Spannendes aus vergangenen Zeiten

Christian Fust, Drechslerlehrling im vierten Lehrjahr zeigt sein Handwerk (Fotos: wir)

Die Drechslerei Kleintal an der Strecke von Steg zur Hulftegg ist mehr als nur ein Museum. Eine Gruppe engagierter Vereinsmitglieder sorgt dafür, dass die Faszination an altem Handwerk nicht verloren geht.

Einmal jährlich veranstaltet der «Verein zur Erhaltung der Drechslerei Kleintal» einen Thementag. Selbstverständlich hat dieser Tag immer etwas mit Holz zu tun – und wer sich gerne aktiv betätigt, erhielt auch dieses Jahr Gelegenheit dazu. Thema am letzten Sonntag: Chlefele. Seit der letzten Staffel der Sendung «Die grössten Schweizer Talente» des Schweizer Fernsehens ist dieses Wort für die meisten ein Begriff. Bekannt geworden mit der Technik Chlefele ist unlängst Julius Nötzli in besagter Fernsehsendung unter dem Pseudonym «Nötzli mit de Chlötzli». Was liegt da näher, als zu solch einer Veranstaltung genau diesen Künstler einzuladen? Nötzli fand auch eine Lücke in seinem Terminkalender. Im Anschluss an einen Auftritt am Bodensee versprach er, auch im Kleintal eine Demonstration seines Könnens zu präsentieren. Aus dem Berndeutschen übersetzt heisst Chlefele so viel wie «Klappern» oder «Klingen». Dabei geht es vereinfacht gesagt darum, den Rhythmus einer Melodie oder sogar auch diese selber durch ein Aneinanderschlagen von zwei eigens dazu gefertigten Holzstücken zu erzeugen. Genau diese Holzstücke durften die Besucher selber anfertigen. Aus vorbereiteten Holzstücken galt es, zwei identische, fein abgerundete und formschlüssige Teile mit Feilen zu bearbeiten.

Die Drechslerei Kleintal wäre kein Museum, gäbe es hier nicht auch die Möglichkeit, Einrichtungen und Werkzeuge aus dem Handwerk des Drechslers aus früheren Zeiten zu bestaunen. In regelmässigen Abständen wurden Führungen angeboten, während derer man den Lauf des Wassers vom eigens angelegten Weiher über ein Gefälle von nur 16 Metern zu einer Turbine verfolgen konnte. Die Turbine wiederum treibt über Gestänge und Winkelgetriebe eine Säge an, die aus Baumstämmen von mehreren Metern Länge präzise Bretter sägt, automatischer Materialvorschub inklusive. Es handelt sich hier um eine Einfach-Gattersäge, erklärt Vereinsmitglied Jörg Thommen. Wie auch immer, die Funktionalität und Präzision der Anlage brachte die Besucher zum Staunen. Einen Stock höher wurde das Handwerk des Drechslers vorgeführt. Christian Fust, Drechslerlehrling im vierten Lehrjahr, zeigt sehr versiert, wie aus einem einfachen Stück Holz eine runde Säule mit verschiedenen Verzierungen entsteht. «Leider gibt es in unserem Beruf ein Nachwuchsproblem, nur zwei bis drei Lehrlinge pro Jahr erlernen diesen schönen Beruf», erklärt Fust. Dieser Mangel an Lernenden zeigt auch Folgen; Die jährlichen vier Mal zwei Wochen Berufsschule in Brienz muss der Lehrling vollumfänglich selber übernehmen, inklusive Beherbergung. Dennoch, die Liebe zum Handwerk ist in seinem Falle stärker.

Auch dieses Jahr bot der Thementag in der Drechslerei Kleintal ein besonderes Extra. Markus Zinniker, ein bekannter Goldwäscher aus Winter- thur, demonstrierte sein Können mit seinem Team am angrenzenden Fuchslochbach. Wer ihm genau zuhörte, verstand schnell die Faszination dieser Tätigkeit.

Ein Hauch Alaska

Ausgerüstet mit verschiedenen Goldwaschpfannen und Eimern und auch einem speziell in die Strömung eingearbeiteten Kanal vermittelte er die Kunst, mit der auch kleinste Goldkrümel gefunden werden können. Das dabei besonders Kinder in den Bann der Goldwäscherei gezogen wurden, war keine Überraschung. Mit der Geduld eines Kinderkrippenleiters verstand es der Fachmann, den Kleinsten die Arbeit zu erklären – und irgendwie fanden diese Kinder nach gründlicher Instruktion denn auch Spuren des so gesuchten gelben Metalls. Wie Zinniker das wohl geschafft hat?

Die Organisation liess keine Wünsche offen

Der «Verein zur Erhaltung der Drechslerei Kleintal» hat sich schon des Öfteren als perfekter Gastgeber gezeigt. Auch dieses Mal fehlte es den Besuchern an nichts. Regelmässiger Shuttle-Transport vom Bahnhof Steg ins Kleintal, gut organisierte und spannende Führungen und eine bemerkenswerte Gastwirtschaft sind nur einige der Faktoren, die einen Besuch hierher lohnenswert machen. Vereinspräsident Urs Birrer und Medienverantwortlicher Felix Stokar freuen sich: «Offensichtlich breitet sich unser Bekanntheitsgrad aus». Dennoch, auch dieser Verein würde sich sehr über Verstärkung freuen.