Schellen-Ursli-Keramikfirma neu in Rikemer Hand

Guter Dinge für die Zukunft (von links): Dorothee Auwärter, Verwaltungsratspräsidentin der Kuhn Rikon AG, CEO Tobias Gerfin und Bruno und Ariane Kuster; hier bei der Vertragsunterzeichnung (Foto: Kuhn Rikon AG)

Kuhn Rikon übernimmt Mitte August die traditionsreiche Rheinfelder Keramik, die insbesondere für ihr Geschirr mit Carigiet-Motiven wie dem Schellen-Ursli bekannt ist. Ziel in Rikon ist, die Stückzahlen zu erhöhen und zu exportieren.

In Rheinfelden geht eine Ära zu Ende und in Rikon fängt vielleicht eine neue an. 40 Jahre war die Rheinfelder Keramik in den Händen der Familie Kuster. Per 18. August ändert dies. Neu gehört die Marke der Kuhn Rikon AG. Die Verträge wurden kürzlich unterzeichnet. Bekannt ist die Rheinfelder Manufaktur insbesondere für ihre Teller, Caquelons und Tassen mit Motiven des Künstlers Alois Carigiet, der unter anderem den Schellen-Ursli, aber auch Flurina gezeichnet hat.

Beide Seiten zufrieden

Sowohl im Tösstal als auch in Rheinfelden ist man überzeugt, einen guten Handel abgeschlossen zu haben: «Wir freuen uns sehr, dass wir die Rheinfelder Keramik für uns gewinnen konnten. Die Marke birgt ein grosses Potenzial und gehört zu einer der letzten Manufakturen in der Schweiz, die das traditionelle Keramikhandwerk pflegen», sagt Tobias Gerfin, Geschäftsführer der Kuhn Rikon AG. Ähnlich tönt es von Bruno Kuster, der die Rheinfelder Keramik mit seiner Frau geführt hat: Kuhn Rikon sei «das Beste, was uns passieren konnte, um die Zukunft der Firma zu sichern», wird er in einer Mitteilung der Kuhn Rikon zitiert. Kuster plante aus gesundheitlichen Gründen schon seit rund zwei Jahren, das Unternehmen in neue Hände zu geben. Da sich keine familieninterne Lösung ergab, schaute er sich nach externen Interessenten um.

Standort könnte ändern

Schliesslich wurde er in der Kuhn Rikon fündig. Es hätte zwar lukrativere Angebote gegeben, erklärte Kuster gegenüber der «Neue Fricktaler Zeitung». Dabei wäre aber die Produktion ins Ausland verlagert worden. Das wollte er nicht. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Kuster steht dem Tösstaler Kochgeschirrhersteller noch rund 18 Monate als Berater zur Verfügung und vorerst bleibt das Meiste beim Alten. Kuhn Rikon will den Standort und die Produktion in Rheinfelden mit den rund zehn Mitarbeitern erhalten, ausserdem die verlängerte Werkbank in der Slowakei mit den rund zehn Mitarbeitern. Entlassungen sind keine geplant.

Einzig könnte der Produktionsstandort in Rheinfelden mittelfristig in Frage stehen. Das Land, auf dem das Firmengebäude steht, gehört der «International School Rheinfelden». Es wäre möglich, dass die Schule die Parzelle dereinst selber benötigt. «Wir rechnen mittelfristig damit», sagt Gerfin. Die Produktion soll in diesem Fall möglichst in der Region um Rheinfelden weitergeführt werden. Eine Verlagerung nach Rikon kommt nicht in Frage. «Einerseits ist Keramik nicht unser Business in Rikon, andererseits wollen wir die heutigen Mitarbeiter in Rheinfelden behalten. Diese verfügen über ein grosses Know-how», erklärt er.

Bald in China?

Eine Neuerung gibt es aber. Hat die Rheinfelder Keramik bislang nur für den heimischen Markt produziert, ist mit dem neuen Besitzer ein Export in weitere Länder geplant. Tobias Gerfin ist überzeugt: «Diese einzigartige Art von Kunsthandwerk kommt nicht nur in der Schweiz gut an.» Zuerst wird versucht, in Deutschland und Österreich Tritt zu fassen. Bei der Erschliessung neuer Märkte kann die Kuhn Rikon aber nicht Schalten und Walten wie sie will. Der Neueintritt sei jeweils mit den Erben Carigiets abzusprechen, die über sein künstlerisches Schaffen wachen, so der Geschäftsführer weiter. Hierbei gehe es nicht um inhaltliche Kontrolle, vielmehr um ein gebündeltes Auftreten der Marke.

Für Gerfin ist durchaus vorstellbar, dereinst in grossen Einkaufszentren in China Caquelons, Tassen und Teller mit Schellen-Ursli-Motiven zu verkaufen. Und dass dem nichts im Weg stehen würde. Mit diesem Schritt würde sicherlich ein weiteres Ziel von Kuhn Rikon erreicht: die Erhöhung der Stückzahlen. «Bereits heute ist der Verkauf von Geschirr mit Carigiet-Motiven aber profitabel und die Rheinfelder Keramik nicht defizitär», sagt er. Und ergänzt: «Zuerst gilt es nun die Qualität der Produkte zu halten und die Übernahme möglichst sanft zu gestalten.»

Rolf Hug
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