Rosa Gibel ist ein Leben lang im Tal verwurzelt

Rosa Gibel vor dem Haus in Neubrunn, wo sie auch geboren wurde (Foto rg)

Während mehreren Jahren präsidierte Rosa Gibel-Inäbnit den Frauenverein Neubrunn. Das ist zwar Vergangenheit, geblieben ist ihre liebenswürdige Art und das Dasein für die Mitmenschen sowie das immense Wissen über das Neubrunnertal, das allseits geschätzt wird.

Rosa Gibel lebt immer noch da, wo sie einst geboren wurde. Und zwar im Elternhaus im Weiler Neubrunn. Als Rosa Inäbnit erblickte sie im Herbst 1943 das Licht der Welt. Dies im Tanzsaal des einstigen Gasthauses «Sternen» im kleinen Dorf bei Turbenthal. Von der Tanzerei spürte man damals bereits nichts mehr, denn im Hause mit angefügter Landwirtschaft wurde nur noch gewohnt. «Ich war zwar ein Einzelkind, bin aber doch in einer Grossfamilie aufgewachsen», erzählt sie. Im gleichen Haushalt wohnten Grosseltern, die Tante, eine Cousine sowie zwei Onkel. Das Leben hat sich, wie damals üblich, in der warmen Küche und in der beheizbaren Stube abgespielt. Der gute Geist dieser Gemeinschaft mag der Grundstein dafür sein, dass die Neubrünnlerin zu einem hilfsbereiten und liebenswürdigen Menschen wurde. 

Spagat zwischen Oberhofen und Neubrunn

Die Schule besuchte Rosa Gibel in Neubrunn, nur für ihr letztes Schuljahr musste sie noch nach Turbenthal. Dann ging es hinaus ins Leben: Sie arbeitete erst als Laufmädchen, dann als Bürohilfe, bevor sie über eine längere Zeit mithalf bei der Pflege der kranken Grossmutter in Wiesendangen. Es folgte der Einstieg in die damals noch übliche Hauspflege (heute Spitex). Sie wurde nur im Tal eingesetzt, und dort bei stets denselben Familien. Ihnen blieb sie aber über das Ende dieser Arbeit hinaus treu und bot gerne weiterhin freiwillig ihre Unterstützung an. Später wirkte sie lange als zuverlässige Kraft im Volg-Laden in Neubrunn. Durch all diese Tätigkeiten lernte sie die Talbewohner kennen und noch heute ist sie wie ein wandelndes Lexikon, was die Menschen und Gebäude angeht. Frauenvereinspräsidentin Verena Fehr Ruckstuhl sagt denn auch. «Wenn ich wissen möchte, wer nun vom Frauenverein als Senior oder Seniorin in die Liste aufgenommen werden soll, muss ich nur Rosa anrufen». In einer Zeit, wo aus dem Gemeindehaus derartige Informationen aus Datenschutzgründen nicht mehr möglich sind, erweist sich das reiche Wissen der Neubrünnlerin als sehr wertvoll.

1974 heiratete sie Alfred Gibel, das Paar wohnte zusammen mit der Schwiegermutter in seinem Elternhaus in Oberhofen. «Eigentlich hatte ich dann eine Doppelstelle», meint die 75-jährige. Es galt, zum Haus in Oberhofen zu schauen, aber auch ihre Eltern in Neubrunn waren immer wieder froh um ihre Hilfe. Ab 1989 übernahmen sie dann deren Landwirtschaft, zusammen führten sie den Betrieb bis 2014. Heute verlangen nur noch der Garten sowie Katzen und Hühner die Aufmerksamkeit des Ehepaares. Blickt Rosa Gibel zurück, so ist sie dankbar dafür, dass sie in Oberhofen ihre Schwiegermutter und in Neubrunn ihre Eltern im eigenen Hause behalten und pflegen konnte.

20 Jahre lang den Frauenverein Neubrunn geleitet

Wer so verwurzelt ist mit einem Tal, kommt irgendwann auch zu Ruhm und Ehre. Von 1981 bis 2001 präsidierte sie den Frauenverein Neubrunn. Geblieben ist von diesem Amt, dass sie den Seniorinnen und Senioren, denen vor Weihnachten ein kleines Präsent überreicht wird, mit persönlichen Worten auf einem kleinen Anhängeetikett alles Gute zu wünschen. Für dieses Wirken im Hintergrund wurde ihr am Mittwoch, 11. April, anlässlich der Frauenvereins-Versammlung, ein Blumenstrauss überreicht. Überhaupt bleibt sie dem Verein treu verbunden, sie geht auch immer noch im Weiler Neubrunn für die Schulweihnachtsfeier sammeln. Zusammen mit Heidi Willi, die sagt: «Ich schätze ihre Zuverlässigkeit und sie als Kollegin sehr».

Längst vorbei, aber vielen noch bekannt, ist, dass sie lange Jahre bei der Männerchor-Abendunterhaltung Theater spielte. «Früher war es nicht üblich, dass verheiratete Frauen eine Theaterrolle übernahmen», berichtet Rosa Gibel. So war der örtliche Chor ausgesprochen froh über ihre langjährige Mitwirkungszeit. Dies tat sie mit grossem Vergnügen, und holt während des Interviews flugs ein Paar Fotos hervor, die sie als junge Schauspielerin zeigen. Greth Lüscher, seit Jahren auf der lokalen Theaterbühne daheim, erinnert sich, wie sie immer nachfragen konnte wegen Theateruntensilien. Das wird geschätzt und Silvia Feuz vom Frauenverein erzählt: «Wenn ich etwas von früher wissen muss, so kann ich zu Rosa gehen, sie hat bestimmt eine Fotoaufnahme, die weiterhilft». Im Tal mag man die positive Art der Rentnerin, ebenso ihr offenes Ohr und die Aufmerksamkeit, die sie den Mitmenschen auf natürliche Weise entgegenbringt. Und manches Kind, das in der Vergangenheit gerne auf einen Besuch ins alte Haus huschte, wird ihr immer, und hoffentlich noch lange, mit Freude begegnen.