Sachverstand und Heimatliebe

Barbara Dillier-Keller (2.v.l.) stellt sich für das Amt als Gemeindepräsidentin in Fischenthal zur Verfügung (Foto: Eva Kurz)

Von den fünf Kandidaten für den Gemeinderat in Fischenthal hat nur einer Behördenerfahrung. Die Bürger sehen das als Zeichen, dass die Zeit für einen Umbruch reif ist – und als Chance. Unter ihnen Barbara Dillier-Keller, welche sich für das Amt der Gemeindepräsidentin zur Verfügung stellt.

Wer sie noch nicht kannte, hatte diese Woche Gelegenheit, Barbara Dillier-Keller persönlich kennenzulernen und bei der Gemeindepräsidentschaftskandidatin seine Fragen, Bedenken und auch Anregungen zu äussern. «Der Tößthaler» war am Dienstag, dem 20. März, vor Ort im Kaffee Voland, an ihrem Wohnort, Steg. «Heute stehe ich persönlich vor Ihnen, nicht virtuell.» Mit diesen Worten eröffnete Dillier, die sich im Wahlkampf online auf ihrer Website und auf Youtube präsentiert, den Abend. Nebst einem persönlichen Treffen war ihr Ziel des Anlasses auch, die Erwartungen der Gemeinde an sie als potentielle Gemeinderatspräsidentin heraus zu spüren.

Was aus der Stimmung der Anwesenden klar hervorging, war, dass es nicht in erster Linie Erwartungen sind, die sie an Dillier haben, sondern ihre Kandidatur vor allem mit einer lang gehegten Hoffnung auf Veränderung verbinden. Der von den Besuchern kundgetane Unmut über den Zustand ihrer Gemeinde – Ladensterben, zu wenig Interesse seitens vieler Bürger, mangelndes Gehör für ihre Anliegen seitens der Behörde – wurde von einem kraftvollen Gemeinschaftsgefühl begleitet. Alle waren sich einig: Dass der Gemeinderat bis auf einen Kandidaten zurücktritt, ist ein Zeichen, dass die Zeit für den ersehnten Umbruch gekommen ist. Dass er mit einem jungen Team neu besetzt werden kann, sei eine riesige Chance, mit alten Mustern aufzuräumen. Auch dass vier der fünf Kandidaten keine Behördenerfahrung haben, wurde nicht als kritisch empfunden, sondern als die Gelegenheit, mit neuen Strategien frischen Wind in die Gemeinde zu bringen.

Führungserfahrung und Respekt

So auch Dillier. Ob sie sich der Situation gewachsen fühle? Andere hätten «Schiss» vor solch enormer Aufgabe. «Angst habe ich keine, aber grossen Respekt», antwortete Dillier ernst. Dass die Unerfahrenheit ihre Schwachstelle ist, sei ihr bewusst. Allerdings hat Dillier viel Führungserfahrung. «Zusammen müssen wir uns gut einarbeiten und viel Arbeit leisten. Das wird vermutlich kein Zuckerschlecken. Doch mit einem motivierten Team ist alles möglich», erklärte sie und hängte schmunzelnd an: «Vor allem mit mir als Zug-pferd». Darin, das zeitaufwändige Amt neben Beruf und Familienleben auszuführen, sieht Dillier jedenfalls keinen Stolperstein. Die Kinderbetreuung teile sie mit ihrem Mann und sie werde auch von ihren Eltern stark gestützt. Arbeitstätigkeit sei zudem Voraussetzung für Gemeinderatsmitglieder. Die Sekundarschule Bauma komme ihr mit einem Mindestpensum enorm entgegen, da sie die zielstrebige Lehrerin, die sie seit 1998 beschäftigt, behalten möchte. Unter diesen Voraussetzungen könne sie diese grosse Veränderung in ihrem Leben unbefangen auf sich nehmen.

Bei der Frage nach ihren Plänen als Gemeindepräsidentin gab sie sich zurückhaltender. «Don’t over promise, over deliver» – nicht zu viel versprechen, dafür viel liefern, ist ihr Motto. «Wir haben viel Luft nach oben», sagte sie. Viele Themen werden sich erst nach dem Amtsantritt geben. Priorität habe eine stabile Finanzlage; mit schlanken Strukturen Effizienz schaffen und aus dem Minimum das Maximum herausholen. Denn das grossflächige Fischenthal mit seiner tiefen Siedlungsdichte ist eine finanzschwache Gemeinde. Sie möchte darum die Gemeinde für Mittelstand-Familien attraktiver machen, wodurch die Steuereinnahmen steigen würden. «Wir müssen uns bewusst sein, welche Möglichkeiten wir haben».

Weltoffen, volksnah, positiv

Auf ihrem Flyer, der im Ort verteilt wurde, steht: «Um eine Gemeinde sorgsam zu entwickeln, braucht es Sachverstand und Heimatliebe.» Dillier sieht viel Positives in ihrer Gemeinde: Fischenthal sei überschaubar, die Schule funktioniere gut, so auch die Vereine, und nicht zu vergessen die emotionale Komponente dieser schönen Landgemeinde. «Ich möchte ihre Einzigartigkeit herausheben», erklärt sie.

Die 44-jährige Dillier wuchs in Steg auf. Nach ihrer Matura lebte sie in Zürich und London. 2011 zog sie mit ihrer Familie zurück nach Steg, wo sie seither in der Nähe ihrer Eltern wohnt. Dank ihrem Engagement und ihrer alteingesessenen Familie Keller ist sie im Dorf bekannt. Ihre Weltoffenheit, ihre Verwurzelung in der Gemeinde und ihre Volksnähe sind wertvolle Attribute fürs Verständnis gegenüber der alten wie auch der jungen Generation. So erzählte Dillier freudig: «Ich bekomme viel positives Feedback auf meine Kandidatur, aus allen Kreisen und Altersschichten – auch aus unerwarteten Ecken».