Schafe, Hunde und der Purzelbär

Der Znüni darf auch bei der Spielgruppe Purzelwurzel nicht fehlen (Foto: mhi)

Seit 2012 ist in der Schwendi oberhalb von Rikon die Spielgruppe Purzelwurzel zu Hause. Jeden Mittwoch sind Kinder, Hunde und Gruppenleiterinnen im Wald, auf dem Bauernhof und den Weiden unterwegs auf der Suche nach Abenteuern.

Mittwochmorgen, halb neun. Recht kalt ist es heute, der Himmel ist grau. Nach und nach trudeln zahlreiche Kinder mit ihren Müttern in der Schwendi ein. Cayan Biberstein, Naturpädagogin, Werklehrerin und selbst Mutter von zwei Kindern begrüsst zusammen mit der ausgebildeten Spielgruppenleiterin Rosangela Ruckstuhl Zanini die Ankommenden.

Die Gruppe startet den Morgen mit einem Ritual. Zunächst wird, noch zusammen mit den Müttern, gemeinsam gesungen. Anschliessend geht es in den Stall – die Schafe von Cayan Biberstein haben Lämmer bekommen und die Kinder freuen sich auf den Besuch. Dass die Mamis gegangen sind wird kaum beachtet, zu aufregend ist das bevorstehende Programm.

Wichtig ist freies Spiel

Schwendi liegt oberhalb von Rikon, an der Strasse nach Dettenried/Weisslingen. 14 Plätze hat die Naturspielgruppe Purzelwurzel zu vergeben, in der Regel sind diese alle Jahre wieder schnell besetzt. Die Gruppe wird immer von zwei Leitungspersonen betreut; zum Team gehört auch noch Helena Zullinger aus Neschwil, die heute nicht anwesend ist. Ausserdem mit von der Partie sind die beiden Hütehunde von Cayan Biberstein, zwei Border Collies, ausgesprochen kinderliebe Tiere. Auch Rosangela Ruckstuhl Zanini hat ihren Berner Sennenhund mitgebracht. Die Kinder kennen und mögen die Tiere.

Die beiden Leiterinnen haben in den drei Stunden von halb neun bis halb zwölf alle Hände voll zu tun: «Gschichtli» erzählen, gemeinsam singen, kochen, tanzen, basteln. Nebenbei müssen auch einmal Tränen getrocknet und Mützen aufgesetzt werden, werden Hände gewärmt und Handschuhe wieder angezogen. Das Gelände ist weitläufig, im Zentrum stehen Grillstelle und Jurte, wobei diese eigentlich nur als Lagerplatz für allerlei Material dient. Ausserdem verteilen sich verschiedene Sitzkreise – der Inselkreis, in dem sich heute alle sammeln heisst so, weil links und rechts kleine Bächlein vorbeifliessen. Dann gibt es noch die sogenannte Baumstamm-Brücke oder die Schlotterschlucht. Im Adlernest, einem weiteren Sitzkreis, schläft für gewöhnlich der «Pilz-Dötz», er bringt zusammen mit Anna-Mey – einer Filzpuppe, die symbolisch für den Jahreslauf zuständig ist – den Kindern in Geschichten die Natur und die Jahreszeiten näher. Diese hat auch heute einen Auftritt, von ihr erfahren die Kinder warum die Ostereier bunt sind.

Ansonsten sind die Kleinen viel miteinander und sich selbst beschäftigt: Den Hang hochklettern und wieder herunterrutschen, Tannenzapfen sammeln, über die kleinen Stege balancieren, mit den Hunden spielen. Die beiden Hütehunde wirken beinahe, als würden sie darauf achten, dass keiner der Zwerge verloren geht. Auch die Leiterinnen haben alle im Blick, zwischendurch wird zur Sicherheit schnell abgezählt. «Mir ist sehr wichtig, dass die Kinder genug Zeit haben, frei zu spielen und den Wald zu entdecken. Wir geben hauptsächlich kleine Anregungen», so Cayan Biberstein. «Wir sind nicht immer hier unten am Waldplatz, wir gehen manchmal über unsere Wiesen und besuchen die Schafe auf den Weiden. Wir sind viel unterwegs. Einmal im Jahr ist Papitag, dann wird Holz gemacht und geräumt im Wald, darauf sind die Kinder auch sehr stolz und weisen unter dem Jahr immer einmal wieder darauf hin, dass der Papi zum Beispiel mitgeholfen hat, zu holzen.»

Dreckige Kinder sind glücklich

Auch wenn zwischendurch ein paar Sonnenstrahlen durchkommen, frieren an diesem Morgen manche Kinder. Aber dafür gibt es die Feuerstelle, heissen Tee und zum Znüni eine schöne, heisse Suppe. Und als Dessert wird Popcorn am Feuer gemacht. Die Kinder verabschieden sich am Ende vom Purzelbär und steigen gemeinsam mit den Leiterinnen den «Holunderweg» zum Hof wieder hinauf. Oben angekommen wird nochmals gesungen, getanzt und Fangen gespielt, bis die müden und dreckigen Kinder schliesslich von den Mamis abgeholt werden. Und falls man noch nicht genug Waldboden an sich hat, wird zum Abschied noch schnell in eine Pfütze gesprungen, denn dreckige Kinder sind glückliche Kinder.

An diesem Morgen merkt man: Auch für die «Purzelwurzel» war der Winter nun lange genug. Kinder wie Leiterinnen freuen sich auf besseres Wetter, ausgedehnte Spaziergänge und wärmere Temperaturen, damit sie noch viele andere Abenteuer erleben können.

Weitere Informationen unter
www.purzelwurzel.ch oder bei Cayan Biberstein (052 384 00 75)