Schweizerische Vielfalt und ebensolche Differenzen 

Carlos Henriquez ist 50 Prozent Entlebucher aus Escholzmatt, 50 Prozent Welscher und 50 Prozent Spanier (Foto: zVg)

«Ich bi nüt vo hie» bekennt Carlos Henriquez und unterhält sein Publikum mit seinem «Gschpüri» für die Unterschiede zwischen «les Romands» und «de Dütschschwiizer». In Wila folgte am letzten Samstag das Publikum aufmerksam seinen witzigen und charmanten Gedankengängen.

Carlos Henriquez ist 50 Prozent Entlebucher aus Escholzmatt, 50 Prozent Welscher und 50 Prozent Spanier, also ein 150-prozentiger Mensch. Das beweist er auch mit Hilfe seiner ID und zwei Pässen. Seine Sprache – oder sollte man eher sagen Dialekt – wechselt zwischen Französisch und Schweizerdeutsch. Dass dies nicht nur ein Sprachproblem ist, sondern ein grosses Mentalitätsproblem, beweist er mit seinem Programm. Vorurteile hüben wie drüben des «Röschtigrabens» oder der Barrière de rösti. Das beginnt schon bei diesem Ausdruck: die Deutschschweizer graben, les Welsches klettern. Überhaupt scheint es im Westen lockerer zuzugehen als im anderen Teil.

Vorurteile und Unterschiede

Und les Romands hassen die Dütschschwiizer. Sagt Henriquez immer wieder. Weil diese so arbeitsam, so perfekt sind, und weil sie immer anders abstimmen. Er habe seinen Freunden beispielsweise nicht sagen dürfen, dass er nach Wila gehe, sie würden ihn in Frankreich wähnen. Obwohl – wie er am Schluss des Programms feststellte – die Wilemer ganz nett seien und er sich wohl gefühlt habe.

Ganz trocken und ohne Unterlass plaudert es aus Carlos, alles was ihm so an Unterschieden und Vorurteilen in den Sinn kommt. Etwa, dass die Welschen nicht nach Schaffhausen gehen, weil sie nicht gerne schaffen. Oder dass Zahlen im Deutsch komplizierter sind – dreiundzwanzig statt vingt-trois – ebenso wie die Zeit halb drei Uhr statt deux heures et demi, was einfacher ist. Deshalb seien auch die Uhrenfabriken im Welschland. Oder dass in der Westschweiz alles weniger brav ist, dass weniger Hochzeiten stattfinden, dafür problemlos Alimente bezahlt werden. Oder dass der Kanton Bern nicht so gross sei, man habe nur das Gefühl, weil der Weg weiter scheine, weil alles so langsam ist.

Charmant und witzig

Henriquez arbeitet fast ohne Requisiten, nur mit seinem Sprachwitz. Allerdings dürfen eine Flasche Weisswein und ein Glas nicht fehlen. Denn ohne dieses wunderbare Getränk gehe ennet dem Röschtigraben gar nichts. Und da die Deutschschweizer weniger trinken als die Welschen, sei es auch ungerecht, dass die gleichen Gesetze gelten. Und er schlägt vor, dass die Deutschschweizer die 0,1 Promillegrenze für Alkohol beim Fahren behalten und die restlichen 0,4 Promille an die Romands abgeben. Mit solchen Vorschlägen, witzigen Sprachanalysen, charmantem Rumreiten auf den unterschiedlichen Denk- und Handlungsweisen zwingt er seine Zuhörerinnen und Zuhörer zum Schmunzeln. Und mancher Lacher kommt aus dem Verständnis, dass man sich selber bei seiner eigenen Voreingenommenheit ertappt. Als zweisprachig in Biel aufgewachsener, entlebucherisch geprägter Romand ist Carlos Henriquez prädestiniert dazu, sich selbst, den Welschen und den Deutschschweizern den Spiegel vorzuhalten. Es war grosse «amusement le soir».