Seine Crèmeschnitten sind legendär 

Obwohl noch nicht so lange wohnhaft in der Gemeinde Schlatt, ist Chris Hirt vielen Bewohnern bekannt. Vor allem die Schlatter, die selber OL betreiben, kennen ihn. Doch sein Ruf als «Crèmeschnittema» hat sich noch mehr verbreitet, seit er jeweils für den Apéro nach der Gemeindeversammlung seine Crèmeschnitten spendet.

Wer steckt hinter den Süssigkeiten, die so viele Leute entzücken? Seine Liebe zum Backen liegt in seiner Herkunft. Chris Hirt ist im Seetal im Kanton Aargau aufgewachsen. Da seine Eltern eine Bäckerei führten, machte er eine Lehre als Bäcker-Konditor, war aber nur kurz in diesem Beruf tätig. Nach seiner Heirat suchte er ein besseres Auskommen, denn damals verdiente man mit Brot backen zu wenig, um eine Familie zu ernähren. So prägen mehrere Berufswechsel das Leben von Chris Hirt.

Die Arbeit in einer Spenglerei auf dem Flughafen führte ihn in die Region von Kloten. Als Bad- und Eismeister wirkte er beim EHC Kloten in einer Zeit, als Eishockeygrössen wie Felix Hollenstein und Roman Wick den Club prägten. Hirt wurde trotzdem nicht Fan dieser Sportart, weil er die finanziellen Auswüchse von Eishockey und Fussball daneben findet. Da lobt er sich die bescheidene Welt des Orientierungslaufens. Seine Erfüllung im Beruf fand er schliesslich im Transportwesen, zuerst auf dem Flughafen, dann im öffentlichen Verkehr als Buschauffeur und zuletzt als Lastwagenchauffeur bei der Firma Planzer, wo er zehn Jahre lang Luftfrachttransporte in der ganzen Schweiz ausführte. Nach seiner Pensionierung im Jahr 2011 liess er sich in Waltenstein in der Gemeinde Schlatt nieder, wo er noch heute in seiner Eigentumswohnung den Ruhestand geniesst.

Die Liebe zum Orientierungslauf

Jetzt hat er so richtig Zeit, sein allerliebstes Hobby, den Orientierungslauf (OL), auszuleben. Seit 40 Jahren ist er mit dieser Sportart verbunden. Er brachte es zwar nicht zum Spitzenläufer. Sein Name war eher in den hinteren Rängen anzutreffen. Aber für ihn war Mitmachen immer wichtiger als Gewinnen. Selbstkritisch meint er: «Wenn ich so kochen würde wie OL laufen, könnte man es nicht essen». Seine Spitzenleistungen erbringt er eben als Koch und als unermüdlicher Helfer bei lokalen, nationalen oder internationalen Anlässen. So begleitet er das Nachwuchskader ins Trainingslager, wo er für das leibliche Wohl sorgt und die Jungen tatkräftig unterstützt. Dieser idealistische Einsatz gibt ihm eine tiefe Befriedigung. Die Kontakte, die er im OL findet, sind vielfältig und nachhaltig. Es fasziniert ihn, wie nahe im OL Breite und Spitze, Jung und Alt zusammen sind: Alle bilden eine grosse Familie. Auch jetzt noch nimmt er regelmässig an OL-Veranstaltungen teil, sei es an Trainingsläufen seines Vereins, des OLG Welsikon, oder anderer Vereine. Seine Lieblingsdisziplin ist unterdessen der Stadt-OL geworden: «Da geraten einem keine Knebel zwischen die Beine».

Seine Süssigkeiten haben eine grosse Anziehungskraft. So wird gemunkelt, dass einige Teilnehmer an OL-Läufen nicht nur wegen des Wettkampfes, sondern wegen «der besten Crèmeschnitten der Welt» mitmachen. In seiner Küche in Waltenstein produziert Chris Hirt mit einfachen Mitteln dieses Gebäck. Es besticht durch die feine Crème und den speziellen Geschmack der Glasur, die er mit einer Schicht Aprikosenkonfitüre unterlegt. Das Besondere daran ist auch die Grösse, denn Chris Hirt weiss genau, dass die OL-Läufer viele Kalorien verbrauchen und zudem noch spezielle Schleckmäuler sind. Er produziert jeweils 150 bis 200 Crèmeschnitten für einen regionalen OL – für den Zürcher OL können es bis zu 350 Stück sein –  wobei er nur die Materialkosten berechnet.

Unterdessen können auch andere Leute von seiner Leidenschaft profitieren. So spendet Hirt regelmässig Crèmeschnitten für den Apéro, mit dem die Schlatter Gemeindebürger für ihren Besuch der Gemeindeversammlung belohnt werden. Aber auch beim Suppenzmittag, wenn er vom Männerteam der Projektgruppe Schlatt organisiert wird, sind seine Süssigkeiten sehr begehrt.

 

Fünf Fragen an Chris Hirt

Warum lieben und leben Sie Schlatt?

Bei der Suche nach einer Eigentumswohnung wurde ich in Waltenstein fündig. Mir gefällt die Ruhe und man ist schnell in der Natur. Zudem leben in der Gemeinde schon ein paar Leute, die ich vom OL her kenne. Schlatt ist eine kleine Gemeinde und überschaubar.

Wenn man auf die Leute zugeht, hat man schnell Kontakt und ist integriert. Besonders die Gemeindeversammlung mit dem anschliessenden Apéro bietet dazu eine gute Gelegenheit. Ich könnte mir vorstellen im Sommer in Skandinavien zu leben, wo der Orientierungslauf ein Volkssport ist. Im Winter wäre es mir aber im Norden zu dunkel.

Gibt es auch Dinge, die Ihnen nicht gefallen?

Was manchmal ein bisschen nervt, sind die Probleme mit der digitalen Kommunikation. Das Internet ist störungsanfällig und langsam, der Handyempfang ist je nach Standort schwach oder überhaupt nicht
möglich.

Welches ist das schönste Ereignis in Schlatt, das Ihnen in Erinnerung geblieben ist?

Gut in Erinnerung habe ich den Nationalen OL, der im Frühling 2016 in Schlatt durchgeführt wurde. Ich war als Helfer dabei. Alles klappte bestens und dank Wetterglück kam es zu einem richtigen Fest vor dem Primarschulhaus.

Welches ist für Sie der schönste Ort in Schlatt?

Der Schauenberg mit seiner Superaussicht, gehört aber leider nicht zu Schlatt und hat als Gebiet von Hof-stetten soeben zu Elgg fusioniert.

Was wünschen Sie sich für Schlatt in der Zukunft?

Schlatt wird wahrscheinlich nicht darum herumkommen, sich mit anderen Gemeinden zusammenzutun. Darum wäre eine vernünftige Fusion in Richtung Grossgemeinde Eulachtal wünschenswert.