Sattelfest in jeder Situation

Die Kinder lauschen den Worten von Verkehrsinstruktor Robert Anliker (Fotos: sl)

Am 4. Oktober war es so weit: in Turbenthal fand die Veloprüfung der Fünft- und Sechstklässler statt. Dieses Mal waren auch die Kinder von Wila mit dabei.

8.30 Uhr: Spannung lag in der Luft, nervöses Getuschel überall. Bald ging’s los. Noch schnell den neuen Velohelm zurechtgerückt. Und schon wurde es ernst, denn wer kam da aus dem Schulhaus Hohmatt gelaufen? «Grüüüeezziii, Herr Fluuury!» erschallte es von allen Seiten, wie im Chor. Jetzt gab es kein Zurück mehr. «So, alle im Halbkreis aufstellen!», rief der geübte Verkehrsinstruktor freundlich, aber bestimmt.

Gekonnte Instruktion für einen erfolgreichen Tag

Noch früher an diesem Morgen, als andere Tösstaler noch friedlich schlummerten, beriefen die Instruktoren Denis Flury und Robert Anliker bereits ihre 26 fleissigen HelferInnen zur Lagebesprechung ein. Die wichtigsten Punkte wurden geklärt: Wer steht wo? Was ist meine Aufgabe? Für viele der helfenden Mütter und Väter war es der erste Einsatz dieser Art und so teilten sie die Nervosität vielleicht sogar ein bisschen mit ihren bald radelnden Sprösslingen. 155 Kinder würden an diesem Tag ihre Prüfung absolvieren, gute Organisation war also das A und O. Die HelferInnen sollten sich an einem zugeteilten Posten aufstellen und die Prüflinge beobachten. Je nach dem, ob sich die jungen Radler an die Verkehrsregeln hielten, gebe es einen Daumen hoch, oder aber einen Fehlerstrich aufs mitgebrachte Postenblatt. Besonders galt es zu beachten, ob die Kinder beim Abbiegen als Signal den Arm ausstreckten, einen Kontrollblick nach hinten warfen und ob sie sich korrekt einspurten.

«Und was ist im Ernstfall? Was ist, wenn ein Unfall passiert?», fragte eine der Helferinnen plötzlich verunsichert, eine Frage die wohl auch andere Eltern beschäftigte. Doch Flury versicherte sofort: «Da kann ich sie alle beruhigen. Es hat bisher noch nie einen Unfall gegeben, aber im Ernstfall wären wir sehr gut vorbereitet.» Ein Aufatmen ging durch die Reihen. Noch ahnte niemand, dass es zwar keine Unfälle geben sollte, es aber dennoch bald auch heikle Situationen zu meistern galt.

Übung macht den Meister

Nach der kurzen Unterweisung im Halbkreis für die Schüler und Schülerinnen wurden, ebenfalls ein Teil der Prüfung, die Fahrräder und Helme kontrolliert. Danach ging es ans Fahren. Ein Kind nach dem anderen startete in den Parcours durch die Strassen von Turbenthal. Einige waren noch ein wenig wackelig unterwegs, andere wiederum bewältigten jede Kurve ohne Probleme. Es war wohl die Nervosität, die den Wackelkandidaten zu schaffen machte. So waren sie fest darauf konzentriert, keine Fehler zu machen und wollten meist zu früh mit den erlernten Manövern beginnen.

Die Startnummern sind montiert: Jetzt gilt es, auf den Einsatz zu warten.
Die Startnummern sind montiert: Jetzt gilt es, auf den Einsatz zu warten.

Im Grossen und Ganzen machten die Prüflinge ihre Sache jedoch gut. Sie hatten ja auch fleissig trainiert. Dass nicht die Kinder das Problem waren, wurde schnell klar. «Ein paar der anderen Verkehrsteilnehmer hätten eher einen Fehlerstrich verdient, als die Kinder», meinte zum Beispiel Sabine Burkhard, eine der engagierten Helferinnen. Und auch Alexandra Kebbeh und Jacqueline Orlandi, ebenfalls Helferinnen, konnten ein Lied davon singen. Einmal mussten sie entschlossen auf die Strasse springen, um einen Autofahrer zu stoppen, der einfach den Rechtsvortritt missachtete und beinahe ein herannahendes Kind übersehen hätte. Dieses hatte die Situation zum Glück richtig abgeschätzt und gewartet. Ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig der geübte Umgang mit dem Rad auf der Strasse ist.

Bestens vorbereitet auf die Gefahren der Strasse

Wie man weiss, ist keineswegs immer sicher, ob sich alle Verkehrsteilnehmer an die Regeln halten. Besonders unter den Velofahrern sind viele nicht richtig geschult oder kümmern sich schlicht nicht um die Regeln. Die Unfallrate mit Fahrrädern ist sehr hoch, wie auch aus dem Unfallregister des Bundesamtes für Strassen hervorgeht. Umso wichtiger ist es, wenigstens den Kindern die entscheidenden Punkte zu vermitteln. Dieser Meinung ist auch Instruktor Flury: «Die Prüfung besteht nicht nur aus dem Praxisteil, sondern auch aus vermittelter Theorie». Umso mehr freut es ihn, dass die meisten Prüflinge so gut abgeschnitten haben: «Die meisten Schüler und Schülerinnen hatten unter vier Fehler. Das ist eine ausserordentliche Leistung», betont Flury. Vielleicht war auch das Programm «bike to school» ein Ansporn, wie Graziella Benet, eine andere Helferin, vermutet. Bei diesem Programm können angemeldete Klassen Punkte sammeln, wenn sie den Schulweg mit dem Velo bewältigen und am Ende war sogar ein toller Preis zu gewinnen. Auch die fleissigen Radler, die die Prüfung fehlerfrei meisterten, erwartete eine Medaille als Belohnung.

Doch der oder die Beste zu sein, sei nicht das Wichtigste, betonte Flury. Viel wichtiger sei das Bestehen der Prüfung, dann habe das Kind die richtigen Voraussetzungen für auf die Strasse. Er wolle keinen seiner ehemaligen Schützlinge mehr unsicher auf dem Trottoir fahren sehen. Sein Fazit nach diesem erfolgreichen Tag: «Die Kinder haben’s super gemacht! Wenn sie sich in Zukunft im Verkehr so verhalten, wie sie es geübt haben, müssen sie keine Angst mehr haben.»

Die Kinder zeigten ihre Fertigkeit auch auf der vielbefahrenen Tösstalstrasse.
Die Kinder zeigten ihre Fertigkeit auch auf der vielbefahrenen Tösstalstrasse.