Sackgasse oder freie Fahrt?

(Foto: Joel Probst)

Vielleicht haben Sie auch schon unnötige Umwege gemacht? Vor einiger Zeit fuhr ich mit dem Auto durch die Stadt Zürich. Auf einmal merkte ich, dass ich eine Abzweigung verpasst hatte, und wollte umkehren. Da ich aber auf einer mehrspurigen Einbahnstrasse unterwegs war, war dies nicht möglich. Ich bog in die nächste Querstrasse ein, in der Hoffnung auf der anderen Seite der Häuser in der Gegenrichtung zurück fahren zu können. Das aber war eine Fehlentscheidung: Die Strasse führte mich um einige Mehrfamilienhäuser herum, an vielen Sackgassen vorbei und schliesslich landete ich am selben Ort, wo ich in die Quartierstrasse eingebogen war. Ausser Spesen, nichts gewesen.

Die Christen aus Galatien, das in der heutigen Türkei liegt, verehrten früher römische und griechische Götter. Sie brachten ihnen Opfer dar und gaben sich Mühe, um sie gütig zu stimmen. Oder sie pflegten geheimnisvolle Riten, um dem Leben auf die Spur zu kommen oder sich mit dem Göttlichen verbunden zu fühlen. Durch Paulus und seine Mitarbeiter hörten sie von Gott, der für die Menschen alles tut, weil er sie liebt. Sie fassten Vertrauen zu Christus, der Leiden bis zum Tod auf sich nahm, um den Weg zu Gott frei zu machen. Das war so ungefähr das Gegenteil von dem, was sie gewohnt waren. Nicht sie mussten Gott gütig stimmen, sondern Gott tut alles für sie, weil er sie liebt! Und er schenkt ihnen den Heiligen Geist, der tröstet, aufrichtet, berät und erneuert. Den Christen in Galatien leuchtete das Evangelium ein. Sie liessen ihre bisherigen Opferrituale sein. Sie kehrten dem Glauben an die eigenen Bemühungen und die guten Taten den Rücken zu. Sie begriffen, dass sie mit allen Unzulänglichkeiten und Fehlern bei Gott willkommen sind, dass sie bei ihm Perspektive und Sinn für ihr Leben finden und dass ihr Leben eine neue helle und bedeutungsvolle Qualität erhält. Sie hatten freie Fahrt!

Dann aber, schreibt Paulus, bogen sie in eine Sackgasse ab: «O ihr unverständigen Galater! Wer hat euch bezaubert, denen doch Jesus Christus vor die Augen gemalt war als der Gekreuzigte? Das allein will ich von euch erfahren: Habt ihr den Geist empfangen durch des Gesetzes Werke oder durch die Predigt vom Glauben?»

Es ist sonnenklar, wie die Antwort lautet: Auf Grund des Gutseins und von vorbildlicher Lebensführung hat noch kein Mensch die Güte Gottes gewonnen. Das ist eine Sackgasse! Der Geist Gottes öffnet uns die Augen für das, wie Gott ist und wie er sich um uns kümmert! Da gewinnt unser Leben Fahrt! Der Geist Gottes weht, wo er will, und es gefällt ihm, dort überraschend zu helfen, wo wir Menschen nichts anderes tun, als Gott vertrauen und auf seine Möglichkeiten bauen. Da ereignen sich «Weltwunder»: nämlich Lebensveränderungen, Umkehr, Erneuerung und ein Leben aus dem Geist Gottes, der uns tröstet und hilft! Nicht nur damals, als das Evangelium sich rund um das Mittelmeer rasant ausbreitete, geschahen Veränderungen durch den Heiligen Geist, sondern sie geschehen auch heute. 

Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes, weist uns auf diese Triebfeder hin, die uns Mut macht und Kraft gibt, bei der freien Fahrt zu bleiben. Wir fordern von uns selber und von Menschen mit Einfluss, davon berichten die Medien immer wieder, dass sie alles korrekt und richtig machen. Ja, wir fordern Leistung und Anstrengung! Dabei wissen wir alle, dass es auch uns nicht gelingt, fehlerfrei zu leben. Zu oft biegen wir in Sackgassen ein. Der Heilige Geist stellt uns ein Bild vor Augen, eine Vision, auf die er hinweist. Und was ist hier zu sehen? Das Bild stellt Christus als den Gekreuzigten in den Mittelpunkt. Der leidende Gottessohn ist das eigentliche Leitbild für unser Christsein, weil wir mit all unserem Gutmeinen, mit unseren Enttäuschungen, Konflikten und mit unserem Versagen bei ihm willkommen sind. Wir schaffen es nicht, ethisch so hochstehend zu leben, dass wir uns selber stolz auf die Schultern klopfen könnten: «Wir sind gut! So wie wir sollten alle leben, dann gäbe es viel weniger Probleme unter Menschen.» Wer so überheblich denkt, macht sich nur selber deutlich, wie sehr er Vergebung nötig hat. Wer Christus als den Gekreuzigten vor Augen hat, dem vergeht der Stolz auf eigene Leistung, der wird bescheiden, und begreift, dass Christus ja auch für ihn gelitten hat, der merkt je länger je deutlicher, dass er beschenkt wird. 

Der Heilige Geist malt uns dieses Bild vor Augen. Der Geist führt aus Sackgassen heraus und zu erstaunlich freier Fahrt mit beeindruckenden Erfahrungen. Nicht durch Kraft, Gewalt oder Waffen, sondern durch den Geist Gottes verändert sich die Welt.