Schön sein oder sei schön!

 

«Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet. Je mehr jemand die Welt liebt, desto schöner wird er sie finden.» – Christian Morgenstern

Kürzlich war ich mit einer Freundin im Kino um den Film «I Feel Pretty» zu sehen. Eine junge, nicht dem Schönheitsideal entsprechende Frau, fühlt sich nach einem Schlag auf den Kopf wunderschön. So gelingt ihr alles, was sie will – bis sie merkt, dass sie die ganze Zeit aussah, wie immer… Etwas mollig, mit einem Doppelkinn, Cellulitis und allem, was halt so dazugehört.

Also so, wie wir alle. Oder zumindest die meisten von uns.

Es hat mir gezeigt, dass man ausstrahlt, was man von sich selber denkt. Dass man alles erreichen kann, wenn man selbstbewusst durchs Leben geht und dass Schönheit nichts mit schön sein im eigentlichen Sinne zu tun hat. Die Frau im Film war trotz all ihrer Makel einfach wunderschön. Schön in ihrer Art, mit ihrem Wesen.

Was ist denn überhaupt schön? Wann ist jemand schön? Muss man denn überhaupt in dem Sinne schön sein, wie es uns die Zeitschriften vorgaukeln? Muss man streichholzdünne Beinchen und Ärmchen haben, um schön zu sein? Faltenfrei sein und gross? Ein «Knackfüdli» haben und sowieso 90-60-90 gebaut sein? Oder ist man schön, wenn man ist, wie man eben ist? Macht nicht genau das das Schönsein aus?

Ich glaube, dass Schönheit unabhängig von Äusserlichkeiten ist. Nicht nur, weil mir das grad recht kommt und ich meine grauen Haare und den gutgemeinten Körperbau so nicht schönreden muss. Für mich ist Schönheit relativ und – vor allem – von den inneren und nicht den
äusseren Werten abhängig.

Das sagt sich so einfach. Aber glauben wir das auch über uns selber oder reden wir nur so über andere und sind uns selbst gegenüber viel kritischer als wir es sein müssten? Achten wir bei uns nicht viel zu sehr auf das Äussere und vergessen dabei die Wichtigkeit des Innern? Was ich mich doch schon geschämt habe, mich in der Badi zu zeigen… Dabei bin das doch ich! Die Frau, die vierzig Jahre auf dem Buckel hat, zwei wunderbare Kinder geboren hat und vielleicht an der ein oder anderen Körperstelle vom Leben gezeichnet ist. Die Lachfalten um meine Augen wirken nur alt, wenn ich es so sehen will. Dabei sind sie doch eigentlich schön, weil sie zeigen, dass ich «cheibä gern» lache, und gerne fröhlich bin. Soll es dort doch faltig sein. Oder der Speck um die Rippli. Ja und? Macht der uns zu unschönen Menschen? Ich bin mir sicher, dass die meisten Menschen solche Makel an uns gar nicht wahrnehmen. Ich selber schaue bei anderen ja auch nicht voller Freude auf den Speck, der mehr ist als meiner. Mir ist bei anderen egal wie sie aussehen. Ich achte mich nicht auf die Äusserlichkeiten. Wenn ich jemanden mag, dann mag ich ihn, weil er ist, wie er ist. Egal, wie er oder sie aussieht. Für mich ist jemand schön, wenn er Liebe ausstrahlt, zufrieden ist und das Leben feiert.

Manchmal ärgere ich mich über mich selbst. Ich kritisiere mich, wo ich nur kann und Komplimente lehne ich dankend ab. «Stimmt ja sowieso nicht» – denke ich dann. Danke, meine innere Kritikerin, danke! Da hapert es dann ganz schön mit dem Selbstvertrauen. Irgendetwas Unpassendes an mir finde ich immer, wenn ich will. So kann man sich ganz schön selber stressen. Weil, Fakt ist doch, dass wir selber nicht beurteilen können, wie wir auf andere wirken, was andere schön finden und von uns denken. Wir sehen uns nicht, wie andere uns sehen.

Fakt ist aber auch, dass wir das ausstrahlen, was wir von uns selber denken. Ein gutes Gefühl strahlt Freude aus und wirkt schön, auch wenn die Haare verhuddelt sind und die Hosen Rümpfe haben. Stehen wir aber schon mürrisch vor dem Spiegel und ärgern uns über das ein oder andere Detail, laufen wir mit einem Stein durch die Gegend und wirken unsympathisch oder einfach hässig. Dass wir dann nicht unbedingt als schön betrachtet werden, leuchtet ein und zeigt nur, dass wir selber entscheiden, wie schön wir sind.

Ich empfinde es als eine unglaubliche Herausforderung, mit mir selber zufrieden zu sein. Innerlich habe ich schon ein gewisses Mass an Frieden mit mir gefunden. Äusserlich hapert es noch an so einigen Stellen, nicht nur wegen den Pölsterchen. Auf meinen Schultern sitzen dann das Engelchen und das Teufelchen, die mir abwechslungsweise zuflüstern, es sei egal, wie ich aussehe, oder eben doch nicht. Bei anderen fällt es uns viel leichter, die Vorzüge zu sehen. Und auch da… Die sind definitiv nicht vom optischen Eindruck abhängig.

Schönheit kommt von Innen. Da bin ich mir sicher. Für das Äussere können wir herzlich wenig, da ist so einiges gegeben und nicht einfach so zu verändern. Und es ist auch wirklich egal! Weil wir doch sowieso schön sind. Nicht für die ganze Welt, aber für irgendjemanden. Und irgendwann hoffentlich für uns selbst.

Vielleicht bräuchten auch wir alle, die nicht immer gut über uns selber denken, mal einen Schlag auf den Kopf, wie die Frau aus dem Film, der uns endlich glauben lässt, wie schön wir sind. Mit allen Ecken und Kanten, allen Makeln und Falten. Einfach weil wir sind, wie wir eben sind.