Libyen hatte zuvor eines der besten Schul- und Gesundheitssysteme des Nahen Ostens und beim Angriff ging es einzig um Öl und nie um Demokratie. Heute herrscht in Libyen das Chaos.

Und wie war es in Syrien schon wieder? Auch Syrien war ein funktionierender Staat mit Schulen und Krankenhäusern. In Reiseberichten hatte ich gelesen, wie Damaskus eine wundervolle Stadt mit weltoffenen Leuten war. Nachdem Obama begonnen hatte, zusammen mit den Saudis Söldnerbanden, Terroristen oder, nach seinen Worten, Freiheitskämpfer gegen Assad zu unterstützen, kam alles anders. Hunderttausende Menschen wurden getötet und Millionen von Flüchtlingen ergossen sich über die Nachbarländer bis nach Europa. Auch die europäischen Mainstreammedien schrieben sich die Finger wund über Gräueltaten von Assad. Kriegsgrund war aber auch da nicht die Installierung von mehr Demokratie, sondern Ölinteressen. Auch den Konflikt in der Ukraine gäbe es nicht, wenn der Westen Abmachungen mit Russland nicht gebrochen hätte. Ich denke Trump liegt gar nicht so falsch, wenn er einen Ausgleich mit Russland sucht.

Heute von Urs Hans