Science Fiction von gestern – die Realität von morgen.

Vor einiger Zeit sah ich im Netz ein Video von einem Roboter, welcher mit unglaublich faszinierender Leichtigkeit aus dem Stand einen Rückwärts-Salto hinlegte und auf hohe Podeste sprang. So beeindruckend die Leistung dieses Geschöpfes auch war, lief mir ein kalter Schauer über den Rücken. Mein erster Gedanke bei diesen Bildern galt dem Film Terminator! Ein Science Fiction Streifen aus den 90er-Jahren, in dem Künstliche Intelligenz (KI), welche ursprünglich dazu erschaffen wurde, um dem Menschen zu dienen, beginnt, die Kontrolle zu übernehmen und so Krieg gegen ihre Schöpfer führt.

Nun hat Boston Dynamics – die Firma gehörte einst Google – es tatsächlich geschafft, einen humanoiden Roboter zu erschaffen, der Saltos schlagen kann. Sehr intelligent wird dieser zwar noch nicht sein, aber weit davon entfernt ist er wohl nicht mehr, und dynamisch hat er bereits mehr drauf als so mancher Freizeitsportler.

Nun kann man sich fragen, wohin das Ganze führen wird und wozu genau solche Roboter überhaupt erschaffen werden: Zur Forschung, als Alltagshilfen oder gar doch als Kriegsmaschinen? Und wann fangen Computerprogramme an, unser Verhalten und das Menschsein zu beeinflussen? Sie tun es bereits!

Wir hören einen Begriff oder erhalten eine Information und wissen nicht, was wir damit anfangen sollen. Was tun wir also? Die Zeit, in der wir unsere Eltern, die Oma oder unsere Freunde fragen, ist längst vorbei. Wir fragen diskret das Netz – wir googeln. Google ist, wie die meisten unserer Zeit wissen, eine der grössten Suchmaschinen, gefüttert mit Daten und Informationen aus der ganzen Welt. Ein riesiges Lexikon und Archiv. Sogar mein Arzt fragt, wenn ich wegen eines Problems zu ihm komme: «Haben Sie es schon gegoogelt Frau Kägi?» Natürlich!

Google sammelt fortlaufend Informationen, so auch von uns, zum Beispiel, wonach wir suchen oder wohin wir uns bewegen und ist an der Entwicklung von KI massgebend beteiligt. Ich selbst bin bekennende «Googlerin» und «Facebookerin» der ersten Stunde, aber mittlerweile gibt es ja bereits einiges mehr in diesem Bereich, wie beispielsweise «Siri» oder «Alexa», mit denen man auch akustisch kommunizieren und denen man auch einfache Befehle erteilen kann.

Noch sind sie in den Kinderschuhen, aber es sind bereits lernfähige Computerprogramme, die Teil des Alltags sind, die man um Rat fragen kann, die wissen wo ich mich befinde oder sogar zu wissen glauben, wo ich hin möchte. Zum Glück kann das Handy unsere Gedanken noch nicht lesen, aber auch dafür gibt es bereits Technologien in den Forschungszentren, die das können.

Es wird nicht mehr lange dauern, da wird KI auch in Form von Haustieren, Butlern oder Familienmitgliedern Einzug in unser Leben halten. Wir werden mit ihnen Gespräche führen und ihnen unsere Sorgen mitteilen. Wir können sie herumkommandieren, brauchen weder Bitte noch Danke zu sagen, noch müssen wir auf unseren Tonfall achten. Wenn wir sie nicht brauchen, stellen wir sie einfach auf Standby. Sie werden weder beleidigt noch enttäuscht sein, denn sie haben keine Gefühle, welche verletzt werden können.

Immer mehr, vor allem junge Menschen, geben sich nicht mehr direkt mit ihresgleichen ab, sondern tauchen, sobald sie zuhause sind, in die virtuelle Welt ein. Statt ihre Freunde für einen Drink an der Bar zu treffen, chatten sie auf sozialen Plattformen mit Wildfremden und teilen belanglose Dinge mit der ganzen Welt, um Anerkennung zu bekommen. Sie kommunizieren via Kurzmitteilungen, fügen in ihren Texten Emojis ein, um Emotionen auszudrücken. Möchten sie unbequemen Diskussionen ausweichen, gehen sie einfach offline. Nervige Follower werden einfach entsorgt. Würden wir im direkten Umgang, so mit unseren Freunden verfahren, käme dies als respektlos und unhöflich an.

Verlieren wir gar allmählich Empathie und Anstand, weil wir uns isolieren und uns der direkte Umgang mit Menschen immer mehr abhandenkommt? Fakt ist, die Digitalisierung verändert bereits jetzt unser soziales Verhalten, unsere Umgangsformen und unser Denken. Inwieweit müssen wir überhaupt noch selber denken? Wir verlassen uns auf das GPS, statt nach dem Weg zu fragen, wir sind abhängig von unseren Terminplanern und Erinnerungs-Apps, um an die Geburtstage unserer Freunde zu denken, um ihnen dann einen netten Geburtstagsspruch oder ein Bildchen zu senden. Postkarten aus den Ferien senden wir keine mehr, wir schicken Fotos über WhatsApp und unser Handy wird zum Speicher unserer Erinnerungen. Und mal ehrlich, welcher Handynutzer kennt noch seine wichtigsten Telefonnummern auswendig?

Was tun nun Google und Co., also die KI, während unser eigenes menschliches Denken immer mehr zu schrumpfen scheint? Sie wachsen. Sie lernen von uns und kopieren uns, aber wieviel wollen wir, dass diese Programme von uns wissen und wieviel Platz sollen sie unserem Leben einnehmen dürfen? Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis KI, eines Tages mit den turnenden Robotern kombiniert wird und der Mensch, die Maschine als eine neue intelligente und sich selber weiterentwickelnde Spezies entstehen lässt. Ich hoffe wir ziehen den Stecker noch vorher.