Projekt «Schlossguet» steht auf der Kippe

Der Lotteriefonds stellt für das Projekt «Schlossguet» maximal eine Million Franken in Aussicht anstatt der von Turbenthal angestrebten drei Millionen. (Archivfoto: «Der Tößthaler»)

Um die Zukunft des Projekts «Schlossguet» sieht es schlecht aus. Anstatt der angestrebten drei hat der Lotteriefonds maximal nur eine Million Franken zugesprochen. Das Vorhaben wird vorläufig auf Eis gelegt und das weitere Vorgehen im November besprochen.

Die Ambitionen waren hoch, welche die Gemeinde Turbenthal mit dem Projekt «Tösstaler Kulturscheune Schlossguet» hegte. Zu einem kulturellen Leuchtturm sollte die alte Schloss-Scheune werden, deren Ausstrahlungskraft weit über Turbenthal und das Tösstal als Ganzes hinausreichen sollte. Noch im April öffnete sie ihre Türen, sodass sich die Bürger ein eigenes Bild machen konnten von den Umbau- und Umgestaltungsplänen, welche die Kommission Schlossguet ausgearbeitet hatte. Dabei durfte auch die regionale und kantonale Prominenz nicht fehlen.

Geplant war, aus der Scheune eine Art Zentrum für die Tösstaler Kultur zu machen. Vorgesehen war, die alte Scheune vollkommen zu sanieren. Einen grossen Saal und einen Raum zu bauen, wo Ausstellungen in Verbindung mit kulturellen Anlässen durchgeführt hätten werden können. Im Weiteren sollte auch die Gemeindebibliothek und das Ortsmuseum ins Schlossguet umziehen. Diesem Plan stimmte der Gemeinderat am 22. August 2017 zu. Unter dem Vorbehalt, dass der Lotteriefonds den von der Kommission Schlossguet vorgeschlagenen Betrag von rund drei Millionen Franken beisteuern würde. Insgesamt hätte das ehrgeizige Projekt rund 7,5 Millionen Franken gekostet. Von Anfang an wusste die Gemeinde, dass sie auf einen grosszügigen Beitrag des Lotteriefonds angewiesen ist, um das Projekt auch in die Tat umsetzen zu können. Treibende Kraft hinter dem Vorhaben war Ex-Gemeinderat Markus Küng, der am 22. April abgewählt wurde und bis vor kurzem die Schlossguet-Kommission präsidierte.

Mit mehr Geld gerechnet

Kürzlich hat der Gemeinderat nun den Entscheid der kantonalen Finanzdirektion auf das von ihm eingereichte Vorgesuch beim Lotteriefonds erhalten. Die Antwort entspricht nicht den ursprünglichen Erwartungen. Und dementsprechend sieht es gegenwärtig auch schlecht um die Zukunft des Projekts Schlossguet aus. Der Lotteriefonds ist bereit maximal 450’000 Franken an den Umbau der Scheune zu zahlen (siehe auch Seite 2). Zu wenig, um das angedachte Vorhaben erfolgreich umzusetzen. Im Gesamtkonzept ist man von einem Beitrag von circa drei Millionen ausgegangen. Weitere 550’000 Franken würde der Lotteriefonds zwar für den Kulturbetrieb beisteuern, aber nur unter bestimmten Umständen. Hierfür müsste ein überzeugendes Museumskonzept eingereicht werden und der Bedarf für ein Kulturzentrum aufgezeigt werden, sagt Gemeindepräsident Georg Brunner (FDP). Selbst wenn der Lotteriefonds aber total eine Million sprechen würde, müsste die Gemeinde immer noch 6,5 Millionen Franken aufbringen. Dieses Geld müsste mittels Darlehen beschafft werden.

«Die grosse Verschuldung würde weiter steigen», betont der Gemeindepräsident. Das umgesetzte Projekt würde ausserdem mit jährlichen Betriebskosten von circa 500’000 Franken zu Buche schlagen. «Um diesen Mehraufwand zu finanzieren, müsste der Steuerfuss der Politischen Gemeinde erheblich erhöht werden», so Brunner. «Diese Steuererhöhung wäre sicherlich nicht mehrheitsfähig.» Für den Gemeindepräsidenten handelt es sich beim Schlossguet um ein Projekt, das «nice to have, aber nicht zwingend für die Erfüllung der Aufgaben der Gemeinde notwendig ist». Ein Handlungsbedarf für eine Sanierung und für eine gewisse Nutzung ist aus seiner Sicht aber klar vorhanden. Bis auf weiteres wird nun die Kommission Schlossguet sistiert und das Projekt auf Eis gelegt. Das weitere Vorgehen werde an der Klausur des Gemeinderates im November beschlossen werden, erklärt Brunner.

«Den Mut nicht verlieren»

Markus Küng möchte die vorläufige Entscheidung des Gemeinderates, die Schlossguet-Kommission zu sistieren, nicht weiter kommentieren. Als ehemaliger Kommissionspräsident hofft er aber, «dass nicht alle den Mut für diese Vision verlieren.» Er betont: «Es lohnt sich. Es ist das beste Projekt seit dem Gmeiwerch.» Auch wenn Küng vom Lotteriefonds mehr finanzielle Unterstützung erwartet hätte, ist er überzeugt, dass man mit Insistieren und Weiterkämpfen mit einem höheren Betrag des Lotteriefonds rechnen kann. «Wir haben am ‹Tag der offenen Scheune› mit dem Besuch durch einige Kantonsräte ein Fundament gelegt, um mehr erreichen zu können. Die aufgebauten Kanäle müssen nun halt genützt werden», so Küng. Seit der Abwahl aus dem Gemeinderat hat er sich aus dem dorfpolitischen Leben zurückgezogen und damit auch sein bisheriges Engagement für das Projekt Schlossguet beendet. «Die Enttäuschung über meine Abwahl hat am 22. April mein Engagement für die Gemeinde und alle damit verbundenen Projekte auf null sinken lassen», erklärt der Ex-Gemeinderat.

Lange Vorgeschichte

Das Projekt «Tösstaler Kulturscheune Schlossguet» hat bereits eine lange Vorgeschichte. Ende der 1980er-Jahre bot der einstige Besitzer Werner Weber die unter kantonalem Denkmalschutz stehende Schloss-Scheune zum Verkauf an. Im März 1990 beantragte der Gemeinderat der Gemeindeversammlung den Kauf der Liegenschaft mit der Begründung, der Ökonomieteil könne somit dem Ortsmuseums-Verein für die Unterbringung der gesammelten Gegenstände zu Verfügung gestellt werden.

Viele Jahre lief hinsichtlich der Planung und möglichen Umsetzung des Projektes eher wenig. 2013 beauftragte der Gemeinderat dann den Museumsexperten Samy Bill damit, ein Konzept für die Nutzung des Schlossguets auszuarbeiten. Im Frühling 2017 wurde dann die Kommission Schlossguet unter der Führung des damaligen Gemeinderates Markus Küng eingesetzt. Die Mitglieder der Kommission waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar.