Schüler behaupten sich in der Arbeitswelt 

Daniela Reich (Mitte links) und Béatrice Müller (Mitte rechts) mit den Projektteilnehmern im Modulkurs (Foto: sv)

Das Jugendprojekt Lift soll Schülern den Übergang ins Berufsleben erleichtern. In Bauma machen die Jugendlichen sehr gute Erfahrungen damit, das Fazit der Projektleiterinnen ist ebenfalls positiv.

Lift ist ein Integrations- und Präventionsprogramm für Jugendliche mit erschwerter Ausgangslage im Hinblick auf den Berufseinstieg («Der Tößthaler» vom 17.3.2017). Mit Hilfe dieses Projekts sammeln Jugendliche erste wertvolle und motivierende Erfahrungen in einem Gewerbebetrieb. In der Sekundarschule Bauma läuft das Projekt seit Oktober letzten Jahres unter der Leitung von Schulsozialarbeiterin Daniela Reich und Heilpä-dagogin Béatrice Müller. Die Erfahrungen sind seither stets positiv gewesen.

Die Idee des Programms ist, dass die Schüler drei Monate lang jeden Mittwochnachmittag zwei bis drei Stunden in einem Betrieb arbeiten. Für ihre Arbeit werden sie mit fünf bis acht Franken pro Stunde entlohnt. Jeweils Dienstagnachmittag treffen sich die Schüler mit ihren Leiterinnen zum Modulkurs, um ihre Erfahrungen auszutauschen. Nach drei Monaten gibt es einen Wechsel, und die Schüler tauschen ihren Arbeitsplatz. Zurzeit nehmen sechs Schüler der zweiten Sekundarstufe am Lift-Projekt in Bauma teil.

Gute Leistung der Jugendlichen überzeugt Arbeitgeber

Das Feedback der Betriebe sei durchgehend positiv, meint Müller. «Es war aber nicht einfach, die Firmen von Lift zu überzeugen», fügt Daniela Reich hinzu. Viele Betriebsleiter seien dem Projekt gegenüber skeptisch gewesen, und sie musste viel Überredungsarbeit leisten. Auch waren viele unter der falschen Annahme, dass die Arbeitseinsätze als eine Art Bestrafung der Schüler aufzufassen seien. Dies ist jedoch nicht der Fall, das Projekt soll die Schüler unterstützen. Die Jugendlichen leisten gute Arbeit in den Betrieben, was dazu beiträgt, dass immer mehr Unternehmen das Projekt begrüssen.

Ein gutes Beispiel sind die Schüler Lars Hugentobler und Luli Beadini. Beide arbeiten in der Detailhandelsbranche, Lars im Coop Bäretswil und Luli im Volg Bauma. Dort übernehmen sie Aufgaben wie Einräumen, Datum- und Temperaturkontrolle und Bedienung der Kasse. Aufgrund ihrer guten Erfahrungen wollen beide später einmal eine Lehre im Detailhandel machen. Luli ist derart begeistert von der Arbeit, dass er auch in seinen Ferien im Volg arbeitet. Aufgrund seiner guten Leistung wurde ihm sogar ein Lehrstellenplatz angeboten.

Ein erster Eindruck von der Arbeitswelt 

Lulis Erfolg ist zwar sehr erfreulich, das Ziel von Lift sei aber grundsätzlich nicht, eine Lehrstelle zu finden, betonen Reich und Müller. Bei dem Projekt gehe es vor allem darum, in Kontakt mit der Berufswelt zu kommen. Das soll aber nicht heissen, dass die Schüler in dem jeweiligen Betrieb ihre Lehre absolvieren werden. Luca Jud zum Beispiel hatte Konditor auf seiner Liste von Traumberufen. Er ist in der Bäckerei Voland in Steg tätig. Obwohl ihm der Wochenarbeitsplatz gefällt, ist ihm klargeworden, dass er sich doch noch weiter orientieren und andere Berufe kennenlernen möchte.

Die Schüler erhalten nach jedem Einsatz eine Beurteilung, die sie ihren Bewerbungen beilegen können. Justin Castellini schätzt diesen Vorteil, den man bei einer positiven Beurteilung bei der späteren Lehrstellensuche hat. Justin wäre bei Peter Thalmann Sanitär in Bauma eingestellt, kann aber aufgrund einer Sportverletzung den Wocheneinsatz nicht absolvieren. Er arbeitet aber gerne, nicht zuletzt, weil er damit Geld verdient.

Schüler werden in Betriebsteam integriert

Für Béatrice Müller und Daniela Reich sind die Erfolge des Projekts unbestreitbar. Die Einsätze in den Betrieben würden sich direkt auf die schulische Leistung der Jugendlichen auswirken. Sie seien viel reifer und selbstbewusster geworden, meint Müller. Dies bestätigen auch die Schüler. «Die Leute sind sehr nett und man sieht, dass man einen Platz in der Arbeitswelt hat», freut sich Dustin Gujer. Er arbeitet bei der Andreas Sudler Tiefenbachmechanik GmbH in Bauma. Dort verrichtet er Bohrarbeiten, was ihm viel Geschicklichkeit und Ausdauer abverlangt.

Levin Lüke sieht auch viele Vorteile am Arbeitseinsatz. Er ist bei der Reinhold Frei Aluminiumgiesserei in Saland tätig. Dort erledigt er verschiedene Aufgaben wie Schleifen, Abkanten oder das Lager putzen. Für ihn bietet das Arbeiten in einem Betrieb die Chance, sich selbst ein Bild von der Arbeitswelt zu machen. Oft höre man negative Aussagen über den Berufsalltag. Durch Lift könne man sich selbst einen Eindruck verschaffen und diese Vorurteile aus dem Weg räumen.

Mehr Selbstbewusstsein durch Akzeptanz

Schüler wie Projektleiterinnen sind sich einig; Lift birgt viele positive Aspekte. Zum einen ist das Programm eine willkommene Abwechslung vom Schulalltag. «Viele Jugendliche können im regulären Unterricht nicht ihr volles Potenzial ausschöpfen», meint Daniela Reich. Die Wochenarbeitseinsätze bieten ihnen die Möglichkeit, sich von einer anderen Seite zu zeigen. Zum anderen lernen die Jugendlichen Berufe kennen, die sie vorher nie in Erwägung gezogen hätten.

Das Wertvollste, das die Schüler in den Betrieben erfahren, ist Akzeptanz. Sie werden ins Team integriert, als Erwachsene wahrgenommen und respektiert. Dass sie durch die Arbeit weniger Freizeit haben, nehmen die Jugendlichen gern in Kauf. Sie würden Lift definitiv weiterempfehlen und überzeugen bereits ihre Freunde von dem Projekt.