Schulfusion knapp gescheitert

Bruno Pfenninger übergibt den Mitgliedern der Steuergruppe nach dem Nein am Sonntag ein Präsent für ihre geleistete Arbeit (Foto: hug)

Die Fusion der Schulen Wila, Wildberg und Turbenthal ist gescheitert. Den Ausschlag gab ein knappes Nein der Primarschule Wildberg. Besonders deutlich lehnte Schalchen die Fusion ab.

22 Nein-Stimmen brachten die Schulfusion zum Scheitern. Mit 247 Ja- zu 269 Nein-Stimmen lehnte die Primarschulgemeinde Wildberg als einzige der fünf Schulgemeinden die Fusion ab (siehe Tabelle). Und dies bei einer extrem hohen Stimmbeteiligung von rund 73 Prozent. Die anderen vier Schulgemeinden stimmten alle zu, mit Ja-Stimmen-Anteilen zwischen 58 und 74 Prozent. Für einen Zusammenschluss hätten aber alle fünf Schulgemeinden zustimmen müssen.

In Wila setzte sich das Nein nicht durch, trotz entsprechender Empfehlung des Gemeinderates. Felix Adelmeyer, Präsident der Sekundarschule Wila und Mitglied der Steuergruppe, ist «enttäuscht» über das Scheitern der Fusion, aber auch erfreut, dass die Wilemer letztlich hinter den beiden Schulpflegen standen.

Schalchen sagte deutlich Nein

Schalchen hat die Fusion deutlich abgelehnt. Und damit das Zünglein an der Waage gespielt bei der Ablehnung durch die Primarschulgemeinde Wildberg. Zu diesem Schluss kommt, wer die Abstimmungsprotokolle der Oberstufenschulgemeinden anschaut, wo einerseits Schalchen als Teil der Oberstufe Wila und andererseits Wildberg zusammen mit Ehrikon als Teile der Oberstufe Turbenthal-Wildberg separat ausgewiesen sind. Und diese Resultate dann auf die Primarschule überträgt. So hat Schalchen die Fusion als Teil der Oberstufe Wila mit 32 Ja- zu 72 Nein-Stimmen deutlich abgelehnt. Während Wildberg und Ehrikon als Teil der Oberstufe Turbenthal-Wildberg der Fusion mit 217 Ja- zu 192 Nein-Stimmen knapp zugestimmt haben. Bei dem Nein aus Schalchen dürfte das Schulhaus eine wesentliche Rolle gespielt haben. Die Schalchemer wollten an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung Ende September, dass das Schulhaus möglichst bald von der Primarschulgemeinde an die Politische Gemeinde zum Preis von null Franken übertragen wird, damit seine Zukunft als Dorftreffpunkt gesichert bleibt. Der entsprechende Vorstoss scheiterte an der Versammlung jedoch knapp.

In Wildberg setzte sich der Gemeinderat zudem früher und vehementer für die Ablehnung der Fusion ein, als der Gemeinderat Wila. Der Wildberger Gemeinderat gab auch bekannt, was ihm vorschwebt: eine Einheitsgemeinde. In der heissen Phase des Abstimmungskampfes verschickte er zudem einen Abstimmungsflyer in die Haushalte, wo er die Vor- und Nachteile einer Fusion und einer Einheitsgemeinde aufzählte. Mit dem Resultat, dass eine Einheitsgemeinde vorteilhafter wäre. Dies sorgte für einigen Unmut. Vittorio Jenni, Abteilungsleiter im Gemeindeamt, äussert sich danach im «Landboten», ohne konkret auf den Fall Wildberg einzugehen, dass es grundsätzlich rechtlich heikel sei, wenn eine Behörde in einen Abstimmungsprozess einer anderen Behörde eingreift. «Eine Einmischung ist nicht unproblematisch und höchstens in Ausnahmefällen zulässig, etwa bei ganz besonderer Betroffenheit», so Jenni weiter.

«Schon morgen wieder geeint»

Wie es nun genau weitergeht, konnte am Apéro der Steuergruppe, der am Sonntag nach der Abstimmung stattfand, noch niemand beantworten. Die Steuergruppe will in einem nächsten Schritt die Abstimmungsresultate analysieren. Dölf Conrad, Gemeindepräsident von Wildberg, hielt fest, dass eine Einheitsgemeinde eine der möglichen Optionen für die Zukunft sei. «Wir werden das gemeinsam mit der Schule anschauen», sagte er. Zwar ist er zufrieden, dass die Schulfusion vom Tisch ist, aber richtig freuen mochte er sich nicht. «Wir werden nun der Sündenbock sein, weil wir als einzige Nein gesagt haben. Besser wäre es gewesen, wenn mehrere Gemeinden die Fusion abgelehnt hätten.» Dass Wildberg (angesichts des knappen Resultates) gespalten ist, will er nicht gelten lassen. «Schon morgen sind wir wieder geeint.»

Hans-Peter Meier, Gemeindepräsident von Wila, zeigte sich nach dem Nein gelassen. «Es wird sich eine neue Lösung finden.» Welche Varianten der Gemeinderat Wila für die Zukunft der Schule bevorzugt, wollte er am Sonntag noch nicht bekannt geben. Heute findet jedoch ein Treffen mit den Wilemer Schulen statt. Dabei gehe es aber nicht um die Zukunftsvarianten der Schule, sondern hauptsächlich um die Änderung der Gemeindeordnung im Hinblick auf das neue Gemeindegesetz, so Meier.

Klar ist, dass bis Ende 2022 die vom Gemeindegesetz vorgeschriebene Grenzbereinigung umgesetzt werden muss, damit die komplizierten Strukturen bereinigt und die innerhalb der Gemeinden Turbenthal und Wila unterschiedlichen Steuerfüsse eliminiert werden können. Für Felix Adelmeyer ist klar, dass für die Sekundarschule Wila, als eine der kleinsten im Kanton, der Handlungsbedarf für eine Zusammenarbeit über die neuen Grenzen hinweg, bestehen bleibt. Ebenso klar ist, dass die Schulpflegen keine grosse Freude an Einheitsgemeinden hätten. Befürchtet wird, dass auf Kosten der Schule gespart wird. «Die Finanzen für die Schulen Wila werden jetzt enger», ist Adelmeyer überzeugt.

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Rolf Hug
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