Stabübergabe an die fünfte Generation

Die vierte, fünfte und sechste Generation vereint. In der Mitte Maya und Albert Keller, aussen Ramona und Res Keller mit Töchterchen Giulia (Foto: Willy Roth)

Stolze 37 Jahre führten Albert und Maya Keller das Restaurant Schwendi in Bauma. Auf den 1. Januar 2018 treten die beiden zurück in die zweite Reihe. Abgelöst werden sie durch ihren Sohn Andreas (Res) und dessen Frau Ramona.

Langsam wächst in Maya Keller ein eigenartiges Gefühl. Nicht dass sie nach dem 1. Januar nichts mehr zu tun hätte, vielmehr fragt sie sich, wie wohl ihre Abende ohne die gewohnten Gäste um sie herum verlaufen werden. Ganz anders sieht es ihr Mann Albert: «Seit Jahren ist das Holzen mein Hobby. Dazu fahre ich noch Postauto nach Sternenberg.» erklärt er. Mit grossem Eifer zählt er seine geplanten Projekte auf. Fast meint man, er könne es kaum erwarten. Es ist genau jene Leidenschaft, die der Gast den beiden in all den vergangenen Jahren angemerkt hat und mit der sie dieses Restaurant führen, dessen Bekanntheit weit über das Dorf Bauma hinausreicht. Das Besondere daran ist, dass sowohl Albert als auch Maya Keller im Jahre 1980 aus völlig unterschiedlichen Berufen in das Wirteleben eingestiegen sind. Keller erzählt, wie er damals als Zimmerman von seinem älteren Bruder vor die Wahl gestellt wurde: Den Betrieb übernehmen oder zulassen, dass die Schwendi durch die Erbengemeinschaft zum Verkauf angeboten wird. Wenn es auch schwerfiel, Albert und Maya entschieden sich zum Wechsel ins Gastrogeschäft.

Zu einem Zeitpunkt, an dem noch niemand davon erfahren sollte, besuchte Albert die Wirtsfachschule in Zürich. Heimlich fuhr er während zehn Wochen hierfür nach Zürich. Während er anfangs mehrmals ans Aufgeben dachte, verdiente er sich schliesslich das zu dieser Zeit noch zwingend erforderliche Diplom mit einer sehr guten Note.

Der Tradition verpflichtet

Keller ist sehr stolz auf seine Familiengeschichte. Er legt grossen Wert auf die Tatsache, dass mit seinem Sohn Res nun schon bald die fünfte Generation mit seinem Namen in der Schwendi wirtet. «Und», so ergänzt er, «mit der 14 Monate alten Enkelin Giulia krabbelt bereits die sechste Generation im Saal herum.» Am 10. Oktober 1878 kaufte Urgrossvater Jacob Keller die Schwendi zum damals stolzen Preis von 26’000 Franken. Die Familie ist noch heute im Besitz des Kaufbriefes, wie auch von weiteren Dokumenten, die die Geschichte der Kellers belegen. Lange «Dienstjahre» auf der Schwendi scheinen nichts Aussergewöhnliches zu sein, dass aber Albert und Maya die 36 Jahre seiner Mutter noch übertreffen würden, hätten sie sich bei der Übernahme im Jahre 1980 wohl nicht vorgestellt. Auch wenn sich nun Res und Ramona zwei Jahre Zeit geben, um ein erstes Fazit zu ziehen und über ihre weitere Zukunft zu beschliessen. Die Chancen stehen gut, dass auch die beiden sich nicht so bald umentscheiden werden. Zum einen musste sich die junge Familie diesen Schritt sehr gut überlegen und als zweites haben sie noch einen Trumpf im Ärmel: Um nicht ganz auf den Mittelpunkt des Grossteils ihres vergangenen Lebens verzichten zu müssen, haben Albert und Maya eine Vereinbarung mit ihren Nachfolgern getroffen. Die abtretenden Wirte werden auch in Zukunft noch in der Schwendi anzutreffen sein. Sie haben sich entschlossen, als «Teilzeiter» für einen Tag pro Woche weiterzumachen. Umgesetzt wird dies mit einigen kleinen Änderung der Öffnungszeiten: Neu öffnet die Schwendi morgens bereits um sieben Uhr, dies auch am Montag, im Gegenzug wird von 14 bis 17 Uhr eine Mittagspause eingeführt. Dazu wird sich Maya Keller weiterhin um die vielen Blumen kümmern – eine Arbeit die sie sehr gerne macht und mit der sie seit vielen Jahren dem Erscheinungsbild des Gebäudes ihren Stempel aufdrückt.

Das Restaurant Schwendi am Dorfeingang Baumas. Das prachtvolle Gebäude befindet sich seit 1878  im Besitz der Familie. Die Blumen sind das Werk von Maya Keller (Foto: zVg)
Das Restaurant Schwendi am Dorfeingang Baumas. Das prachtvolle Gebäude befindet sich seit 1878
im Besitz der Familie. Die Blumen sind das Werk von Maya Keller (Foto: zVg)

Keine Abkehr vom bewährten Konzept

Das Restaurant Schwendi ist bekannt für die Grösse der servierten Portionen und die Qualität der zubereiteten Speisen. Daher werden Res und Ramona die Speisekarte weitgehend übernehmen und mit einigen Spezialitäten ergänzen. Geplant ist, dass die beiden sich vorerst die Funktion des Küchenchefs aufteilen werden. Besonderer Beliebtheit erfreut sich auch die, jeden dritten Montag im Monat stattfindende, Stubete. Seit rund 15 Jahren treffen sich in der Schwendi Freunde der Volkstümlichen Musik und der Event hat sich zu einem grossen Erfolg entwickelt. Albert Keller schwärmt von der enormen Vielfalt: «Während viele vergleichbare Anlässe eher Schwyzerörgeli-lastig sind, traten bei uns schon Formationen mit allen möglichen Instrumenten auf. Von der Trompete über das Banjo bis hin zum Alphorn.» Damit Albert und Maya auch weiterhin als Gastgeber der Stubete amten können, erklärte die Familie den Montag zu Alberts und Mayas Arbeitstag.

Nicht wegzudenken aus der Schwendi ist die Metztgete. Seit den frühen 60er-Jahren findet diese jeweils gleichzeitig mit dem Baumer Frühlings- und Herbstmarkt statt. Regelmässig ist die Gaststube dann bis auf den letzten Platz, oder auch etwas darüber, gefüllt. Die neuen Wirte werden auch diese Tradition weiterführen und bei diesen Gelegenheiten auf die Hilfe ihrer im selben Haus wohnenden Vorgänger zählen dürfen.

Das Erfolgsrezept

Albert und Maya Keller blicken auf intensive und sehr erfolgreiche 37 Jahre als Wirte zurück. Keller senior kennt die Gründe dazu: «So etwas erreicht man nur, wenn man von Anfang an die richtige Frau an seiner Seite hat.» Sehr dankbar ist er auch dem Umstand, dass er sich während der ganzen Zeit stets auf ausgezeichnetes und treues Personal verlassen konnte. Als Beispiel nennt er eine Frau, die von seiner Mutter mit 20 Jahren angestellt wurde und noch heute mit 70 Jahren als Aushilfe tätig ist. 50 Jahre auf der Schwendi – unvorstellbar und doch irgendwie verständlich.